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RE: Wie eine Dienstvereinbarung aussehen kann

#31 von Janchen , 03.07.2014 15:55

Dann geh ich zum Staatsanwalt und stelle Strafanzeige!


Römer 1,17 ... Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie denn geschrieben steht: "Der Gerechte wird aus dem Glauben leben."


Es ist ganz einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

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RE: Wie eine Dienstvereinbarung aussehen kann

#32 von Joringel , 08.07.2014 10:11

Hallo, Janchen.

Danke für Deine Rückmeldung. Strafanzeige sollte wirklich das allerletzte Mittel sein. Was ich mir wünsche, wäre ein Lernprozess im Sinne von Einsicht und Unrechtsbewußtsein. Es wäre doch eine schöne Aufgabe für die EKD ein Gütesigel für die Institutionen unter evangelischem Label zu entwickeln, egal ob es sich um Gemeinden oder um Institutionen handelt. Mir gefällt der Spruch, den ein Diskutant hier im Forum hinterlassen hat "Wir sind christlich und sozial - und das auch beim Personal! " Doch ich fürchte, das ist etwas zu flapsig. Auf jeden Fall, wenn erst einmal ein Standard des Umgangs miteinander festgelegt ist, dann gibt es auch Mittel zu messen, ob der Standard annähernd erreicht oder erfüllt wurde oder ob man weit darunter liegt. Das wäre doch auch für die Geschäftsleitung von Bethel oder Neinstedt interessant. Mit einem Blitzlicht wüßten sie, wie es unterhalb der Leitungsebene aussieht. An vielen Orten gibt es schon einen dramatischen Pflegekräftemangel. Die Arbeit ist schwer und körperlich anstrengend, es müssen Zeiten abgedeckt werden, an denen Familie und Freunde frei haben, und dafür werden die Kräfte auch noch malträtiert, um das Wort Mobbing mal zu vermeiden? - Ein gutes Betriebsklima kann für den Allgemeinzustand und die Motivation sehr viel bewirken. Wir haben ja an einzelnen Beiträgen auch schon gesehen, dass viel guter Wille da ist. Auch Systeme können sich verändern und das kommt mit Sicherheit den Bewohnern und ihren Angehörigen zu Gute.
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RE: Wie eine Dienstvereinbarung aussehen kann

#33 von WGM , 10.07.2014 16:16

Liebe Joringel, liebe Leser,
ich nehme wahr, wie Du unermüdlich nach Lösungen suchst für dieses verheerende
Problem. Diese Zielstrebigkeit ehrt Dich.
Leider kann ich da nicht sehr dienen, weil ich Kirche aufgegeben habe.
„Es kann ja nicht klappen!“, meint Jürgen von der Lippe zu dieser Organisation.
Ich weiß nicht, ob er seine Meinung inzwischen geändert hat, ich denke noch so.

Allerdings kam und kommt es noch vor, daß ich kirchlichen/diakonischen Mitarbeitern helfe.
So auch zuletzt in einem diakonischen Kindergarten.
Da war es wirklich mal möglich , daß ich als Begleiter zugelassen wurde. Einmal
in der Runde der Kollegen des KG und dann bei einer Aussprache mit dem Diakoniechef und der MAV.
Das stellt ja eine Ausnahme dar und ich habe es selten erlebt. Die Systeme wollen keine Einsicht von außen.
Und mit den Jahren habe ich erlebt wie immer mehr Arbeitgeber dicht gemacht haben, weil sie das Mobbing fördern, inszenieren oder negieren.
Davon schreibst Du ja auch.

Du glaubst an den Lernprozess. Ich nicht. Die lernen eher wie sie Mobbing noch optimieren können.
Lernprozesse können schon deshalb nicht das erste Mittel sein, weil das Schreddern von Gesundheit,
Lebensqualität, Recht und Freiheit so immens schnell geht.
Ehe die Mobber gelernt haben, sind die Betroffenen samt Familien zerstört.

Ich komme soeben aus einem Gespräch mit neuen und für mich überraschenden Informationen.
Hier in Sachsen würden z.B. Schulbehörden Firmen anfordern, die coachen. Das läuft unter dem Begriff Evaluation, den ich von woanders kenne.
Das, was die machen, kennen wir alle unter Supervision. Voraussetzung ist wie früher,
daß Firmen und Behörden es wollen, daß man auf sie draufschaut und in sie hinein.
Es würde gerade in der Schulbehörde forciert. Glaube ich persönlich noch nicht so ganz
und werde das beobachten, ob sich das bestätigt. Es berichtete davon jemand aus dem Schulsystem. Vielleicht ist was dran.
Selbst wenn eine Schulbehörde Eval. anordnet, kann es ja boykottiert werden, wie wir das bei Supervision auch schon erlebt haben.

