offener Brief des Pfarrers a.D. Manfred Elsässer

#1 von Achim , 13.11.2016 15:50

Liebe Freunde,

unser Mitglied, Herr Pfarrer a.D. Manfred Elsässer, hat mich gebeten, seinen nachfolgenden offenen Brief hier bei uns im Forum zu veröffentlichen, was ich gern tue:



Offener Brief eines D.A.V.i.D. - Mitgliedes

Dankbar für jeden und froh über jeden Menschen bin ich, der in meiner schweren Zeit der innerkirchlichen Auseinandersetzung, die zu meinem Wartestand geführt hat, zu mir gestanden hat. Traurig aber bin ich über jeden, der daraus die Konsequenz gezogen hat, aus der Kirche austreten zu müssen. Denn obwohl ich durch Vertreter der Kirche habe so manches Leid erdulden müssen, bin ich nicht gegen, sondern für die Kirche, will ihr nicht schaden, sondern helfen, will Schaden von ihr abwenden und bin dabei der Überzeugung, dass andere D.A.V.I.D. - Mitglieder ebenso denken. Wenn wir für die Abschaffung des Gesetzes über die Ungedeihlichkeit, das zum Wartestand führt, kämpfen, dann tun wir das nicht nur deshalb, weil wir selbst Betroffene sind, sondern auch deshalb, weil wir die Kirche Jesu Christi lieben. Denn mit diesem Gesetz schadet die Kirche sich selbst, weil es in eklatanter Weise dem im Neuen Testament offenbarten Willen Jesu Christi widerspricht, der immer wieder betont hat, dass es auf das Tun des Willens Gottes ankommt. Ein Gesetz, das im Konfliktfall dies mit klaren Worten ablehnt, stellt sich gegen Jesus Christus, der bekanntlich das Haupt der Kirche ist. Der sogenannte „Ungedeihlichkeitsparagraf“ kann also nur Schaden über die Kirche bringen und sollte deshalb so schnell als möglich abgeschafft werden.

Manfred Elsässer


Unser lieber Manfred Elsässer und wir vom Vorstand würden uns über Eure Meinungen und Reaktionen freuen.

Euer

Achim


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RE: offener Brief des Pfarrers a.D. Manfred Elsässer

#2 von azalee , 21.11.2016 15:20

ich suche immer noch verzweifelt nach dem Elsässerischen Gedicht über den Wartestand....


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RE: offener Brief des Pfarrers a.D. Manfred Elsässer

#3 von turmfalke , 21.11.2016 16:52

Liebe Azallee!

Du findest das Gedicht im öffentlichen Forum unter der Rubrik "Jahrestagung 2016 nicht mehr in Eisenach sondern in Sondershausen" unter dem Thema "Rückschau Jahrestreffen in Sondershausen". Ich musste auch erst ein wenig suchen.

Schöne Grüße!

Turmfalke


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RE: offener Brief des Pfarrers a.D. Manfred Elsässer

#4 von Elster Silberflug , 11.03.2018 14:26

Da möchte ich antworten:
Auch ich empfinde es nicht als gut, aufgrund eines Wartestandes der Institution Kirche total den Rücken zu kehren. Ich weiss noch immer nicht weswegen ich denn den Wartestand geraten bin: Weil unser Dekan meine Bewerbungen blockierte, weil ich zweimal in einer psychosomatischen Klinik gewesen bin, weil keiner so genau weiss, warum, aber es schon lange geplant war, oder auch, weil andere mitmischen, wo sie nichts zu tun haben...alLeine dies alles ist schon furchtbar und verletzend in unglaublicher Weise.!!
Ich fiel erstmal tief wurde krank oder stand auf dem Schlauch und war doch kreativ ohne alle Maßen, durch Fortbildungen, Dienste in einer anderen Landeskirche, Ökumenischer Arbeit in Italien, Vertretungen bei einer lieben Kollegin und dann auch ein Studium, meiner Kirche es mal richtig zu zeigen. Es interessierte nichts, auch nicht dass ich etliche Empfehlungen und Briefe von Dekanen oder auch meines Ordinationsdekan zu einer ersten Verhandlung mitgebracht hatte...Diejenigen die mobben, sagen meist: Dass ich jetzt dies und jenes nicht mehr dürfen soll oder Ähnliches ....oder sind anderweitig sehr unverschämt und wiederholen Texte von andere, die sie auswendig nachbeten ohne zu wissen, was die Grundlage dieser Aussagen war. Die Obrigen lassen mobben und wenn alle entzweit sind, dann läuft alles gut. Das ist ein Trauerspiel und tut weh.
Ich habe immer noch die Hoffnung, dass es Dekane/innen und Pfarrstellen gibt, die gut und kollegial sind und, wo das Leben Freude machen kann.
Es ist kein Zufall, das sich auch hier in der Stadt ,wo ich jetzt weit weg von meiner Landeskirche lebe, Leute gibt die genau diese Linien, die mich so so bedrückten fahren, und sich damit gross tun wollen.
Nu aber bin ich schon Jahre weiter und denke an meine Landeskirche wie eine in der Scheidung Befindliche, vermisse meine lieben Kollegen/innen , auch wenn ich schon wieder arbeite und auch
mein Studium der Musiktherapie vielleicht bald in eine lohnenden Arbeit übergehen wird. Wenn aber eine Pfarrstelle auftauchen würde, würde ich mich wohl rufen lassen!!
Es ist sehr schlimm, von einer Kirche ausgebootet zu werden und zu erleben, wie man wissentlich an die Bande geknallt wird.
Trotzdem empfinde ich es, als ob immer noch Wege offen sind und es noch Hoffnung gibt, auch wenn meine Kirche vielleicht eine Schule im Nachreflektieren, Nachfragen und Jasagen durchmachen sollte, damit für Pfarrer/innen wie mich und ich halte mich für recht normal, noch gute Chancen sichtbar sein können.
Wenn die Kirchen mal fusioniert sein sollten- ein Traum von Bischof Huber, dann käme dies vielleicht nicht ,mehr so vor, da es so unterschiedliche Gegenden wie Theologen/innen gibt, und sich alles besser aufteilen lassen würde. aber das sieht ja momentan überhaupt nicht so aus,da die Vorstellungen zu unterschiedlich sind..
So haben wir die Aufgabe, jeden Tag aufs Neue zu formulieren und auch zu verstehen, was jetzt gerade angesagt ist, nicht auf dem Schlauch zu stehen, uns weiterzubilden und vor allem auch die jetzige Situation verstehen zu lernen...und sich zu schützen, vor denen, die es nicht wert sind, sich Kirche zu nennen, verbunden mit dem Wunsch, dass der heilige Geist doch vieles bewerkstelligen kann und dann doch alles ganz anders aussieht, als angenommen.
Allerherzlichste Anteilnahme , Elster Silberflug

