Wilfried stellt sich vor

#1 von wilfried , 12.02.2015 01:10

Hallo allerseits,

(um nicht Grüß Gott zu sagen)


nachdem ich bereits im mobbingforum lange mehr oder weniger aktiv seit meinem Landesarbeitsgerichtsverfahren bin, habe ich erst jetzt herausgefunden, daß es auch ein Forum im kirchlichen Bereich zu dem Thema Mobbing gibt.

Ich bin 52 Jahre alt.

Als langjähriger Mitarbeitervertreter war mir das Phänomen Mobbing schon lange bekannt; unter anderem aus Seminaren bei der Gewerkschaft Ver.di und aus eigener Fortbildung.

Als in dem kirchlichen (oder sollte ich lieber sagen : diakonischen ?) Betrieb, in dem ich arbeite, Küche und Hauswirtschaft ausgegründet werden sollten, haben wir, die Mitarbeitervertretung alles daran gesetzt, die Rechte der Beschäftigten, die sich aus dem Paragraph 613 a ergeben, wahren zu helfen.

Irgendwann wurde mir die Kopie eines Sitzungsprotokolls zugespielt, wo ich lesen musste:
"Herr X ist mit allen juristischen und anderen Mitteln aus dem Betrieb zu entfernen."

Anfangs dachte ich noch: "Das stecke ich locker weg."

Aber, ich habe gelernt: Mobbing (oder Bossing) macht krank. Nicht sofort, aber irgendwann fast jeden. So auch mich.


Zwar arbeite ich nach verschiedensten Problemen noch immer an meiner Arbeitsstelle, durfte mir sogar zum Gespräch beim Betrieblichen Eingliederungs Management nach einer vierteljährigen Erkrankungsphase mit Psychiatrieaufenthalt das Kompliment anhören:
"Gegen die Arbeit des Herrn X lässt sich absolutnichts sagen." - - - aber es ist ein Rückzugsgefecht meinerseits.

Ich habe mich aus meinem Freundeskreis weitgehend zurückgezogen, engagiere mich kaum noch gewerkschaftlich, bin nicht mehr Mitglied in der Mitarbeitervertretung und ich habe meine Beziehung beendet. Ich erwäge schon länger einen Kirchenaustritt.
Andererseits würde das neue Probleme nach sich ziehen und das halte ich derzeit auch nicht aus.


Zum Glück gibt es verschiedene Hobbies, die mir noch immer einen gewissen Ausgleich geben, den ich, da ich teilzeitarbeite, auch gut nutzen kann. So kann ich mich bislang zwischendurch immer wieder irgendwie regenerieren.
Aber die Kräfte schwinden.


Viele Worte, aber kein Hilfeschrei.
Möge es als Vorstellung vorerst genügen.

Freundliche Grüße in die Rund hier.
Wilfried

 
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RE: Wilfried stellt sich vor

#2 von turmfalke , 12.02.2015 12:14

Lieber Wilfried! Was soll ich sagen? Herzlich willkomen im Club! Ja, wirklich, gut, dass du dich gemeldet hast! Die Geschichte, die Du beschreibst klingt glaubhaft. D.A.V.I.D. hat viele ähnliche Vorfälle dokumentiert. In der Kirche und auch aus der Diakonie geht es arbeistrechtlich nicht besser zu als in der "Welt". Im Gegenteil, es gibt Lücken im Gesetz, die den Kirchen und kirchlichen Einrichtungen Spieleräume einräumen, die andere Firmen in unserer Gesellschaft so nicht haben.

Es ist gut, dass Du auf Dich selber achtest: "Was nützte es dem Menschen, wenn er seinen arbeitrechtlichen Kampf gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele." (Frei nach Matthäus 16, 26.)

Aber bitte nicht falsch verstehen! Wo es notwendig und sinnvoll ist, müssen wir kämpfen. Sonst werden die Mobbingtäter immer dreister.

Aber es gibt kein einfache Antwort auf die Frage, wie weit der Einzelne als "Mobbingopfer" dabei gehen soll. Du findest hier im Forum und auf den anderen Kommunikationswegen von David dazu sicherlich die richtigen Gesprächspartner.

