Kirche will wieder verbinden - alte und neue Gräben überwinden

#1 von Panama* , 26.07.2021 16:25

In den heutigen Stuttgarter Nachrichten ist ein Artikel von Nikolai B. Fortsbauer zu lesen: „Kirche soll wieder verbinden – Gegen alle Spaltungen“, in dem der in einem Jahr ausscheidende Bischof der Evangelischen Kirche in Württemberg zu einer „Gesellschaftsdiakonie“ aufruft. Damit gemeint ist „zum Beispiel, Gesprächsräume für kontroverse Positionen zu eröffnen. Für Menschen, die komplett aneinander vorbeireden. Die gibt es zuhauf“. Hier, so der Bischof weiter, könne die Kirche einen Dienst – „und eben dies meint ja Diakonie“ – an der Gesellschaft leisten, wenn sie solche Gespräche anbiete und versuche, „Gesprächsbrücken zu bauen.“
Der Leitartikel des Verfassers trägt den Titel: „Die Kirche wagt sich ins Offene – endlich – Mit „Gesellschaftsdiakonie“ will Landesbischof July alte und neue Gräben überwinden.
Es ist uns natürlich allen klar, welchen Gruppen der heutigen Zeit die Kirche „Gesprächsräume“ anbieten will. Man kann den Bischof dabei nur unterstützen wollen - und natürlich seine Nachfolgerin oder seinen Nachfolger im Amt.
Aber die Evangelische Kirche in Württemberg hat in der Vergangenheit in ihren eigenen Reihen eine ganze andere Methode angewandt. Nicht offen und fair, sondern „hinterrum“ und hinterlistig wurde in den warmen Amtsstuben der Kirchenoberen gearbeitet. Genau dadurch haben Menschen „komplett aneinander vorbeigeredet“. Vorbeireden müssen. Genau dadurch musste Misstrauen und in der Folge davon Unzufriedenheit und Verwirrung entstehen.
Gesprächsräume für kontroverse Positionen wurden den „Streitenden“ nicht angeboten; Gesprächsbrücke wurden nicht gebaut. Im Gegenteil. Die Kirche selbst ließ die Sache eskalieren und „verwaltete“ sie anschließend ruckzuck unter massivster Gewaltanwendung.
Das Wort „Gesellschaftsdiakonie“ hört sich gut an. Wenn damit tatsächlich alte und neue Gräben überwinden werden sollen, dann fangen wir doch JETZT mit den alten Gräben im eigenen Haus an, um selbst glaubwürdig zu sein. Ein Gesprächsraum lässt sich bestimmt schnell finden.

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RE: Kirche will wieder verbinden - alte und neue Gräben überwinden

#2 von Sunny , 28.07.2021 20:39

Hallo Panama

Das hast du schön geschrieben, aber ich glaube nicht das es hilft.
Ich meine mal gelesen zu haben, dass meistens Psychopathen voran kommen und hohe Positionen bekommen, weil Ihnen Empathie fehlt. Sie haben auch oft die Mobberrolle. Ich glaube ein Großteil der Kirchenobrigkeit gehört zu diesen Persönlichkeiten. Genießt es Macht zu haben und sie zum eigenen Wohle missbrauchen zu können. Sie halten zusammen und blicken vielleicht sogar mit stolze Lächeln auf ihre Opfer herab, die sie zum Teil bis zum Suizid quälen. Sie empfinden keine Schuld und Reue, schauen nur, wie sie Ruhm, Geld und Macht erhalten können. Dabei gehen sie über Leichen.
Wenn ich HBStrohm schon so scheinheilig schwabbeln höre... Und die Missbrauchsopfer hat er immer noch nicht entschädigt. Ich glaube der Kirche Obrigkeit sind die Menschen egal und sie haben Spaß an dem was sie zum Teil anrichten. Vielleicht brauchen sie es für ihr Selbstwertgefühl...

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Hoffe

#3 von Sunny , 28.07.2021 20:39

Meine Antwort ist OK sonst lösche ich sie wieder

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RE: Hoffe

#4 von Panama* , 28.07.2021 21:39

Deine Antwort gefällt mir nicht besonders und geht am Thema vorbei.
Gruß

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RE: Hoffe

#5 von turmfalke , 30.07.2021 16:52

Liebe Panama! Liebe Sunny!

