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RE: Hallo noch eine Antwort

#31 von Achim , 27.01.2017 15:57

Liebe Tintoretta,

wir können Deine Verzweiflung nachfühlen und wollen Dir helfen, so gut wir können. Was ich persönlich zu Deiner Hilfe - als Jurist - beitragen kann, habe ich schon mit meinem vorangegangenen Hinweis auf BEM auszudrücken versucht. Es liegt aber auch ein wenig an Dir, dieses Instrument, möchte sagen: diese Waffe, auch in die Hand zu nehmen. Dabei ist mir schon klar, dass das leichter gesagt als getan ist und dieses Instrument in sachkundige Hände eines Fachanwalts für Arbeitsrechts gehört. Du bist anwaltlich vertreten? Was hält Deine anwaltliche Vertretung von dem Projekt "BEM"? Und was die MAV? Dass letztere ihr Tätigwerden von Deiner Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft abhängig macht, ist so skandalös, dass ich es nicht glauben mag.

LG

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RE: Hallo noch eine Antwort

#32 von Tintoretta , 28.01.2017 13:44

Vielen Dank für eure schnellen und aufschlussreichen Antworten.
Ich bin arbeitsrechtlich vertreten. Meine Anwältin ist aber der Meinung, ich soll mich
bewerben und dann einen Auflösungsvertrag machen.
Ich dachte, der Arbeitgeber muß mir nach 6 Wochen ein BEM anbieten, hat er aber
nicht, d. h. ich muß mich selbst darum kümmern.
Aufgrund der jahrelangen Mobberei habe ich aber inzwischen so starke Depressionen,
daß ich noch einmal in die REHA soll. Also kann ich mich nicht bewerben, ich bin im
Moment auch gar nicht in der Lage zu arbeiten. Und ich weiß auch nicht, ob ich ein
solches Gespräch durchstehe. Ich kann es kaum für möglich halten, wie es Mennschen
gesundheitlich (psychisch) geht, die gemobbt worden sind und daß man sich da kaum
gegen wehren kann und rechtlich kaum gegen angehen kann. Ich habe es hier gelesen, ich
habe es von anderen gehört und man ist komplett hilflos. Die Mobber kommen davon,
die Vorgesetzten und teilweise die MAVs sind beteiligt, kann man denn da gar nichts
tun, damit anderen nicht dasselbe passiert? Es ist wirklich frustrierend und wenn ich hier
irgendetwas tun kann, was dagegen wirkt, laßt es mich wissen.
Ein schönes Wochenende an euch alle.

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RE: Hallo noch eine Antwort

#33 von Achim , 28.01.2017 16:21

Nun ja, liebe Tintoretta,

dass wir Dir wirklich helfen wollen, soweit wir es mit unseren bescheidenen Mitteln können, siehst du bitte? Ich persönlich bin der Meinung, dass Dir BEM helfen könnte, wenn es denn sachkundig eingeleitet/begonnen würde. Kann oder will Deine Anwältin Dir diesbzgl. nicht zur Seite stehen? Wenn der Arbeitgeber entgegen gesetzlicher Vorgaben das BEM nicht einleitet, hat auch der betroffene Arbeitnehmer das Recht und den Anspruch, das BEM-Verfahren zu initiieren und damit auch die Gelegenheit und damit auch die Chance dort den Mobbinghintergrund darzustellen und sachkundig untersuchen zu lassen.

LG

Achim


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#34 von turmfalke , 02.02.2017 16:32

Liebe Tintoretta!

Deine Klage kann ich verstehen! Mobbing ist gesundheitsschädlich für alle, die davon betroffen sind. Man kann sich da kaum schützen. Unsere Seele ist verletzbar. Und sie vergisst nicht. Und wenn sich manche dunkle Erfahrungen übereinanderlegen, dann kommt dabei ein Trauma zustande.

Wenn es bei Dir so ist, dann ist es vermutlich richtig, wenn Du erst mal eine Auszeit nimmst und eine Reha machst: Ein Schonraum, in dem Du dich erholen kannst, ist bestimmt gut.

Aber wenn es überhaupt eine Heilung gibt, dann ist das beste Heilmittel dafür positive Erfahrungen.

Deswegen wünsche ich dir trotzdem, dass Du - so bald es Dir möglich ist - wieder in einem Kindergarten arbeitest und Dir und anderen zeigst, Dass Du das kannst. Du hast es ja alle Jahre gut gemacht. Warum solltst Du es jetzt nicht mehr können?