Sehr groß diskutiert wird im Forum eine vergleichbare Situation in den Neinstedter Anstalten. Leider ist dort aber keine Entwarnung in Sicht.

Viele Grüße für heute!

Turmfalke


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RE: Wilfried stellt sich vor

#3 von wilfried , 12.02.2015 22:48

Vielen Dank für die freundliche Begrüßung !

Mobbing und Bossing sind schwierig zu "diagnostizieren" und nur durch Mithilfe von Kolleginnen und Kollegen, wenn überhaupt, dokumentierbar. Da ist es natürlich zusätzlich hilfreich, wenn der Arbeitgeber Protokolle herumliegen lässt, die man dann kopieren oder fotografieren kann.

Aber selbst eine Äußerung wie die meiner Pflegedienstleitung, die ich einmal anfuhr:
"... und da wagen sie es, den Vorsitzenden ihrer Mitarbeitervertretung im Auftrag der Geschäftsführung zu mobben?
wobei sie antwortete:
"Herr X, sie müssen das verstehen, ich war doch noch so neu und zu Anfang glaubt und tut man doch, was einem die Geschäftsführung sagt."
- ist wenig wert, wenn sie ohne Zeugen gemacht wird. Sie schafft zwar Klarheiten, aber keine Beweismittel.
Wenn die Dame (Pflegedienstleitung) nur neu gewesen wäre, würde sie nicht bis heute, Jahre später, an ihrer Politik festhalten.
Aber mit diesem Satz hatte sie eines erst einmal erreicht: Ich war sprachlos, verblüfft, entwaffnet.

Beweismittel:
Das ist die Krux bei Mobbing, daß man sich der internen Dienstanweisungen, doppelten Personalakten und mündlichen Absprachen nicht einfach frei bedienen kann.
Selbst eine vertrauliche Information mit Namen, Datum und Zitat der gesagten Worte ist nur so viel wert, wie man seine Informanten bereit ist, ans Messer zu liefern - und diese dann dazu auch stehen.
Ich würde niemals unter zwei Zeugen, die mir vorab die Umstände schriftlich geschildert hätten, etwas unternehmen; man macht eine Bauchlandung und steht womöglich noch als Verleumder da und muß sich auch noch wider besseres Wissen entschuldigen.

Gut scheint mir, unrüttelbare Fakten möglichst breit im Betrieb zu streuen, um es den Mobbern schwer zu machen und den Rückhalt unter den anderen Mitarbeitenden zu haben. Mobber scheuen die Öffentlichkeit, denn Mobbing ist ein Straftatbestand.

 
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RE: Wilfried stellt sich vor

#4 von turmfalke , 14.02.2015 10:51

Lieber Wilfried!

Du hast offensichtlich Erfahrung! Bitter!

Du schreibst: "Mobbing ist ein Straftatbestand". Nach allem, was wir wissen, muss ich Dir leider sagen: Das sieht das Strafrecht in Deutschland anders. Wir sind noch nicht so weit. Es gibt aber viele kluge Leute, die auf eine Verschärfung der Gesetze hinarbeiten.

Sicherlich ist es gut, so viel wie möglich zu dokumentieren. Die Beweislast liegt beim Mobbingopfer.

Deine Taktik, im Betrieb nach Bundesgenossen Ausschau zu halten, ist sicherlich auch richtig.

Das Ganze ist ein Machtkampf. Ich sehe nur eine Möglichkeit, sich zu behaupten: Wenn die Mobbingtäter merken, dass ein nennenswerter Teil der Mitarbeiterschafft sich mit dem Mobbingopfer solidarisiert und die öffentliche Meinung zu Ungunsten der Täter kippt, dann lassen sie möglicherweise ab. Aber das ist sehr gefährlich, wie Du selber schreibst. Wer sich soldarisiert, gefährdet sich selber.

Was mich bei deinem Fall besonders aufregt, ist die Tatsache, dass Du von der Mitarbeitervertretung herkommst. Bist du da nicht besser geschützt? Was sagt da das Arbeistrecht? Wo ist der Dachverband der Mitarbeitervertretungen? Haben Gewerkschaften einen Einfluss?