Es gibt in der Kirche verschiedene Leute in verschiedenen Funktionen nebeneinander. Bei uns in der Hannoverschen Landeskirche gibt es eine strenge Trennung der Ämter.

Der Landesbischof (war mit Margot Käßmann auch mal eine Bischöfin) hat die theologische Außenvertretung. Er mischt sich auch ein in manche gesellschaftspolitischen Fragen. Dabei versucht man aber immer conciliant zu bleiben und niemandem wirklich auf die Füße zu treten. In letzter Zeit ist es auf dieser Seite allerdings merkwürdig still geworden. Ich erlebe kaum noch Kirchenleute in Talk-Shows oder den großen relevanten Interviews. Und große Leitartikel aus der Feder von Kirchenleuten sind selten geworden.

In die Dienstaufsicht und damit in die Personalführung mischt sich der Bischof kaum ein. Die ist beim Landeskirchenamt angesiedelt. Dort sitzen Verwaltungsbeamte, Juristen, Theologen und Finanzfachleute, die in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung treten. Da kann es vorkommen, dass richtig heftig gewaltsam Macht ausgeübt wird. Ich habe das selber erlebt und viele Male beobachtet. Dabei glaube ich kaum, dass diese Funktionsträger tatsächlich böse Menschen sind. Zumindest ein Teil ihrer Motivation mag es sein, zum Wohl der Kirche zu handeln. Leider haben sie aber nicht immer ein Gefühl dafür, was wirklich an der Basis der Kirchengemeinden vor sich geht. Je länger man fern ab auf einem Chefsessel sitzt, je weiter entfernt man sich von der Praxis. Sprich: Man redet aneinander vorbei. Und wenn es dann einmal zu einem Fehlurteil gekommen ist, dann fällt es den Leuten im Amt ganz schwer, das zuzugeben. Sie kommen meistens auch damit durch, wenn sie die unangenehmen Fälle aussitzen und einfach nicht mehr antworten. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass die große Öffentlichkeit sich kaum noch dafür interessiert. Der Bericht vom Fehlverhalten einer evangelischen Kirchenleitung ist kaum noch eine Nachricht wert.

Und dann gibt es da noch die Evangelischen Akademien. Das sind kirchliche Denkfabriken mit einem gesamtgesellschaftlichen Auftrag, in denen eine hochkarätige Tagung nach der anderen läuft. Da findet tatsächlich statt, wovon der Bischof in Panamas Artikel schreibt: Gegenläufige Auffassungen in der Gesellschaft, die sonst nicht zueinander finden, melden sich zur gleichen Tagung an, begegnen sich und kommen ins Gespräch miteinander. Das gelingt nicht immer. Wenn aber doch, dann ist das großartig. Dieses Konzept ist aber nicht neu. Kirche übt diese Funktion in den Akademien schon 70 Jahre lang aus. Bald nach dem Krieg hatte man begriffen, dass die Christen in der Zeit der Nazi-Diktatur zu lange geschwiegen haben. Deshalb wollte man etwa ab 1950 mehr gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.

Die Glaubwürdigkeit der Kirche hängt natürlich davon ab, ob sie mit ihren eigenen Mitarbeitenden fair umgeht. Unsere eigene Glaubwürdigkeit, z.B. hier im Forum, hängt aber auch davon ab, ob wir ausgewogen bleiben und nicht die eine Ebene mit der anderen verwechseln.

Viele Grüße!

Euer Turmfalke


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RE: Hoffe

#6 von Panama* , 30.07.2021 20:33

Lieber Turmfalke,
danke für deine Antwort.
Ich weiß nicht wie die "Gesellschaftsdiakonie", zu der Bischof July jetzt aufruft, konkret umgesetzt werden soll. In den zwei Artikeln, auf ich mich bezogen habe, finde ich keine Angaben, wo und wie diese "Gesprächsräume" angeboten bzw. "Gesprächsbrücken" gebaut werden sollen. Wir werden sicherlich demnächst mehr erwahren.
Ansonsten bleibe ich aus gutem Grund bei meinem Beitrag!
Gruß
Panama

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RE: Hoffe

#7 von Sunny , 31.07.2021 21:08

Hallo Turmfalke

Danke für deine Antwort, sie hat mir geholfen mehr zu verstehen. Auch Panama hilft mir Dinge zu verstehen.
Ich verzeihe allen Kirche Leuten diese Fehlurteile und habe Verständnis, dass es dazu kommen kommen kann. Ich vermisse nur die Bereitschaft Fehler gut zu machen, nachdem man auf die Fehler hingewiesen hat.