Ich kann mir aber doch denken, dass Du den Arbeitgeber wechseln musst und woanders anfangen musst, um aus dem Dunstkreis der Mobbingtäter herauszukommen.

Viele Grüße und gute Besserung! Turmfalke


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RE: Hallo noch eine Antwort

#35 von Tintoretta , 03.02.2017 17:29

Vielen Dank, Turmfalke, für die aufmunternden Worte.
Ich bin auch deiner Meinung, dass ich den Arbeitgeber wechseln sollte.
Und vor allem, was mich am meisten zusätzlich noch verletzt hat, ist, dass
sich die MAV komplett heraus hält, und ich noch nicht einmal eine Ant-
wort bekomme. Aber: ...man hat ja einen guten Draht zur Kindergarten-
Leitung. Jetzt weiß ich noch nicht mal, wen ich zu meinem BEM mit-
nehmen soll. Da tun sich echte Abgründe auf! Und als ich mich vor langer
Zeit für den Arbeitgeber Kirche bewußt entschieden habe, habe ich ein
solch unsoziales Verhalten nicht erahnen können.
Ein schönes Wochenende

Tintoretta  
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#36 von Joringel , 04.02.2017 20:01

Liebe Tintoretta,

diese Homepage wird doch von einer großen Zahl von Menschen angesteuert. Die wenigsten melden sich hier, aber irgendwie bekommen sie wohl dieses Dilemma zwischen Anspruch und rauher Wirklichkeit in der Kirche auch mit. So ein Satz von Dir wie:
Und als ich mich vor langer Zeit für den Arbeitgeber Kirche bewußt entschieden habe, habe ich ein
solch unsoziales Verhalten nicht erahnen können,
den könnten viele geschrieben haben. Aber trotzdem ist erst einmal so ein Urvertrauen da gegenüber der Kirche. Ich kann auch noch verstehen, dass es manchmal menschelt und auch aus Eitelkeit und Machtanspruch große Fehler gemacht werden. Aber dass man sich nicht ernsthaft um Aufklärung und Abhilfe bemüht, das werfe ich der Kirche wirklich vor. Diesen Verein gibt es seit 2001, aber es wird nur an der Fassade gearbeitet, nicht an den Fehlern und ihren Ursachen.
Ich wünsche Dir, dass die Reha dich wieder aufrichtet, denn Du hast es nicht verdient durch solche Machenschaften niedergemacht zu werden!
Melde dich wieder bei uns!

Es grüßt Joringel


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RE: Hallo noch eine Antwort

#37 von Tintoretta , 05.02.2017 10:25

Vielen Dank, Joringel. Ich sehe das genauso. Ich weiß z.B. auch, dass unsere MAV sich
theoretisch mit Mobbing auseinander gesetzt hat (oder mußte). Aber irgendwie habe
ich den Eindruck, die ignorieren das , und sagen, das gibt es bei uns nicht. Die Leitungen
haben die absolute Macht, sie können betimmen, wer mehr Stunden bekommt, wer im
Familienzentrum mitarbeiten darf und wer nicht, wer aufsteigt und wer fällt. Den Träger
interessiert das nicht viel, Hauptsache es läuft. ich habe auf mein letztes Versetzungsgesuch
noch nicht einmal eine Antwort bekommen!!! Und in so einem kleinen Kirchenkreis sind
die Seilschaften anscheinend besonders stark. Ich denke auch schon die ganze Zeit darüber
nach, wie man etwas ändern könnte, damit es anderen nicht genauso ergeht, denn Mobbing
ist mit das Schlimmste was einem passieren kann, denn man steht mit dem Rücken an
der Wand und ist total hilflos und ausgeliefert. Und die meisten sind ja dann auch gezwungen
ihren Arbeitsplatz zu wechseln ohne Rehabilierung zu erfahren. Und der Makel bleibt dann,
obwohl es ja in Wahrheit gar nicht so war.