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RE: offener Brief des Pfarrers a.D. Manfred Elsässer

#5 von Achim , 11.03.2018 15:23

Liebe Elster,

vielen Dank für Deine Reaktion und Gedanken zu Manfred Elsässers offenem Brief.

Bei dieser Gelegenheit habe ich noch folgendes Gedicht aus den Tiefen unseres Forums geborgen, das uns Manfred Elsässer auf unserer Jahrestagung 2016 in Sondershausen vorgetragen hatte:


"Es ist gewiss sehr gut gemeint,
dass immer mal ein Buch erscheint,
bei welchem stets es darum geht,
dass darin jeder Name steht
von jedem, der so manches Jahr
in unsrer Kirche tätig war,
den anzuzeigen man bestrebt,
so lange er auf Erden lebt,
auch wenn von ihm schon längst bekannt,
dass er jetzt lebt im Ruhestand.
So einer wird, wie sich 's gebührt,
dabei gesondert aufgeführt.
Es steht nicht nur der Name dort,
genannt ist dabei auch der Ort,
wo er zuletzt zu tun bereit
den Pfarrerdienst gewisse Zeit.

Doch als einmal dort suchte ich,
ein Umstand irritierte mich.
Was ich bei einem Pfarrer fand,
das war das Wort dort „Wartestand“.
Das habe ich mich dann gefragt,
was dieser Ausdruck da besagt.
Gibt 's einen Ort, gibt 's eine Stadt,
die einen solchen Namen hat?
Mir fiel bei meinem Grübeln ein:
In Deutschland kann das doch nicht sein.
Da lag zu denken es nicht fern,
gleicht etwa das dem Judenstern,
dass Ihr an diesem Menschen seht:
Er ist von mind'rer Qualität?

Da dachte ich: Was traust denn du
dem Landeskirchenamt da zu?
Das hat doch Gutes nur im Sinn,
weshalb ich wohl im Irrtum bin.
Dann es mir ins Gedächtnis trieb,
was Sören Kierkegaard einst schrieb
vom Bischof, welcher Mynster hieß.
Er schrieb von diesem Menschen dies,
dass er kein Wahrheitszeuge ist,
wenn man ihn an der Bibel misst,
denn wen in dieser Welt man ehrt,
besitzt bei Gott meist nicht viel Wert.
Die Bibel teilt es uns doch mit,
wie meist ein Wahrheitszeuge litt,
und dass bei Jesus gar fand statt,
dass man ihn einst gekreuzigt hat;
und dass es dem nicht besser geht,
der dann in seinem Dienste steht,
weshalb der Ausdruck „Wartestand“ ,
in dem man sich einmal befand,
für jeden Pfarrer, der ein Christ,
ein wahrer Ehrentitel ist."


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RE: offener Brief des Pfarrers a.D. Manfred Elsässer

#6 von Elster Silberflug , 11.03.2018 18:14

Ich verstehe:
Dass aber ein Landeskirchenamt leider nicht immer das Beste möchte, vielleicht auch weil es schlecht informiert ist, das habe ich auch erlebt. Aber auch, dass ein Oberkirchenrat, der mich beleidigte sich sehr bei mir entschuldigte mit den Worten:Ich höre auf- es war kurz vor seiner Rente-. und Sie machen weiter. Damals konnte ich nochmal erneut auf eine Stelle ziehen..
Die Passionszeit ertrage ich nur in der Dosis mit meinen Schulkindern oder in einem sensiblen Gottesdienst..
Danke

Elster Silberflug  
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