Vielleicht solltest Du mal herumschoppen im Forumsabschnitt zu Neinstedt und dem Osterberg. Ihr könnt euch sicherlich gegenseitig unterstützen.

Viele Grüße!

Dein turmfalke


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RE: Wilfried stellt sich vor

#5 von Achim , 14.02.2015 17:43

Lieber Wilfried,

da beeile ich mich erst einmal, Dich auch bei uns herzlichst zu begrüßen! Tja, die Diakonie, Outsourcing und § 613 a BGB. Dass Mobbing vom Feinsten auch in der Diakonie zu verzeichnen ist, wissen wir nur all zu gut.

Dass Mobbing in der Diakonie aber noch nicht einmal vor Mitgliedern der MAV Halt macht, ist neu. Du warst Vorsitzender der MAV? Habe ich das richtig verstanden? Gab es keine Unterstützung, vielleicht von Verdi?

Du schreibst vom Landesarbeitsgericht. Magst Du mitteilen, worum dort mit welchem Ergebnis gekämpft wurde? Wir hoffen, aus Deinen Erfahrungen lernen zu können. Vielleicht läßt Du uns auch wissen, in welcher Ecke Deutschlands "Deine Diakonie" beheimatet ist? Klingt mir irgendwie nach "neuen Bundesländern".

Wenn Du schon in einem anderen Mobbingforum aktiv bist, kannst Du vielleicht Deine dortigen wichtigsten Beiträge kopieren und hier bei uns einstellen, wenn Du magst?


Schön, dass Du uns gefunden hast. Wir freuen uns.

LG

Achim


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RE: Wilfried stellt sich vor

#6 von wilfried , 14.02.2015 23:14

Hallo turmfalke,
hallo Achim,

herzlichen Dank abermals.

Erfahrung … … leider ja.
Und, ja, ich war Vorsitzender einer der an der Ausgründung/Überleitung beteiligten Mitarbeitervertretungen. Ich arbeite übrigens in Nordrhein-Westfalen und habe das auch in meinem „Profil“ angegeben.

Rückhalt in der Mitarbeitervertretung.

Jetzt wird es schwierig, wenn ich zu viel schreibe, könnte ich auch gleich hier meinen Klarnamen schreiben; ich versuche mal den Königsweg und bin mir sicher, man wird mich trotzdem erkennen.
Aber man wird nicht reagieren, denke ich, denn das wäre ja ein Eingeständnis der Richtigkeit meiner Zeilen.

---

Als die Ausgründung „über die Bühne war“, kam ein Jahr darauf die "Neuwahl", in der Zwischenzeit gab es noch mehrere (durch die MAV gewonnene) Schlichtungen (die Zuständigkeit der Mitarbeitervertretung für eingegliederte Betriebsteile betreffend und andere).
Nach der Neuwahl im neufirmierten Großbetrieb war ich dann nur noch „einfaches“ Mitglied, fatalerweise für mich aber immer noch mit meinen eigenen Ansprüchen an das Amt.
Es war sicherlich für alle Seiten nicht einfach und gipfelte in einem Ausschlußverfahren gegen mich. Noch immer blieb ich Mitglied in der Mitarbeitervertretung, juristisch lag ja nichts vor und ich hatte noch den Willen, durchzuhalten.
Es gelang mir oft nicht, in mir wichtigen Dingen die nötige Mehrheit in der Mitarbeitervertretung in Abstimmungen zu mobilisieren oder die Mitarbeitervertretung zum Handeln zu bewegen – und litt darunter.

Irgendwann änderte mein Arbeitgeber meine vertraglichen Arbeitszeiten widerrechtlich und ich musste bis vor das Landesarbeitsgericht ziehen, juristisch hervorragend unterstützt von Ver.di, um schließlich in einem Vergleich doch noch akzeptabele Arbeitsbedingungen und -zeiten zu erzielen. Die Mitarbeitervertretung hielt sich als Gremium leider, aber verständlichermaßen, größtenteils heraus und war zum Landesarbeitsgerichtsverfahren im Gegensatz zum Verfahren bei anderen Prozessen von Mitarbeitenden nicht dabei. In dieser Zeit knickte ich das erste Mal schwerwiegend ein, war lange arbeitsunfähig geschrieben, eine Reha in einer auf Burnout, Mobbing und Arbeitsplatzkonflikte spezialisierten Klinik schloss sich an.