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#38 von Joringel , 05.02.2017 16:00

Ja, Tintoretta, das kann ich nur bestätigen. Das ist sehr, sehr bitter, denn es trifft oft sehr engagierte Leute. Es ist wie eine Strafe dafür, dass Du Deinen Beruf ernst genommen hast. Und die "Täter" feixen im Hintergrund und spielen die Unschuldslämmer. Wenn man das einmal erkannt hat und in diesen Schmodder auch nicht mehr zurück will, dann sollte man wirklich einen harten Schnitt machen und etwas Neues anfangen. Eine Dame, die in der Verwaltung einer Landeskirche sexuelle Übergriffe erleben musste und die auch von Niemandem in diesem "ehrenhaften" Milieu Hilfe bekam, schrieb uns einmal, dass sie - seitdem sie wegging- viel sensibler für Mobbing und Ausgrenzung von anderen geworden ist. D.A.V.I.D.e.V. versucht schon seit vielen Jahren über Mobbing in der Kirche und kirchlichen Einrichtungen aufzuklären. Leider gibt es auch Menschen, die genau an diesem Widerspruch zwischen hohem Anspruch und der gnadenlosen Realität zerbrechen. Deswegen - wenn Du alles so klar siehst und soviel an psychischer Gesundheit und Stabilität für Dich auf dem Spiel steht - renn' weg! Du kannst ja später mal Deine Geschichte hier anonymisiert in Etappen veröffentlichen. Das würde vielleicht wieder anderen die Augen öffnen.

Es grüßt
Joringel


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RE: Hallo noch eine Antwort

#39 von Tintoretta , 06.02.2017 15:49

Hallo Joringel, ich finde es auch ganz schrecklich, dass man außer Aufklärung und Sensibilisierung
nichts machen kann. Das liegt an unseren Systhemen, die sind ja meistens so aufgebaut, dass der
Druck nach unten weitergegeben wir, gerade bei so hierarchischen Institutionen wie z.B. Kirche.
Und die meisten Kollegen wissen es, machen aber nichts, denn sie sind ja froh, daß es sie selbst
nicht erwischt. Das Schlimmste daran ist auch, daß in den meisten Fällen die Leiterinnen mit-
mobben (bossing) und da ist man wirklich schlecht dran. Von Führungsqualitäten keine Spur.
Bei dem Fall, den du geschildert hast, hat da die MAV oder der Personalrat auch nicht einge-
griffen? Mich würde mal interessieren, was ihr für Erfahrungen mit MAVs gemacht habt. Ich habe
meine ja schon mehrfach angeschrieben, ich bekomme noch nicht mal eine Antwort.
Und noch eine Frage: wen kann ich zum BEM Gespräch mitnehmen, wenn die MAV mich nicht
unterstützt? Einen Anwalt?
Danke im voraus.

Tintoretta  
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Hallo noch eine Antwort Beispiel Neinstedt

#40 von Joringel , 09.02.2017 13:17

Hallo, Tintoretta,

leider kann ich nicht umfassend auf Deine Frage antworten, nur als juristischer Laie. Doch es ist allgemein bekannt, dass die MAV eine sehr schwache Position gegenüber den Vorgesetzten hat. Ich selbst habe diese Erfahrung immer wieder gemacht und andere haben sie bestätigt. Selbst wenn die MAV auf Gesetzesverstöße hinweist, wird das einfach ignoriert. Ein Paradebeispiel für die Schwäche der MAV ist der berüchtigte Fall aus Neinstedt, Du kannst es hier in einem Thread verfolgen. Immer wieder war die MAV eingeschaltet, aber knickte einfach weg. Ich will gar nicht mal sagen, dass es an einzelnen Personen liegt. Eher ist es so, dass die Leitungen wissen "Uns kann keiner, wenn wir die richtigen Leute hinter uns haben." Und da wird im Hintergrund viel gemauschelt. Einer unserer Mitbegründer sprach einmal von der "Mauschelkratie Kirche". Auch im Fall Neinstedt haben wir versucht, einen Dachverband der Diakonie einzuschalten, doch die winken solche Briefe einfach durch und dann sind Sie wieder da, wo Sie angefangen haben. Kein Mensch mit gesundem Menschenverstand kann sich bezüglich der Evangelischen Stiftung Neinstedt, und vermutlich auch bei Dir vorstellen, was da getan und gemacht wird, um unschuldige Menschen in die Knie zu zwingen. Aus diesem Grund würde ich auf jeden Fall zu diesem wichtigen Gespräch einen Anwalt mitnehmen.
Es grüßt Dich
Joringel


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Welche Hilfen gibt es noch

#41 von wilfried , 17.02.2017 13:09

Tintoretta schrieb:

Mich würde mal interessieren, was ihr für Erfahrungen mit MAVs gemacht habt. Ich habe
meine ja schon mehrfach angeschrieben, ich bekomme noch nicht mal eine Antwort.
Und noch eine Frage: wen kann ich zum BEM Gespräch mitnehmen, wenn die MAV mich nicht
unterstützt? Einen Anwalt?
Danke im voraus.



