RE: Meyns Bischof Meyns kritisiert Ökonomisierung der Kirchen

#16 von turmfalke , 17.05.2018 12:43

Liebes PseudoNym!

Ich würde dich lieber " Liebe oder Lieber PseudoNym" nennen, weil hinter deinem Decknamen sicherlich eine reale Person steckt, die entweder ein Mann oder eine Frau ist. Und so möchte ich Dich respektieren.

Aber unsere "Verkleidung" ist offensichtlich notwendig. Es hat sich als richtig erwiesen, dass wir hier im Forum diese Kunstnamen verwenden, weil Viele die hier schreiben, Grund haben, dienstliche oder andere unangenehme Konsequenzen zu fürchten, wenn sie sich als reale Person zu erkennen geben. Wir haben unsere Erfahrungen.

Du schreibst: "Alle Menschen sind Gottes geliebte Menschen, auch meine Gegner, und auch Mitglieder von Kirchenleitungen, auch Menschen, die Dinge tun, die ich für falsch halte."

und

" Im Konfliktfall ist der Gegner auch Partner in der Konfliktlösung."

Völlig richtig, wenn es so einfach wäre. Auch in meiner Bibel steht das legendäre Jesuswort: "Liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel." Matth. 5, 44 + 45

Jesus beschönigt dabei nicht, dass es tatsächlich Feinde auf der Welt gibt. Er wusste, wovon er redet. Schließlich ist er wenig später von seinen eigenen Feinden ermordet worden.

Jesus wünscht sich die Überwindung von Konflikten. Sein Weg dahin ist dei Liebe. Deshalb diese unglaubliche Aufforderung, die Feinde zu lieben.

Ich denke, er will damit auch sagen: Wenn wir uns in unserem Herzen verbittern lassen, dann verlieren wir vor den Menschen, vor Gott und dann auch vor uns selber den Respekt. Wenn Menschen uns etwas Böses antun, dann darf diese Bosheit nicht auch in unser Person hineinkriechen und uns auch von Innen zerstören.

Das ist auch einen Voraussetzung dafür, dass wir uns nachhaltig für eine Konfliktlösung einsetzen können.

Nur leider muss ich bestätigen, was Joringel so realistisch beschreibt: "Mobbing" besteht nicht aus irgendwelchen Konflikten, die sich emotionale Menschen mehr oder wenig undiszipliniert leisten. Da könnte man mit einigen netten Worten vielleicht die Wogen glätten.

Mobbing ist ein Systhem. Es gibt ein strukturelles Handeln, bei dem ein Gegner vom Mobbingtäter systematisch eingeschüchtert, ausgegrenzt, beleidigt und in seiner Person abgewertet wird mit dem Ziel, ihn zu destabilisieren, mundtot zu machen und möglichst aus seiner bisherigen Position zu vertreiben. Dabei ist es ein Kennzeichen für Mobbing, dass der Mobbingtäter mit dem Mobbing persönliche Ziele und Interessen verfolgt, bei denen der Gegner im Wege ist.

Es ist übrigens eine beliebte Methode des Mobbing, die Situation zu verharmlosen und dem Gegner dann Übertreibung vorzuwerfen, wenn er beginnt sich zu wehren.

Sprich, der Gegner kann nur dann "Teil einer Konfliktlösung" sein, wenn der Täter selber eine friedliche Konfliktlösung will.

Wenn sein Ziel aber bewußt oder unbewußt die Verschärfung des Konfliktes ist, dann hilft es nichts, wenn das Mobbingopfer ihm gutwillig und geduldig Gespräche anbietet.

Es gibt sogar die beliebte Methode, dass sich der Mobbingtäter pro forma auf eine Mediation durch Dritte einläßt, um sie dann an die Wand zu fahren. Dann kann er sagen: " Wir haben es versucht. Aber es ist zwecklos. Die Störung, die bei dem Gegenüber vorliegt, ist so hartnäckig, dass nur noch die Entfernung der betreffenden Person aus der Konfliktlage helfen kann." Damit hätte dann der Mobbingtäter auf vermeindlich gutwillige Weise an einer Konfliktlösung mitgewirkt und doch sein Ziel erreicht und den Gegner vertrieben.

Liebes PseudoNym! Es mag sein, dass du dich jetzt vor uns erschrocken hast. Aber so ist es. Leider müssen wir so deutliche Worte gebrauchen, weil wir mit Kirchenvorständen, Kollegen, aber auch mit kirchenleitenden Gremien auf vielfache Weise so bittere Erfahungen gemacht haben.

Viele Grüße!

Turmfalke


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RE: Meyns Bischof Meyns kritisiert Ökonomisierung der Kirchen

#17 von Panama , 17.05.2018 14:07

Lieber Turmfalke,
unsere Gedanken haben sich gekreuzt. Ich wollte auch auf PseudoNym und Joringel reagieren.
An Joringel: VIelen Dank für deinen guten Beitrag. Ich freue mich, dass diese Grundsatzdiskussion wieder geführt wird.
Und an PseudoNym: Steckt vielleicht hinter deiner Einleitung: "Liebe Streiter für eine bessere Welt" etwas Ironie? Es ist für mich nicht ganz klar...Ich hoffe, auch du streitest für eine bessere Welt mit deinen Begabungen und Fähigkeiten. Und für eine bessere Kirche, in der Konflikte fair und nicht nach dem Sündenblockprinzip gelöst werden.
Ich hoffe, dass durch dein Tun keine Pfarrperson / Pfarrfamilie, die ihren Dienst nach bestem Gewissen in der gegebenen Gemeindesituation tat, ihr Pfarrhaus unter Zwang räumen musste, keine Kindergartenleiterin, Chorleiter, Diakon oder sonstige hauptamltiche Person ihre Arbeitsstelle durch Mobbing-Handlungen verloren hat...Denn hier handelt es sich nicht um kleine Kränkungen (die es natürlich geben kann, aber mit etwas gutem Willen zu überwinden sind), sondern um die Existenz von Menschen und die Glaubwürdigkeit der Kirche. Dem Satz: "Alle Menschen sind Gottes geliebte Kinder" stimme ich natürlich zu (wer würde es nicht tun?). Diese Gleichheit aller Menschen vor Gott spielt aber leider - das ist meine Erfahrung - in einem Konfliktfall keine Rolle mehr. Joringel hat es zutreffend gesagt: Hier spielen allein und einzig Machtverhältnisse eine Rolle. Und wer sein Amt missbraucht (das gilt für ehrenamtliche Personen im Kirchenvorstand, hauptamtliche Personen in der Gemeindearbeit, KollgeInnen, aber auch für die Mittelebene der Kirchenleitung und erst recht für die obere Ebene der Kirchenleitung), um einer anderen Person vorsätzlich zu schaden und sie aus ihrem Amt zu vertreiben, mobbt. Das Ziel kann schnell erreicht werden.
Und wer mit Juristen in der Kirchenverwaltung oder vor kirchlichen Gerichten konfrontiert wird, merkt sehr schnell, wem die Autonomie der Kirche hilft und wem nicht.
Du schreibst am Ende: "In einem Konfliktfall kann der Gegner auch Partner in der Konfliktklösung sein". Ich habe hier eine ganz andere Erfahrung gemacht.
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