Es bleibt die Frage nach der Führungsfähigkeit- und willigkeit der übergeordneten Ebene.
Wenn die versagt, haben wir die Rechtswege und die nächsten Probleme ohne befriedigende Lösung.

Bis dahin erstmal
WGM

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RE: Wie eine Dienstvereinbarung aussehen kann

#34 von Robin , 10.07.2014 18:52

Liebe WGM, nach meiner Kenntnis ist Evaluation etwas ganz anderes als Supervision. Da wird nämlich der Erfolg abgefragt. Ob die Zielsetzungen erreicht wurden, Mittel optimal eingesetzt sind. Nein, Evaluation etwa von Studiengängen, Schulplänen, Lernerfolgen ist nichts, was eine Anstalt oder Schule vermenschlicht. Im Gegenteil, der Stress wird nur gesteigert, Auflagen und Sanktionen folgen.
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RE: Wie eine Dienstvereinbarung aussehen kann

#35 von WGM , 10.07.2014 19:58

Danke, Robin, für die Aufklärung. Da gehen mir doch gleich Seifensieder auf über die Hintergründe dieser Information,
die mir da gegeben wurde. Es wird mich anregen, da nochmal nachzufragen, wer da was genau bei dieser Fortbildung
mitgeteilt hat. Da hat mein Informant wohl etwas positivistisch gesehen und es wurde als Supervision angepriesen,
was es nun offenbar nicht ist. Das wird ein spannendes Gespräch.
WGM

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RE: Wie eine Dienstvereinbarung aussehen kann

#36 von Theo , 11.07.2014 09:38

Hallo, Jaccuse, Du schiebst wahrscheinlich schon einen Brast auf mich, weil ich dir bisher noch nicht geantwortet habe. Ich zucke auch deshalb zurück, weil du mit deinen Erfahrungen dem Szenario hier schon sehr nahe kommst. Ich will da nicht noch Öl ins Feuer gießen, denn die Leute setzen große Hoffnungen auf die neue Leitung. Später kann ich ja mal mehr berichten. Auch das Gesundheitsmanagement ist hier ein Thema. Die Buschtrommel meldet von Befragungen der Mitarbeiter durch die AOK. Das Ergebnis soll schon vorliegen, aber es kann nicht so super gewesen sein, sonst könnte man sicher schon in der Zeitung darüber lesen. Aber so ist es nun einmal, erst braucht man eine verlässliche Diagnose und dann eine vernünftige Therapie..., auch wenn die Diagnose schmerzlich ist.
Theo

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RE: Wie eine Dienstvereinbarung aussehen kann

#37 von Janchen , 11.07.2014 10:23

[quote]

Zitat von Joringel im Beitrag #32


Danke für Deine Rückmeldung. Strafanzeige sollte wirklich das allerletzte Mittel sein. Was ich mir wünsche, wäre ein Lernprozess im Sinne von Einsicht und Unrechtsbewußtsein. Es wäre doch eine schöne Aufgabe für die EKD ein Gütesigel für die Institutionen unter evangelischem Label zu entwickeln, egal ob es sich um Gemeinden oder um Institutionen handelt.

Liebe Joringel,
als mir auffiel, dass die Kirche von heute nicht mehr die Kirche meiner Kindheit und Jugend ist, war ich sprach- und hilflos. Und verletzt, denn es kann ja nicht sein, was nicht sein darf. Und ich war der Meinung, dass sich das ändern muss und dass das natürlich intern passieren muss. Der Meinung bin ich immer noch. Allerdings musste ich feststellen, dass das einzig probate Mittel die Androhung der Öffentlichkeit ist. Davor haben sie alle Angst. Angst ihr Gesicht zu verlieren und dann ihre gesicherte Existenz.

Nur darum geht liebe Joringel. Gott ist nebensächlich.

Und wenn man mir den Job madig macht. Dann sollte man überlegen, ob es lohneswert ist, dort weiterzuarbeiten. Natürlich steht auch hier die Frage nach dem Geld. Wie geht es weiter. Wenn man permanent gemobbt wird, muss man ein Mobbingtagebuch führen. Und dann braucht es eben auch manchmal klare Grenzen. Klare Ansagen. In extremen Fällen eben auch eine Strafanzeige beim Staatsanwalt.