LG Sunny

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RE: Hoffe

#8 von turmfalke , 03.08.2021 12:15

Liebe Sunny!

Du hast Recht: Es fällt den Verantwortlichen in den Kirchenleitungen sehr schwer, Fehler zuzugeben. Das mag persönliche Eitelkeit sein. Ich denke aber, dahinter sitzt vor allem die Angst, den "Guten Ruf" der Kirche zu beschädigen. Dass diese Haltung am Ende erst Recht schädlich ist, sieht man jetzt daran, wie die Kriese der Katholischen Kirche um die Missbrauchsskandale öffentlich geworden ist und sich nun nicht mehr weiter verheimlichen lässt.

Dazu kommt auch noch das Phänomen, dass es auch in kirchlichen Ämtern eine Hackordnung gibt. Auch dort kann ein Mitarbeiter sehr schnell bei den anderen in Ungnade fallen und dann abserviert werden. Wer das Nest beschmutzt, wird von den andern aus dem Nest geworfen. Man nennt es auch "Mobbing".

Und es gilt auch hier mein alter Spruch: Der Mobbingtäter muss weitermobben, damit nicht bekannt wird, dass er schon vorher gemobbt hat.

Und liebe Panama!

Ja! Offensichtlich sind die Verhältnisse in deiner Landeskirche andere als in meiner. Das mag mit an der Geschichte unserer Kirchen liegen. In der Reformationszeit haben ja manche Landesfürsten das Bischofsamt selbst übernommen, als die Macht der Katholischen Kirche zerbrach. Das war damals offensichtlich akzeptabel, weil der Fürst mit seiner weltlichen Macht die Gründung der Kirche der Reformation überhaupt erst möglich gemacht hatte. Außerdem waren zumindest die Fürsten des Hauses der Welfen im Königreich Hannover durchweg sehr gebildete Leute und hatten oftmals zumindest teilweise ein Theologiestudium absolviert.

Sie ließen aber natürlich dieses Bischofsamt stellvertretend ausüben durch dafür zuständige Ämter. Dementsprechend gab es bei uns schon schon sehr früh ein Landeskirchenamt, das die Dienstaufsicht über die Pastoren hatte. Das Amt eines vom Staat unabhängigen "Landesbischofs" wurde aber erst 1924 geschaffen, nachdem durch die Revolution nach dem 1. Weltkrieg die Fürsten gestürzt worden waren. Dabei wurde der Einfluss des LKA nicht eingeschränkt. Die Position eines Oberlandeskirchenrates im Landeskirchenamt versammelt unter sich immer noch eine große Machtfülle, ohne dass die Öffentlichkeit die Gesichter dieser Leute kennen würde. Und ja, bei uns hält der Landesbischof sich an dieser Stelle sehr bedeckt.

Was ich mit meinem Beitrag neulich nur sagen wollte, war doch dies: Wenn Kirche sich dafür einsetzt, dass Leute nicht aneinander vorbei reden, ist das erst mal gut, auch wenn die Kirche selber viele Male nicht mit gutem Beispiel vorangegangen ist. Und es ist natürlich dein Recht und deine Pflicht darauf hinzuweisen.

Ob´s hilft?

Schöne Grüße!

Turmfalke


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RE: Hoffe

#9 von Panama* , 03.08.2021 13:03

Danke, lieber Turmfalke!

Panama*  
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RE: Hoffe

#10 von Sunny , 05.08.2021 08:17

Hallo Turmfalke

Leider fällt es den Kirchen leitungen nicht nur schwer Fehler zuzugeben. Mir wurde von zwei Seiten warnen nahegelegt n der Öffentlichkeit zu offen zu erzählen, was mit mir gemacht worden ist. Und ich darf auch bei Facebook nur anonymisiert schreiben, weil die Foren wohl geprüft werden auf meine Beiträge


LG Sunny

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