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sieben Wochen ohne Runtermachen

#1 von turmfalke , 18.02.2015 19:18

Liebe Leute vom Forum!

Heute ist Aschermittwoch! Beginn der Fastenzeit! Für uns evangelische Christen geht es dabei nicht um irgendetwas, was uns belasten oder einschränken soll. Fasten ist vielmehr die Gelegenheit, etwas Neues im Leben zu entdecken, das uns gut tut.

Seit Jahren läuft deshalb die Aktion " sieben Wochen ohne" mit einem jeweils dafür ausgesuchten originellen Thema: 2015 heißt es also: " Du bist schön! Sieben Wochen ohne Runtermachen"

Das müßte uns Leuten von David gegen Mobbing eigentlich eingehen wie Butter! Das ist doch unser Thema!

Gut, gut! Ich höre gleich den Einwandt: Mobbing ist noch etwas anderes: Mobbing ist der strategisch angelegte Versuch, Menschen systhematisch zu destabilisieren mit dem Ziel, ihren Einfluss einzuschränken oder sie sogar aus ihrer Position zu vertreiben. Stimmt leider! Und es passiert leider! So schlimm ist das!

Aber das beginnt im Kopf und es fängt klein an.

Da könnte die Fastenaktion in diesem Jahr eine vorbeugende Wirkung haben. Wenn wir lernen zu erkennen, was an den Menschen schön ist, und wenn wir ihnen das vielleicht auch mal sagen, anstatt sie immer nur runterzumachen, dann entsteht ein Binnenklima, in dem Mobbing weniger leicht entstehen kann. ( langer Satz! Muss man vielleicht noch mal lesen)

Also ich hab ich mir vorgenommen in diesen 7 Wochen: Niemanden runtermachen und bei den Leuten entdecken, was an Ihnen schön ist.

Und noch eins: Ich hab mir auch vorgenommen, mich nicht runtermachen zu lassen!

Es gibt genügend Leute, die mich schön finden. Und wenn nicht, dann glaube ich doch, dass der liebe Gott mich so sieht.

Eine gesegnte Fastenzeit!

Euer Turmfalke


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RE: sieben Wochen ohne Runtermachen

#2 von Robin , 18.02.2015 20:52

Ich habe mit den "7 Wochen ohne ..." noch nie etwas anfangen können. Warum nur 7 Wochen lang? Wenn sich etwas ändern soll, dann doch wohl grundsätzlich! Und, lieber Turmfalke, was soll ich denn an... Putin ... schön finden? Nun, Sie dachten sicher an Menschen aus dem Nahbereich. Nichts für ungut!
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RE: sieben Wochen ohne Runtermachen

#3 von turmfalke , 19.02.2015 10:39

hoi, hoi, Mr. Hood! Ihr kennt in sherwood forest wohl keine Kompromisse!

Aber vielleicht gibt es tatsächlich Erklärungsbedarf. Als Lutheraner lebe ich sehr dicht am Kirchenjahr. Das ergibt sich schon durch meine Predigtdienste. Wir folgen in der Auswahl der Predigttexte in der Regel der Perikopenordnung und die folgt nun mal dem Kirchenjahr. So gibt es für mich ganz selbstverständlich geprägte Zeiten im Laufe eines Jahres.

Darin liegt ein wenig Barmherzigkeit und auch ein gutes Stück pädagogischer Weisheit. Wir können ja nicht alle theologischen Themen gleichzeitig das ganze Jahr über mit gleicher Intensität präsent halten. Wir setzen in jeder Zeit andere Schwerpunkte. Im Laufe eines Jahres ergibt sich daraus ein rundes, in sich stimmiges Gesamtbild.

Du hast natürlich Recht. Wir dürfen das Bemühen um einen neuen Lebensstil nicht auf 7 Wochen beschränken.
Wie würde auch der Satz klingen: " 7 Wochen ohne Mobbing!" ? - und nachher geht es wieder los ! ? Das wäre Zynismus.

Aber so ist es auch nicht gemeint. Wer z.B. " 7 Wochen ohne Alkohol" macht, erlebt das als eine Entschlackungskur. Er macht dabei gute Erfahrungen, wenn es auch manchmal schwer fällt. Er wird dann vielleicht am Ostersonntag nach dem Gottesdienst genüsslich ein gepflegtes Glas Wein trinken. Aber er wird sich nicht besaufen. Das wird er nicht tun, allein schon aus Respekt vor seinem eigenen Durchhaltevermögen. Und wer das regelmäßig erlebt, wird weniger anfällig sein für einen krankmachenden Alkoholismus. Die Übung in den 7 Wochen hilft ihm, auch weiterhin kontrolliert zu leben.