Thema: Nazareth, dort kann man davon ausgehen, dass die Athmosphäre auf ewig vergiftet ist. Weiterarbeiten also ohnehin nur eine Zumutung. Da wäre es doch besser einen Schlußstrich zu ziehen und eine ordentliche Abfindung auszuhandeln. Und wenn die Verantwortlichen nicht mitspielen, dann eben übers Gericht. Da kann man auch noch Schmerzensgeld aushandeln. Auch wenn Rückzug hier wie eine Niederlage aussieht. Aber die Dame muss doch an ihre Gesundheit denken.


LG Jani


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RE: Wie eine Dienstvereinbarung aussehen kann

#38 von Joringel , 11.07.2014 13:56

Grüß' Dich, Janchen,

mag' sein, dass ich einen sehr idealistischen Ansatz habe. Aber irgendwann ist die Zeit reif für Veränderungen - auch in unserer evangelischen Kirche. Bis dahin will ich dich mit einem Zitat von Hölderlin "vertrösten".

Immer noch haben jene die Welt zur Hölle gemacht, die vorgeben, sie zum Paradies zu machen.

Johann Christian Friedrich Hölderlin


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RE: Wie eine Dienstvereinbarung aussehen kann

#39 von Janchen , 11.07.2014 17:35

Liebe Joringel,

danke - das ist lieb von Dir. Auch für Deinen idealistischen Ansatz.

Vielleicht habe ich zuviel Negatives erlebt. Ich weiß es nicht. Idealistisch bin ich immer noch - aber die meisten Menschen eben nicht. Denen ist das Hemd näher als die Hose, wie man so schön sagt. Mein Leben ist wohl eher dem Hiob's ähnlich. Und ja, ich weiß, Hiob fand letztendlich Erbarmen bei Gott. Beziehungsweise, das Experiment war zu Ende.

Was diese Welt angeht, so glaube ich, dass wir in der Endzeit leben. Und ja, mir ist bekannt, dass die Jünger Jesu auf eine baldige Erfüllung hofften. Und so hoffen das Menschen wahrscheinlich bereits seit knapp 2000 Jahren. Und doch denke ich, dass sich die Vorzeichen mehren.

LG Jani


...


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zuletzt bearbeitet 11.07.2014 | Top

RE: Wie eine Dienstvereinbarung aussehen kann

#40 von Publico , 12.07.2014 21:32

Mobbing,Bossing, oder sonst wie genannt,

müssen wir uns hier wirklich über Begrifflichkeiten unterhalten? Können wir uns nicht schlicht darauf verständigen, dass Mitarbeiter unserer Kirche, seien es Pfarrer oder Mitarbeiter der Diakonie, schikaniert werden?

Wie wir es nennen, dürfte gleichgültig sein. Entscheidend ist wohl eher, dass Kirche/und/oder Diakonie den Vorwurf der Schikane reflexartig leugnen, keine geeigneteten Konfliktbearbeitungsmöglichkeiten vorhalten und ihre betroffenen christlichen Mitarbeiter per "christlicher" Jurisprudenz systematisch ins menschliche Abseits befördern.

Liebe Leute von D.A.V.I.D.:

ich bin froh, dass es Euch gibt. Ich bin froh, dass Ihr Ungerechtigkeiten beobachtet und hier auch öffentlich macht.

Eigentlich kann ich nur sagen: macht bitte so weiter!

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RE: Wie eine Dienstvereinbarung aussehen kann

#41 von Joringel , 13.07.2014 10:29

Hallo, Publico, Danke für Deinen Beitrag. Manchmal macht eine Differenzierung trotzdem Sinn.

So manches Mal kommt Mobbing aus dem Hinterhalt. Es wird gelästert, beobachtet, ausgegrenzt. Das schaukelt sich hoch bis der Betroffene völlig am Boden zerstört das Feld von selbst verläßt.

Bossing ist für mich, wenn Vorgesetzte die Instrumente ihrer Leitungsfunktion nutzen, um ungeliebte Mitarbeiter zu vertreiben. Die Motive muß man sicher im Einzelnen untersuchen. Im kirchlichen Bereich ist es oft die Treue zu den Inhalten der biblischen Botschaft, das Bemühen Gemeinden zu bilden, die nicht nur aus Kirchensteuerzahlern bestehen oder im diakonischen Bereich sind es Menschen, die ihre Verpflichtung Ernst nehmen und sich mehr einbringen als es in den Vorschriften steht. Sie setzen Standards, die höher sind als die bloße Pflichterfüllung. Und das ist störend, das stört den Vorgesetzten, der sich eingestehen muss, dass er dieses Format gar nicht hat. Aber er hat einen guten Draht nach "oben" und setzt eine Verleundungskampagne in Gang mit der Botschaft, der oder die muß hier weg.