Dann war ich kurzzeitig zusätzlich zur Mitgliedschaft in der MAV noch Schwerbehindenvertenvertreter und man enthielt mir die Arbeitsmöglichkeit im Betrieb vor, woraufhin ich mir eine Emailadresse bei einem freien Anbieter besorgte und von zu Hause aus arbeitete. Selbstredend bekam ich die Arbeitszeit nicht anerkannt.
Mein Arbeitgeber mahnte mich aufgrund der Emailadresse ab; ich hätte betriebliche Geheimnisse einem „Dritten“ anvertraut. Ich nahm mir einen Anwalt für Medien- und Internetrecht, der das Ganze mit einem Schreiben „abbügelte“.
Leider blieb eine Kostennote von knapp 500 Euro übrig, weil die angedrohten Zwangsgelder bei Nichtunterlassung von der Gegenseite so hoch angesetzt waren, vermutlich war auch das der Sinn und Zweck der Maßnahme: Wenn Ver.di nicht ausnahmsweise aufgrund meiner langjährigen aktiven Mitarbeit die Kosten übernommen hätte, wäre ich auf den Kosten hängengeblieben. Der Vorwurf war durch die juristische Vertretung meines Arbeitgebers so geschickt formuliert, daß auch keine übliche Rechtsschutzversicherung eingesprungen wäre - die ich aber auch nicht hatte.

Den Schutz durch die bekleideten Ämter aus dem Mitarbeitervertretungsgesetz und Betriebsverfassungsgesetz und Schwerbehindertenvertretungsgesetz habe ich als sehr randständig erlebt, um es einmal euphemistisch auszudrücken.

Ich arbeite mittlerweile seit etwa 27 Jahren an meinem Arbeitsplatz und empfinde durch die lange Kenntnis der Gegebenheiten, Kolleginnen und Kollegen wie auch Klienten eine große Sicherheit, die ich bei einer Versetzung im Betrieb zu verlieren fürchtete.
Ich habe um meinen Arbeitsbereich gekämpft, weil ich im direkten Zusammenarbeiten dort nicht von den direkten Kolleginnen und Kollegen mit ungerechtfertigten Nachteilen belegt werde; Kolleginnen hatten zu den "wilden Zeiten" mich gefragt, wie sie mit dem Auftrag, meine Tätigkeit zu beobachten und der Leitung rückzumelden, umgehen sollten.
Ich hatte noch den Humor, ihnen zu raten, genau das zu tun; mit soviel Lob könne ich leben …

Eine vorgesetzte Kollegin, die den Mobbingauftrag sehr ernst zu nehmen schien, erkrankte erst schwer und musste dann in Frührente gehen. Ich habe mir meine absolute Gefühllosigkeit ihrer Erkrankung gegenüber lange Zeit sehr übel genommen und musste erst lernen und akzeptieren, daß Verletzungen auch Folgen haben. Ich bin eigentlich ein Mensch, den selbst am Bahnhof der Bettler mit gelben Skleren (das Weiße im Auge) interessiert und der sich fragt, was er tun könnte.

Oft waren es Kolleginnen, die ein „liegengebliebenes“ Protokoll entdeckten und mir zugänglich machten, andererseits hätte ich mir manches Mal gewünscht, ich hätte es nie erfahren, denn mit jedem Mal wurde ich dünnhäutiger und mißtrauischer.

Das letzte Mal, daß ich ernstlich „einknickte“, war ich nicht einmal wirklich gemeint, aber es zog eine längere Arbeitsunfähigkeit nach sich. Seitdem gehe ich mit meiner „psychiatrischen Karriere“ offen um und habe damit sogar auch positive Erfahrungen gemacht, wenn beispielsweise Kolleginnen, die sich gemobbt fühlten, mir ihre Probleme anvertrauten und mir eine Kollegin beispielsweise wörtlich sagte:
„Du bist wahrscheinlich der einzige Mensch hier in der Firma, der mich verstehen kann.“


 
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RE: Wilfried stellt sich vor

#7 von wilfried , 15.02.2015 03:45

Ich habe in meinem Profil mal einen Link unter "homepage" gesetzt, wo man "mich" im Mobbingforum finden kann.
Hier, denke ich, kann ich diesen Link im Zweifel schwerer wieder entfernen.