Also ich bleibe dabei: "7 Wochen ohne Runtermachen".

Dem Mobbingtäter gegenüber ist das natürlich schwer. Erst recht, wenn man erkennt, dass das Mobbing Methode hat und ein bestimmtes Ziel verfolgt.

Vielleicht hilft dann die Umkehrung des Satzes: "Ich will 7 Wochen lang nicht zulassen, dass mich jemand runtermacht! Zumindest will ich versuchen, nicht zuzulassen, dass ich dabei im Kern meiner Seele verletzt werde."

Was Putin angeht, hast Du natürlich recht. Angesichts der Verlogenheit und Gewalt, die uns täglich in den Medien präsentiert wird, fällt es wirklich schwer, darin irgendetwas "Schönes" zu finden.

Aber ich glaube schon, dass es in dem Konflikt auch eine gewisse Logik gibt. Möglicherweise wäre es zu dieser Eskalation gar nicht gekommen, wenn der Westen, Deutschland, Europas und vor allem Amerika sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht so arrogant als "Sieger des Kalten Krieges" gefühlt hätten.

Mach´s gut Robin! Dein Turmfalke


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RE: sieben Wochen ohne Runtermachen

#4 von Joringel , 19.02.2015 10:40

Lieber Turmfalke,

Danke für Deinen Beitrag. Ehrlich gesagt, konnte ich mit dem "Du bist schön" gar nichts anfangen. Ich dachte, es bezieht sich auf das Äußerliche und dass man sich nicht mit den Models und Ähnlichem vergleichen soll, sondern zu sich selbst stehen. Deine Deutung finde ich wirklich gut.
Ohne die Nase hochtragen zu wollen, aber auch ohne diese mentale Vorbereitung habe ich schon oft versucht, ganz bewusst so zu handeln. Wir hatten einmal eine Kundin, die war richtig verhasst, weil sie mit jedem nur im Kommandoton geredet hat, und immer negativ. Übrigens sah ihr Gesicht auch so aus. Ich hatte das Gefühl, dass sie todunglücklich war aus irgendeinem Grund. Da habe ich versucht, die Sache mal anzugehen. Das erste Gebot in Sachen Kommunikation ist, dem anderen in die Augen zu sehen. Ich habe sie immer ganz frei angeschaut und höflich begrüßt und sparsam gelächelt, egal, wie sie drauf war. Irgendwann habe ich ein Lächeln von ihr zurückbekommen, . Dann zu dem Punkt Positives auch anzusprechen. Ich finde, es ist eine richtige kleine Zauberformel, denn Hand aufs Herz, in den ersten Bruchteilen einer Begegnung messen wir den anderen doch oft erst einmal an uns selbst. Er ist frecher als ich, fährt schlechter Auto als ich, verdient mehr als ich, obwohl er es nicht verdient, sein Deutsch läßt zu wünschen übrig, der liebt sein Auto mehr als alles andere usw. hat usw. Wenn man aber Deinem Ratschlag folgt, bringt man sein Gegenüber meistens zum Lächeln, und manchmal entwickelt sich sogar ein interessantes Gespräch.
- Übrigens ist mein Englisch ziemlich dürftig, aber wenn ich mit einem Engländer gesprochen habe, habe ich immer ein Kompliment für mein Englisch bekommen. Ich wusste, es war "nur" Höflichkeit, aber es löst eine gewisse Gelassenheit und Selbstsicherheit aus. Und wenn man diesen Turmfalken-Blick erst eingeübt hat, dann kann man bei seinem Gegenüber wirklich viel entdecken, es sei denn er heißt Putin. -
Und die Nähe zu Mobbing ist auch gegeben, denn Mobbing ist "Du bist schön" mit den umgekehrten Vorzeichen und es hat Methode. Diese Methode konstant angewendet erschüttert das Selbstvertrauen des Angegriffenen.
Aber ich glaube, ich fange mit dem guten Vorsatz erst morgen an und bis dahin könnt Ihr mir alle noch einmal im Mondschein begegnen.
Joringel


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