Es sind sogar Fälle aufgedeckt worden, und ich wette, die gibt es heute auch noch, da steht das schon vorher in der Personalakte - natürlich verbrämt: Ist für die Rolle als Teamleiter oder als Pfarrerin nicht geeignet. Die Rolle als solche wird in Frage gestellt. Es kommen Warnschüsse, Angriffe, Kontrollen und das Opfer spürt seine Bedrohung, fühlt sich verunsichert und in Frage gestellt. Werden Fragen ausgesprochen: Was mache ich denn nun falsch? gibt es keine Antworten oder solche wie: Na, wenn Sie das nicht einmal selber merken. Denken Sie mal darüber nach! Dadurch hält eine ständige Anspannung hält Körper und Seele in Aufruhr verbunden mit der Kränkung - Mensch, das kann doch gar nicht sein! Ich habe doch niemandem etwas getan! Manchmal bittet es um Hilfe, vielleicht bei der Diensstelle über dem "Boss", doch es passiert - nichts. Im besten Fall noch eine faule Ausrede oder ein nichtssagendes Schreiben. Zurück zu der Anspannung - der Körper wird zur offenen Angriffsfläche für Krankheiten, die natürliche Abwehrbereitschaft wird herabgesetzt, das eigen Selbst des Opfers ins Wanken gebracht.

Seit ich mehr darüber weiß, denke ich über eine Begebenheit aus meiner Jugend nach. Als Teenager durfte ich einmal für kurze Zeit im Büro meines Vaters arbeiten. (Praktika gab es da noch nicht, man wurde einfach in das Berufsleben katapultiert). Ich kam ins Gespräch mit einer Flüchtlingsfrau aus Dresden, sie hatte zwei Söhne und war bitterarm, sah auch sehr verhärmt aus. Sie erzählte mir als Erste von dem durch Bomben hervorgerufenen Feuersturm in Dresden und brachte stolz einen Zeitungsbericht mit, den sie selbst geschrieben hatte. Ich erzählte davon zu Hause und mein Vater sagte zu mir: "Was mit der redest Du? Mit der redet doch keiner."
Ich verstand meinen Vater nicht, aber ich fühlte mich auch sehr unwohl in dieser Bürogemeinschaft, es war einfach ein schreckliches Gefühl in dieser Atmosphäre des Belauerns und Schneidens und Katzbuckelns, und ich dachte, da gehe ich niemals hin (was mein Vater gern gewollt hätte.)

Kurze Zeit später hat sich diese Frau das Leben genommen. Keiner verstand es, wie kann man seine Kinder allein lassen? Heute denke ich, dass diese Frau einfach nicht mehr konnte, sie war stigmatisiert. Aber wie konnte mein eigener Vater so gegen sie sein? Da muss ich noch tiefer gehen: Jahre zuvor hatte er auch große Schwierigkeiten mit seinem Chef. Wegen jeder Kleinigkeit wurde er zitiert und fertig gemacht und befürchtete seine Entlassung. Er weinte sogar zu Hause und sprach davon, sich das Leben zu nehmen. (Wir schliefen angeblich schon, standen aber im Kinderzimmer auf Horchposten). Meine Mutter riet ihm immer wieder den Chef direkt anzusprechen, was eigentlich los ist. Und jetzt komme ich zurück zum Bossing: Der Chef sagte, Entlassung? Wie kommen Sie denn auf diese Idee. Ich bin sehr zufrieden mit Ihnen. Wenn ich Sie anschreie, dann ist alles in Ordnung, aber wenn ich freundlich bin wie bei Herrn X., dann steht er auf der Abschlussliste." Meine Eltern hatten an dieser "verkehrten Welt" viel zu knabbern. In Bezug auf die Flüchtlingsfrau denke ich, dass mein Vater so gleichgültig war, weil jemand anderes dran war, noch dazu jemand, der keine "Apeal" hatte, ein armes, verhärmtes, verlorenes Menschenkind mit dem man sich nicht identifizieren will.