 
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RE: Wilfried stellt sich vor

#8 von Joringel , 15.02.2015 10:41

Lieber Wilfried,

auch ich möchte dich herzlich bei uns im Forum begrüßen. Deine Ausführungen und Antworten auf die Rückmeldungen sind ein einziger Beweis dafür, dass es so etwas wie diesen Verein D.A.V.I.D.e.V. geben muß. Manchmal habe ich das Gefühl, die Öffentlichkeit, die durch diesen Verein hergestellt wird, ist wie eine Taschenlampe, die in eine Dunkelkammer leuchtet. Man sieht nur den Lichtstrahl und den Staub tanzen, aber man weiß, da ist etwas zutiefst Böses - eine Mischung aus Machtgelüsten, Feigheit, Häme, Vorteilssuche und nicht aus der Ruhe zu bringender Selbstzufriedenheit. In diesem diesem Milieu so scheint es, kommen nur die hoch, die sich in diesem Glibber wohl fühlen. Dein Weg ist der einer großen Desillusionierung. Wir müssen einfach daran glauben, dass auch solche Brüche und erschütternden Erfahrungen einen uns jetzt noch verborgenen Sinn haben, und wenn es nur der ist, anderen Betroffenen zu signalisieren - nein, Du bist es nicht allein, Du warst nicht zu laut oder zu leise, zu forsch oder zu stumm. Du hattest den aufrechten Gang und dann hat man Dir voller Bosheit ein Bein gestellt.
Es gibt ein Leben nach dem Mobbing. Es ist wie in einem Malstrom, man muß bis nach ganz unten gezogen werden und dann wegtauchen hinauf in eine neue Freiheit. Schau Dir mal die Gesichtszüge von Nelson Mandela an. Wieviel Schmerzliches drücken sie aus, wieviel Stolz, wieviel Weisheit. Er die Menschen in ihrer Erbärmlichkeit kennengelernt und trotzdem liebte er sie und das Leben.
Ich hoffe, wir bleiben in Kontakt.
Joringel


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RE: Wilfried stellt sich vor

#9 von Achim , 15.02.2015 12:00

Lieber Wilfried, liebe Freunde,

Wilfried hat meine Anregung aufgreifend heute geschrieben:


"Ich habe in meinem Profil mal einen Link unter "homepage" gesetzt, wo man "mich" im Mobbingforum finden kann.
Hier, denke ich, kann ich diesen Link im Zweifel schwerer wieder entfernen."


Lieber Wilfried,

unser Forum besteht noch keine zwei Jahre und etliche von uns sind noch nicht mit allen Möglichkeiten unseres Forums vertraut, weshalb ich mir erlaube, folgende "Gebrauchsanleitung" zu veröffentlichen:

Ausgangssituation, liebe Freunde:

Unser Wilfried hat seine Situation bereits in einem anderen Mobbingforum ausführlich dargestellt. Damit er "das Rad nicht neu erfinden muß", weist er uns den Weg zu diesem Forum in seinem "Profil" in unserem Forum.

Wie finden wir den Weg?

1. In der oberen blassblauen "Mitglieder" anklicken
2. In der Mitgliederliste "Wilfried" suchen, scrollen
3. Wenn Ihr dort "Wilfried" gefunden habt, findet Ihr in der dortigen Rubrik "Homepage" den Link auf das andere Mobbingforum, in dem er seine Leidensgeschichte schon vorgestellt und diskutiert hat. Bitte anklicken.

Euer

Achim


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Glibber und Praktisches

#10 von wilfried , 15.02.2015 23:12

@ Joringel,
@ Achim,

abermals "Danke"!

