Sometimes I wish to be an angel

#1 von Joringel , 14.12.2017 00:48

Liebe Freunde,

der eine oder andere von Euch kennt vielleicht dieses populäre Lied der Kelly-Family:

Sometimes I wish I were an angel
sometimes I wish I were you
sometimes I wish I were an angel
sometimes I wish I were you

Ich weiß nicht, wie ich euch meine Erfahrungen beschreiben soll, ohne dass Ihr Joringel für verrückt, selbstverliebt oder eitel halten werdet.
Fakt ist: Es gibt eine schwer geprüfte Flüchtlingsfamilie ( nicht "meine", sondern eine von Millionen Menschen, die auf der Flucht sind vor Hunger, Krieg, Gewalt und politischer Verfolgung). Und dann findet Joringel in seinem Bemühen - nein, nicht um "Flüchtlinge", sondern um geflüchtete Menschen Mitstreiter, Helfer, die sein Engagement verstehen und gar nicht groß fragen, sondern sagen o,k. wir suchen mit Euch nach einer Lösung.
So geschah es Jorinde und Joringel, die vergeblich versuchten, auf dem Wohnungsmarkt für eine sechsköpfige afghanische Familie, darunter ein schwer behinderter Sohn eine geeignete Wohnung zu finden. Die Augen des jungen Mannes ruhten Woche für Woche hoffnungsvoll auf Joringel: Hast Du etwas gefunden, damit wir nicht mehr in getrennten Heimen, sondern endlich zusammen leben könnnen? Joringel hatte trotz zahlreicher Versuche nichts. Er bekam auch niemals eine Antwort auf Anfragen auf dem Wohnungsmarkt oder Zeitungsanzeigen. Um die nackten Tatsachen abzumildern, sagte er: Junger Freund, wir brauchen ein Wunder. Das Wort vom Wunder wurde fast zum wöchentlichen Ritual. Joringel fiel nichts mehr ein als sich an eine stadtbekannte Wohnbaugesellschaft zu wenden. Wochen verstrichen ohne Antwort. Na, ja - dachte Joringel, war ja auch blauäugig, dass die sich für Dein Anliegen interessieren.

Doch scheinbar kommen Wunder nicht immer wie ein Sternenregen daher, sondern eher mit einzelnen Schnuppen. Zuerst kam es schriftlich - wir werden helfen. Dann ein Gespräch - was braucht die Familie - wie können wir helfen? Dann der Hinweis: Ihr müsst Geduld haben. Bitte nicht mehr nachfragen, das bringt auch nichts. Wochen, Monate vergingen - nichts. Nach mehr als einem Jahr schickt Joringel doch noch eine e-mail los: Die Lage ist dringlicher denn je. Die vier Kinder lernen Tag und Nacht, aber das Lernumfeld ist so schlecht, laut, eng. Viel Zeit vergeht mit dem Hin-und Her-Rennen zu den unterschiedlichen Unterkünften! Dann ein nüchterner Anruf: Wir haben eine behindertengerechte Wohnung.

Aber dann auf dem Höhepunkt des Glücks kontraproduktiv das Damoklesschwert der Abschiebung. Mit Duldung keine Wohnung! Ach, Leute, auch so irdische Pseudo-Engel wie Jorinde und Joringel haben es schwer. Endlich fast am Ziel und dann das! Eilantrag an das Gericht, Beschwichtigung der Wohnbaugesellschaft (wir kriegen das hin), Beruhigung der verstörten Familie: Keine Angst, es wird schon! Und es wurde. Und gestern nun der Umzug, das unbeschreibliche Gefühl der Familie trotz aller Ängste, trotz Jahren der Trennung, trotz Armut endlich eine Heimat zu haben. Das Glück der Beglückten ist ganz, ganz still. Wie Traumtänzer bewegen sie sich in ihrem neuen Zuhause in Deutschland, blicken ungläubig auf ihre Wohnungsschlüssel und in die einzelnen Zimmer. Sie können es einfach nicht fassen. Wir sind wieder zusammen und angekommen. Ihr wisst ja, Engel gehen still und leise. Und so auch die Pseudo-Engel. Wir haben ja nichts gemacht, außer Menschen gefunden, die unser Anliegen unterstützt haben. Und die Familie, die müssen wir jetzt erst einmal ganz in Ruhe lassen....


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zuletzt bearbeitet 14.12.2017 | Top

   

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