Für mich bedeutet es, dass man sich selbst auch immer wieder in Frage stellen muß, wenn man über andere urteilt oder redet. Davor ist keiner gefeit, auch nicht die so genannten "Guten".

Das war ja eine richtige Sonntagspredigt. Nichts für ungut! Oder besser noch, beschreibt mal Eure Erfahrungen zu diesem Thema ganz konkret.
Euer Joringel


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zuletzt bearbeitet 13.07.2014 | Top

RE: Wie eine Dienstvereinbarung aussehen kann

#42 von Janchen , 14.07.2014 11:55

Liebe Joringel,

sehr schön - sehr treffend Deine Predigt! Danke!


Zitat
Oder besser noch, beschreibt mal Eure Erfahrungen zu diesem Thema ganz konkret.
Euer Joringel


Meine Erfahrungen ... schwierig auszusprechen. Ich habe mir das nämlich alles nur eingebildet ....

Mein letzter Job war 3 Jahre befristet. Und ich war gut - sehr gut sogar. Ich wurde von meinem Chef "nicht ernst" genommen und von der Ehefrau des Alt-Pfarrers (mittlerweile verstorben) gemobbt. Sie hat mich gehasst - in drei Jahren kein echtes freundliches Wort, dafür jede Menge böser Blicke - auch Worte (war sogar mal mein Sohn dabei) - Spielchen hinter meinem Rücken >>> Kirchentür offen lassen ... Papier unter den Bänken verteilen ... die Aufhängung für die Bilder lockern ... mal eine Blume umgetopft in einen kleineren Topf ohne Loch ... während (Sa 11 Uhr!) der Öffnungszeit vor Besuchern kam sie und musste unbedingt den Altar für Sonntag vorbereiten - natürlich ohne ein Wort zu mir ... mir vor Besuchern ins Wort fallen mit ihrerseits falschen Fakten ... abgebrannte Streichhölzer in die Geldschale für die Kerzen werfen ... bei Anderen schlecht über mich reden - das merkte ich dann logischerweise an deren Verhalten mir gegenüber - manchmal auch an Worten ... im LKA wurde ich mal gefragt, warum ich eine Gardine vor dem Bürofenster haben will - ob ich mich dahinter verstecken will - die Atmosphäre in diesem Raum entsprach dem eines Kühlhauses ... vom Pfarrer wurde ich gefragt, ob ich noch einen Aufsteller aus der Insolvenzmasse meines Geschäftes habe (bin nie in Insolvenz gegangen !) ... auch wurde ich von ihm gefragt, ob ich eher reformiert als lutherisch bin - weil der Tisch der Winterkirche mir als Ablage für Infomaterial etc. diente - Katholiken dachten oft, das wäre eine katholische Kirche, weil ich sie so 'heimlig' schmückte ... die alte Frau teilte mir mal mit, dass die Bilder (Ausstellung) nicht zum Baustil der Kirche passen - ich meinte daraufhin, dass es wohl keine Bilder geben würde, die dazu passen - daraufhin sie 'es gehören ja auch keine Bilder in diese Kirche' - um so freundlicher ich war, desto grantiger wurde die ... meinen Chef bat ich ziemlich am Anfang mal um eine Aussprache - also alle an einen Tisch und dann darüber reden, wie die Offene Kirche funktionieren soll - nichts dergleichen wurde gemacht ... im 1. Winter musste ich ein paar Besuche bei Gemeindemitgliedern machen - kein Problem für mich - voller Stolz erzählte ich dem von diesen Besuchen - ich wurde nie wieder von ihm darum gebeten ...

Aber eigentlich habe ich mir das alles nur eingebildet.



LG Jani


...


Römer 1,17 ... Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie denn geschrieben steht: "Der Gerechte wird aus dem Glauben leben."


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zuletzt bearbeitet 14.07.2014 | Top