Hallo in die Runde und natürlich: Hallo Tintoretta,

nach einem langen Telefonat (ich hoffe, ich durfte das schreiben, Tintoretta?)
riet ich angesichts der Lage (mehrere Rehas, aktuell Arbeitsunfähigkeit, möglicherweise droht Schwerbehinderung ...) sich an den Integrationsfachdienst (früher sagte man Sozialamt) der betreffenden Kommune zu wenden.
Der Integrationsfachdienst ist dazu da, Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu beraten und zu begleiten, um wo möglich die Arbeitsfähigkeit der Arbeitnehmerin zu erhalten. (Teilhabe vor Rente)

Ich selber habe die besten Erfahrungen damit gemacht, einen Vertreter von dort mitzubekommen, die gesamte Qualität der Gespräche war von jetzt auf nun sachlicher und in meinem Sinne wirklich hilfreich; der Arbeitgeber mochte sich nicht öffentlich blamieren. Natürlich bekommt man im Falle von Irrtümern auch vom Vertreter des Fachdienstes ganz lieb gesagt, daß man sich besser so oder so verhalten sollte. Die Beratung ist neutral und nicht parteilich, aber auch nicht parteilich für den Arbeitnehmer.
Der damit verbundene Realismus ist in meinen Augen sehr von Vorteil.

Auch auf die MAV möchte ich noch einmal zu sprechen kommen:
Ich hoffe nicht, daß die MAV, die einen Beitritt zur Kirchengewerkschaft forderte, Deine ist, Tintoretta. Sowas geht natürlich gar nicht.
Sicherlich ist die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft oder das Vorhandensein einer abgeschlossenen Rechtsschutzversicherung sinnvoll, ob ich aber gerade in den VKM gehen würde, wage ich zu bezweifeln; obwohl - auch der VKM (Verband Kirchlicher Mitarbeiterinnen)
wäre sicherlich ein guter Begleiter bei Gesprächen, wie es auch öfters mein Gewerkschaftsvertreter (Ver.di) für mich war.

Die MAV solltest Du, Tintoretta, immer mal wieder kontaktieren und auf dem Laufenden halten.

Richtig fand ich es, nicht hinter einer alten und erledigten Angelegenheit hinterherzufassen, die in Deinem Interesse anscheinend beigelegt war, denn auf Deine Entgegnung hatte der Arbeitgeber nicht mehr erwidert. Da keine Abmahnung ausgesprochen wurde, ist arbeitsrechtlich von dem betreffenden Gespräch nichts mehr zu erwarten und eine realistische MAV wird sich erstens die Arbeit sparen und zweitens auch den Bodenschlamm nicht wieder aufwirbeln wollen.

Mein Rat war, mal in die Personalakte (mit Begleitung der MAV) zu schauen und zu sehen, was denn dort so alles abgelegt ist. Wenn alles gut ist, ist es beruhigend, andernfalls kopierst oder fotografierst Du es nach Möglichkeit (was man Dir verweigern darf, falls man es bemerkt) oder (das darf m,an Dir nicht verweigern) Du schreibst Dir die betreffenden Absätze ab.
Verstöße, zum Beispiel Dir nicht bekannte Abmahnungen, dokumentierst Du bitte gut, sagst aber im Augenblick nichts dazu, sondern wendest Dich mit Deinen Informationen an Deinen Rechtsbeistand.
Meinem Arbeitgeber bekam es zum Beispiel vor dem Landesarbeitsgericht nicht so gut, daß er illegale Dinge in meiner Personalakte hortete und anscheinend sogar eine illegale Zweitakte führte, da war der Richter dann ganz schnell bei mir. So kann das falsche Verhalten eines Arbeitgebers sogar zum Guten für die Mitarbeitenden sein, solange man nicht gleich sein Pulver verschießt und nur um des Rechthabens willen auf die Verstöße hinweist. Ich konnte da glücklicherweise warten, bis der Tag beim Landesarbeitsgericht gekommen war.

