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Kurzer Bericht zur Jahrestagung 2014 von D.A.V.I.D.e.V. in Eisenach

#1 von Joringel , 15.11.2014 22:59

Rückblick auf unser Jahrestreffen am 08. und 09.November 2014 in Eisenach.

Liebe Leserin, lieber Leser,
chaotischer kann ein solches von langer Hand vorbereitetes Treffen nicht ausfallen als in diesem Jahr. Der Bahnstreik machte es möglich. Als die Mitglieder des Vorstandes losfuhren, wussten sie nicht, ob überhaupt jemand kommt, und wenn ja, wann dieser Jemand kommt, und wer die Rechnung für das Tagungshaus zahlt, wenn überhaupt keiner kommt.
Die Mitglieder des Vorstandes waren überrascht und dankbar, dass schließlich jeder der Angemeldeten den Weg nach Eisenach gefunden hatte trotz der schlechten Rahmenbedingungen. Die meisten Bahnreisenden hatten ihre „Zugausfall-und-trotzdem-gemeistert“-Geschichte im Gepäck.

Die Mitgliederversammlung am Samstag begann mit einem Nachruf für Dr. Karl Martin, gehalten vom scheidenden Vorstandsmitglied Sabine Sunnus. Alle waren sehr bewegt. Die Lücke, die Karl Martin hinterläßt, ist fühlbar. Der Nachruf wird in Kürze auf unserer Homepage veröffentlicht werden.

Die Mitgliederversammlung war getragen von dem Wunsch, trotz aller Probleme den Verein weiterfortzuführen. Dafür gibt es leider massive Gründe. Generell gesprochen ist es nach wie vor das Desinteresse kirchlicher Institutionen, Kooperationskonflikte professionell zu lösen wollen. Oder umgekehrt - das Schicksal Ihre Unterstützer, Freunde, Mitarbeiter und Anhänger ist ihr gleichgültig. Mauschelei und Rechtsbruch sind immer noch der Selbstrenner!

Das Vorstandsmitglied, Frau Prof. Dr. Gisela Kittel, legte ein schlüssiges Konzept zur Zukunft des Vereins vor. Erfreulich, dass viele sich bereit erklärten, ihre Fähigkeiten jetzt erst recht in die Vereinsarbeit einzubringen. Das war eine große Ermutigung für alle. Diejenigen, die sich neu im Beirat einbringen, wurden herzlich willkommen geheißen. Frau Prof. Kittel wurde einstimmig zur Vorsitzenden gewählt mit dem Versprechen vieler aktiver Mitglieder und des neun gewählten Vorstandes, sie aktiv zu unterstützen. Besonders freuten sich die Anwesenden über die trotz des herben Verlustes getroffene Entscheidung von Frau Daser-Martin, sich dem Verein weiterhin als Kassenwartin zur Verfügung zu stellen. Auf ihre Erfahrungen hätte der Verein nur sehr, sehr schwer verzichten können. Frau Sabine Sunnus, Mitbegründerin des Vereins und Ingrid Ullmann, von Beginn an Vorsitzende, wurden sehr herzlich aus ihren Ämtern verabschiedet.

Der Samstagnachmittag war außerordentlich spannend. Kleingruppen versammelten sich zu verschiedenen Aspekten von Mobbingerfahrung in der Kirche als Theologe, Angestellter oder ehrenamtlicher Mitarbeiter. In diesen kleinen Gruppen entstand sehr schnell gegenseitiges Vertrauen. Man verstand sich. Man mußte nicht umständlich erläutern, dass es im Umfeld der Kirche zu üblen Mobbingerscheinungen kommen kann – ganz im Gegenteil! Jeder hatte schon das volle Programm mitbekommen!

Auffällig war die Zahl der desillusionierten ehrenamtlichen Mitarbeiter, die in ihrem Umfeld Mauscheleien und finanzielle Unregelmäßigkeiten entdeckt hatten und dafür abgestraft wurden. Z.B. Platzierung am äußersten Ende der Kandidatenliste für Nachrücker. Für viele war es trotz aller Nackenschläge eine tröstliche Erfahrung Menschen kennenzulernen, die die gleichen Traumata haben. Jeder hat seine eigene, besondere Geschichte und gleichzeitig gibt es wieder eine Schnittmenge, in der sich die Abläufe ähneln: Die Kleinkariertheit und Eitelkeit der „Täter“, ihre ausgeprägte Fähigkeit, andere Menschen für die eigenen Ziele zu benutzen, die geschmeidige Anpassung der Vorgesetzten an den Mainstream, der Mangel an Klärung eines Sachverhaltes.