RE: Wie eine Dienstvereinbarung aussehen kann

#43 von WGM , 14.07.2014 15:58

Liebe Joringel, liebe Leser,
Du wählst die Worte „verkehrte Welt“. Das ist es auch, wenn jemand jemanden an-
schreit und es eigentlich „gut meint“ und wenn er freundlich ist, meint er es genau anders , ist also scheissfreundlich und damit scheinheilig.
Eine viel angewendete Mobbingmethode das eine wie das andere.
Nun kann man von Glück reden, daß es zur Aufklärung kam.
Wenn einer das so verkehrt anwendet wie der Chef Deines Vaters, dann ist das auch dringend erklärungsbedürftig
und zwar von vornherein und nicht erst nach genug Angst und Verunsicherung, die so schlimm sind, daß es zum Sterbenswunsch kommt.
Es braucht immer zwei Signale für die Sicherheit:
Wenn ich im Auto sitzend ein Kind über die Straße gehen lassen möchte und anhalte,
dann rät der Verkehrsexperte dazu, immer noch eine Geste mit der Hand, den Augen, mit dem Kopf zu machen,
um dem Kind die Sicherheit zu geben, daß ich es auch so meine: es kann gehen, ich fahre nicht weiter.
Wenn dieser Chef also das Schreien schick gefunden hat, dann hätte er dringend dazu sagen müssen:
ich meine es nicht so mit dir, nimm es nicht gegen dich gerichtet.

Du schreibst von den Auswirkungen auf Euch Kinder. Ich kann da gleiches berichten aus meiner Kindheit, weil auch meine Eltern malträtiert worden sind.

Ich denke viel an die Kinder von Mobbingbetroffenen und meine Hilflosigkeit und Grenzen.
Ich habe erlebt wie 4- und 6-jährige Kinder erleben mußten wie ihre Mutter in der Küche zusammenbrach in Folge Mobbing und liegenblieb.
Ich denke an den 7-jährigen, der seine Mutter nur noch weinend sah und die den halben Tag nicht ansprechbar war.
An viele andere, die die furchtbare soziale Bedrohung erlebt haben und erkennen mußten: nun sind wir arm,
viele Dinge gehen nicht mehr, es gibt so großes Unrecht in diesem Land, daß das Vertrauen zerstört ist.
Ein Mädchen wurde schließlich von ihrer Mutter zur Kirchenarbeit mitgenommen.
Das Kind verstand, das es jetzt der Rettungsanker für die Mama war und half emsig bei der Kinderarbeit.
Ich sah zu wie sie Gesichtszucken bekam und sehr nervös wurde.
Heute ist sie 30 und hat zwei abgeschlossene Studien. Sie arbeitet wie verrückt, immer im Kopf, daß man nie an Geldmangel leiden darf.
In einer anderen Familie sind die Söhne einfach nur hart geworden. Sie verstehen ihre Eltern nicht, die nicht können nach Mobbing.

Diese Einstellung beschreibst du ja auch von deinem Vater: nicht mit „dem Schwachen“ identifizieren.
Und selbst, wenn ich schwache Stellen habe, die ja jeder hat, verleugnen bis zum bitteren Ende.
Ablehnen und verachten ist dann die Devise. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.
Keine Gedanke, das es täglich umschlagen kann und mich in die Position bringt, wo ich auf anderer Leute Mitgefühl und Tatkraft angewiesen bin.

So entstehen „verkehrte Welten“, wenn ich nicht auf Gefühle achte und mit ihnen umgehe,
wenn ich unklar werde , indem ich schreie und behaupte, das sei gutgemeint.
Wenn man sich nahe ist und sich gut kennt, mag man das so halten können, aber nicht im Dienstverhältnis.

Das Thema ist noch nicht erschöpft, denn wer hält schon Anschreien aus?
WGM

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Mobbing und Gesundheitsmanagement

#44 von Jaccuse ( gelöscht ) , 31.07.2014 12:40

Hallo, Theo,

wir hören nichts mehr von Dir? Bist Du im Urlaub? M.E. ist Mobbing niemals im Urlaub. Es ist ein System, ein Einschücherungssystem mit einer doppelten Zielsetzung:
Vordergünding soll es das Opfer einschüchtern und unter Druck setzen. Hintergründig soll es auch die anderen einschüchtern: Seht alle genau hin, wenn Ihr Euch nicht duckt, geht es Euch wie XYZ!!! Die Täter sind sehr einfallsreich. Es gelingt ihnen oftmals mit ihren perfiden Attacken auch das Umfeld zu infiltirieren: "Wer nicht für mich ist, ist gegen mich." Da knicken auch Leute ein die wissen was gespielt wird. Das ist sehr schade, denn von feindlich gesonnenen Menschen hat der Betroffene nichts zu erwarten, aber die anderen? Auch Du, mein Sohn, Brutus? mußte auch Cäsar vor seinem gewaltsamen Tod erkennen. Ein Brutus zu werden, läßt sich mit einer christlichen Haltung nicht vereinbaren - oder?
Jaccuse


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zuletzt bearbeitet 31.07.2014 12:41 | Top

   

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