Daß die MAV von Kirchens bezahlt werden, ist in meinen Augen per se kein Argument gegen deren Glaubwürdigkeit, ich war auch Mitarbeitervertretungsvorsitzender und werde noch immer von Diakonie bezahlt, aber meine Glaubwürdigkeit war, denke ich, nie im Zweifel.
Gehe in das Gespräch mit Deiner MAV und klopfe sie mal genauer ab.

Das BEM, übrigens, muß der Arbeitgeber Dir zwar anbieten, aber die Fristen sind da, glaube ich, nicht so klar.
Mein Arbeitgeber bietet Dir ein BEM dann an, wenn Du im letzten Jahr über sechs Wochen gefehlt hast, bietet Dir das BEM dann allerdings erst nach fast einem Jahr nach Deiner Erkrankung an, womöglich; und Du bist womöglich schon lange wieder am arbeiten.
Auch kann es sein, daß er Dir das BEM während einer Krankheitsphase anbietet, wo Du es nicht annehmen kannst, willst oder - müssen tust Du es ja sowieso nicht.
Ich rate aber immer, bei angebotenem BEM dieses auch zu nutzen, denn sonst gerät der Arbeitgeber durch das abgelehnte Angebot in Vorteil.

Führt der Arbeitgeber das BEM nicht durch, kann er Dich im Ernstfall schwieriger kündigen, denn die Arbeitsgerichte entscheiden eher zugunsten der Arbeitnehmer, wenn kein BEM durchgeführt wurde. Insofern ist ein nicht durchgeführtes BEM sogar in dieser Hinsicht zu Deinem Vorteil.

Auch zu Deinem Vorteil wäre es natürlich, wenn Du mit einem BEM nach Deiner Reha wieder in Deinem Betrieb arbeiten könntest, vielleicht an einer anderen Arbeitsstelle.

Einen anderen Arbeitgeber würde ich bei der aktuellen Tariflandschaft in Deiner Situation nicht unbedingt suchen, allerdings nur, wenn Deine Gesundheit ein Arbeiten bei Deinem alten Arbeitgeber zulässt.

Wir besprachen noch so vieles, was aber eher privat ist und andere eventuell Ratsuchende hier nicht interessieren dürfte, denn es ist nicht allgemein gültig, sondern fokussiert mehr auf Dich, Tintoretta,


Ich persönlich bin dankbar, daß ich die Gewerkschaftssekretärinnen und -Sekretäre zu meiner Unterstützung hatte und - leider erst nach einem Psychiatrieaufenthalt - den Integrationsfachdienst. Das hätte ich gerne früher gehabt.

An diesen Dienst kann man sich, wenn man es denn weiß, auch selber als Arbeitnehmer wenden.
In meinem Fall wurde die Kontaktherstellung von der Klinik (dem Sozialarbeiter) angeboten, von mir gerne akzeptiert und dann telefonierte ich noch in der Klinik lange mit dem Mitarbeiter. Kurz danach trafen wir uns und er begleitete mich über ein Jahr.

Ich darf mich auch jederzeit bei ihm melden, wenn mal der Schuh drückt und letztens fragte er selbsttätig nach dem aktuellen Stand der Dinge.

Tintoretta, ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deiner Reha und für Deine Entscheidungen die nötige (innere) Ruhe und Begleitung.

Mit herzlichen Grüßen
Wilfried


 
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zuletzt bearbeitet 17.02.2017 | Top

RE: Welche Hilfen gibt es noch

#42 von Tintoretta , 17.02.2017 17:44

Ja, Wilfried, das Gespräch war lang und interessant und ich habe viel daraus mitnehmen können.
Dir und euch allen anderen ein wunderschönes Wochenende
Tintoretta

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RE: Welche Hilfen gibt es noch

#43 von Joringel , 20.02.2017 11:02

Lieber Wilfried,

Danke, dass Du Deine Erfahrungen hier noch einmal so ausführlich darstellst. Nicht jeder, der unser Forum besucht, artikuliert sich auch persönlich. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass Deine Erfahrungen und Hinweise auch denjenigen Besuchern helfen können, die ihre Situation aus Angst vor Konsequenzen hier nicht beschreiben.

Dein Text ist eine prima Bereicherung!

Es grüßt dich
Joringel


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