Nach dem Bericht im Plenum berichtete Dr. Arndt über aktuelle juristische Entscheidungen der Kirchengerichte und einer neuen Entwicklung bei den Verwaltungsgerichten, die seit neuestem unter bestimmten Voraussetzungen Klagen von Pfarrerinnen und Pfarrern zulassen werden. Das Verwaltungsgericht in Münster hat es sogar gewagt, dem Bundesverfassungsgericht in dieser Frage die Stirn zu zeigen. Dr. Arndt verstand es nicht nur, denn schon sehr „haarigen“ Sachverhalt so zu erklären, dass auch Nichtjuristen davon profitieren konnten, er lieferte auch eine Deutung dazu, auf welcher Station in der Rechtsgeschichte das Kirchenrecht jetzt angekommen ist. Seine Gedanken werden hier auch noch ausführlicher veröffentlicht.

Nach dem Abendessen erfolgte ein Abend zum Durchatmen. Es wurden Lieder gesungen, Verse und selbst geschriebene Gedichte rezitiert. Die Beiträge und die Abendgestaltung kamen von Mitgliedern des Plenums. Im Hintergrund stand thematisch die Geschichte von Jona, der aus dem Schiffsbauch heraus in unbekanntes Land geworfen wird. Wer sich selbst darin erkannte, konnte dies mit Heiterkeit tun.

Der Sonntag begann mit einer Andacht, in der die traurigen, niederdrückenden Erfahrungen vor Gott gebracht wurden.
Danach folgte das mit Spannung erwartete Referat „Aus dem Dienst gemobbt – was macht das mit mir? Was kommt danach? Wie geht es weiter?“ mit Aussprache mit Prof. Dr. Andreas Heyl. Eine Zusammenfassung hier macht keinen Sinn, da es an dieser Stelle und auf der Homepage noch veröffentlicht werden wird. Das Besondere an diesem Referat war die klare Sprache. Die innerkirchlich destruktiven Phänomene wurden klar beim Namen genannt, es gab kein Herumeiern, kein Wenn und Aber! Sehr erfrischend! – Die anschließende Aussprache offenbarte dann wieder die häßliche, ewig gleiche Schnittmenge von Defiziten im kirchlichen Umgang miteinander. Wenn einer aus dem Plenum berichtete, seine Erfahrungen schilderte, konnte man andernorts gleichzeitig nachdenkliches Kopfnicken beobachten, das Mobbing-Amen in der Kirche: Ja, so banal und zugleich so schlimm ist es…
Logisch, die Fragestunde reichte nicht aus. Der Wunsch: Fortsetzung bitte folge… lag vielen auf den Lippen. Danach kam der unvermeidliche Programmpunkt „Abschied“ mit einem Reisesegen, vorgetragen von Prof. D. Gisela Kittel. Zurück ging es wieder in die Kälte des kirchlichen Binnenklimas. Doch in dem Bewusstein – ich friere nicht allein. Und…mir geht es schlecht! Aber irgendwann werden die kirchlichen Institutionen gegensteuern – nicht nur mit dem klassischen Verleugnen und Abstreiten von Verantwortung, sondern mit professionellen Clearingstellen und der brennenden Frage: Wie können wir weiter zusammenbleiben – mit allen?

Zuletzt möchten Euch noch einmal das biblische Motto unserer Tagung zur Stärkung trotz aller Belastuung in Erinnerung rufen:
Führe meine Seele aus dem Kerker, dass ich danke Deinem Namen. Die Gerechten werden sich zu mir sammeln, wenn Du mir wohltust. (Psalm 142 Vers 7)

Auf Wiedersehen im Jahr 2015!
Euer Joringel


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zuletzt bearbeitet 15.11.2014 | Top

   

Unsere Andacht zur Mitgliederversammlung in Eisenach
Jahrestagung 2014

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