Achim schrieb ich es schon, dieses Forum mit seinem Fokus auf ev. Kirche nebst "Anhängseln" (wenn ich das einmal so bitte ausdrücken darf) ist gerade, weil es (noch) ein relativ kleines (und leider noch recht unbekanntes) Forum ist, interessant.

Man verliert sich nicht in der riesigen Masse, das Thema ist bei vielen ähnlich und so bietet sich dieses Forum hier als "Fachforum" an.

Zum Praktischen:
Wenn ich "Mitglieder" anklicke, erscheint bei mir:
Es ist ein Fehler aufgetreten!
Die Seite existiert nicht mehr oder Sie haben nicht die nötigen Rechte, um diese Seite aufzurufen
Zurück zur Startseite


Eigentlich müsste, wenn man "wilfried" anklickt, gleich das Profil erscheinen. So wäre es in anderen Foren, die ich so kenne.
Hier wären die Admins gefordert.

Freundliche Grüße
Wilfried

 
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Verhalten

#11 von wilfried , 03.04.2015 02:02

In einer eigentlich unbedeutenden Angelegenheit - es ging um einen irrtümlichen Pflegeeintrag, der sogleich als solcher gekennzeichnet wurde - kam es im vergangenen Monat zu einem hoch offiziellen Gespräch.
Ein Kollege hatte mich vorgewarnt, aber ich ging relativ gelassen in das Gespräch.
Ich wurde mit dem Pflegeeintrag konfrontiert. Da ich ihn bereits als irrig gekennzeichnet hatte, war da wenig zu erläutern: Ich hatte mich geirrt. Sorry.
Mein Geschäftsführer bezweifelte meine Einlassung und stellte eine eigene Hypothese als wahrscheinlicher hin.

Als ich ihn daraufhin informierte, daß das Gespräch unter diesen Bedingungen beendet sei, entgegnete er mir:
"Das entscheide immer noch ich."


Nachdem ich ihm mitteilte, daß ich unter diesen Bedingungen mir nur noch seine Aussagen anhören würde, aber nichts mehr sagen würde, mithin also ein Gespräch nicht mehr möglich sei, zu dem ich im Übrigen auch nicht einmal verpflichtet sei, (ich hatte mich nicht "eingestempelt") änderte sich sein Verhalten und wir konnten uns dann doch noch ein wenig gedeihlicher unterhalten.

So gedeihlich, daß ich es wagte, um eine Gelegenheit zu bitten, ihn einmal für ein persönliches Gespräch aufzusuchen.
Ich hatte es schon mehrfach versucht, meinen Geschäftsführer zu sprechen, aber ich scheiterte immer am Vorzimmer, auch, wenn die Zimmertür offenstand.
("Meine Tür steht den Mitarbeitenden stets offen.")
Mein Geschäftsführer versprach, dafür zu sorgen, daß ich beim nächsten Mal vorgelassen werde.

Meine Information, ich würde mich anlässlich meines 25-jährigen Betriebsjubiläums, das dieses Jahr mit zwei Jahren Verspätung ansteht, auf Anraten meines Anwalts feiern lassen, wurde erstaunt, aber sogar freundlich aufgenommen.


Tauwetter?

Jedenfalls halte ich es für möglich, daß die Darlegung der Nöte durch das Mobbing vielleicht etwas bewirken kann.

Wer nicht alles versucht, hat schon verloren.

 
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RE: Verhalten

#12 von Joringel , 03.04.2015 11:07

Lieber Wilfried,

ich sehe es als ein Experiment - allerdings als ein spannendes. Mobbing ist ja z.T. wie Ping-Pong. "Sie sind unfähig." "Nein, ich bin nicht unfähig". etc. Es ist gut, wenn es einem gelingt aus dieser Falle mit unerwarteten Reaktionen heraus zu kommen und eine andere Ebene des Austausches zu erreichen. Ich wünsche Dir, dass das Experiment gelingt - für beide Seiten!

Joringel


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Experiment

#13 von wilfried , 03.04.2015 23:50

Experiment.

Das ist wunderbar ausgedrückt.

Danke für die guten Wünsche und:

Allen ein gesundes und frohes Osterfest!

 
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Experiment

#14 von wilfried , 17.11.2015 03:17

Das Experiment ging weiter.

Tatsächlich wurde mir kürzlich das Goldene Kronenkreuz der Diakonie verliehen, wie anderen Mitarbeitenden im Verband auch.
Ich war zuvor krank daran gewesen, hatte mit mir gehadert, ob ich überhaupt hingehen sollte.
Am Morgen des betreffenden Tages stand ich vor dem Spiegel und rang weiter mit mir, dann der Entschluß: "Du gehst da hin."
Und zwar bekleidet mit einem originalen amerikanischen Sträflingsanzug in orange. Anders war es mir nicht möglich.

25 Jahre, das ist ja so etwas wie Lebenslänglich. Sichtbar "Nein" sagen, zeigen, daß man doch noch lebt, denkt, unglücklich ist.

Dann Panik, als in der Vorbesprechung etwas von Segen und Handauflegen gesagt wurde.
Ich bat den Geistlichen beiseite, unter vier Augen:
Daß ich keinesfalls eine Segnung hinnehmen könne, von einem Vertreter meiner Dienststelle, nach all dem, was vorgefallen war.
Keinesfalls niederknien würde.
Ich würde mich zu Boden werfen, zertreten lassen, aber niederknien: Niemals !!!

Ich erfuhr Zuhören, Verständnis, den Versuch, meinen Bedürfnissen entgegenzukommen.
Die Zusage, nach dem Gottesdienst mit mir zu sprechen.
Dann der Gottesdienst mit Ehrung.
Mein Einrichtungsleiter hielt eine kurze Laudatio über meine Arbeit, sachlich, freundlich, zutreffend. Keine versteckten Fußangeln.
Wir standen die Zeremonie durch. Der orangelastige Blumenstrauß biß sich farblich herrlich mit meinem Anzug.
Zurückgehend auf meinen Platz nach Entgegennahme des Blumenstraußes konnte ich diesen einer Dame auf der anderen Gangseite, die sehr einsam saß, schenken und sie freute sich wirklich darüber. Ich aber war erleichtert, mit befreiten Händen dasitzen zu können.

Für den Presse-Fototermin steckte ich mir das Kronenkreuz an den Sträflingsanzug.
Das wohl einzige Kronenkreuz, das bisher den Weg an solch einen Anzug fand und hoffentlich auch das letzte.
Ich stand sehr abseits. Weigerte mich, dichter an die Gruppe heranzurücken.
Die Redakteurin: "Das sieht doch so aus, als gehörten Sie nicht mit dazu."
"Genau so ist es auch." - meine gepresste Antwort.
Man wird mir den inneren Aufruhr angesehen haben.

Als man im Anschluß des Gottesdienstes in das Gemeindehaus einzog, zum Goulaschsuppeessen, blieb ich draußen. Ging noch einmal in die Kirche zurück, klimperte auf dem dortigen Flügel; Bellini, Casta diva. Zum Runterkommen.
Der Geistliche löste seine Zusage ein, wir sprachen miteinander. Ich bemühte mich um Kürze, erzählte, erfuhr Zuhören, Erstaunen, auch Mitgefühl.
Er nahm sich viel Zeit, etwa eine halbe Stunde.
Schönes Herbstwetter. Sonnenschein.

Dann gingen auch wir hinein, spät, Goulaschsuppe löffeln.


Danach fuhr ich heim.

Jetzt geht es mir ein wenig besser; und ich werde bald einmal auch mit meinem Geschäftsführer sprechen. Vielleicht hört er ja nicht nur zu.


 
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zuletzt bearbeitet 17.11.2015 | Top

RE: Experiment

#15 von Joringel , 17.11.2015 11:56

Lieber Wilfried,

Experiment geglückt! Herzlichen Glückwunsch. Du hast Dich nicht hinter der Resignation versteckt und Du hast auch nicht getan als wäre nichts gewesen, sondern Flagge gezeigt. Ein harter Job. Desto größer der Gewinn an Selbstachtung und Achtung durch uns. Ich hoffe, es geht Dir lang anhaltend besser. Verdient hast Du es!

Es grüßt Dich Joringel


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Hallo,
Auch ich möchte mich nochmal vorstellen

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