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Der Zusammenhang von Mobbing und Kleidung

#1 von cezanne , 15.07.2014 16:04

"So ist es schön. So gefällst du mir!" Diese nette kleine Bemerkung machte ein Presbyter - während er mir noch die Krawatte richtete - mir gegenüber als ich (ein absoluter Anzug- und Krawattenmuffel) aus irgendeinem Grund einmal ausnahmsweise in Anzug und Krawatte bei einer Sitzung erschien. Aber ist in dieser kleinen Bemerkung nicht schon ganz viel enthalten, das letztlich sich als Mobbing entlarvt? Die Anmaßung über die Erscheinung eines anderen bestimmen zu dürfen, einen Menschen in ein bestimmtes Bild von Vorurteilen hineinzuquetschen. Ich denke dieser kleine harmlose Satz ist in Wirklichkeit schon eine Attacke auf die Menschenwürde und die Privatsphäre eines anderen Menschen.

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RE: Der Zusammenhang von Mobbing und Kleidung

#2 von azalee , 15.07.2014 17:52

Lieber Cezanne "Wie soll ein Pfarrer sein?"?? So viele Köpfe, so viele Vorstellungen. Dieser, von Dir beschriebene Presbyter ( wie alt ist er?) möchte eine Autorität, die sich nun mal am besten in Anzug und Krawatte macht.
Kleider machen Leute-wußte schon Gottfried Keller. Interessant wäre aber nunder Grund, da Du mit Anzug erschienst zu einer Sitzung- lag es an der Tagesordnung, wurde etwas ganz Wichtiges verhandelt, dazu Du Deine (Amts) person brauchtest, um Dich vielleicht durchzusetzen? Als ich in meiner ersten Pfarrstelle ganz unbedarft mit dem Fahrrad zum Gottesdienst ins Nachbarort fuhr, waren die Leute nahezu schockiert " Sie sind doch kein Bettler. Sie müssen mit dem Auto kommen. "


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RE: Der Zusammenhang von Mobbing und Kleidung

#3 von cezanne , 15.07.2014 22:15

liebe Azalee,

vielen Dank für deine Gedanken, die Geschichte mit dem Rad gehört auch in den hier geplanten "Mobbing-Roman".
Der Presbyter war damals ca. 40 und ich hatte wohl wegen irgendeiner Veranstaltung den Anzug an. aber ich hab das damals gleich als Unverschämtheit aufgefasst. nämlich wirklich ohne jede Scham. Es gibt die Vorstellung in Gemeinden: unser Pfarrer gehört uns. d.h. er soll gefälligst auch so reden, so leben, so aussehen, wie wir uns einen Pfarrer vorstellen. Der Pfarrer nicht lebendiger Mensch, sondern als Gegenstand, Objekt von Projektionen, äußerst geeignetes Tratschobjekt etc.
Dieser Presbyter hatte übrigens immer eine Bibel dabei, in der er auch vor dem Gottesdienst las. Er hält sich für ausgesprochen gläubig und war seit dem Zeitpunkt als ich in der Bibelrunde sagte, dass ich nicht an einen Teufel glaube, felsenfest überzeugt, dass er es hier mit mir um einen absolut ungläubigen Pfarrer zu tun hat.
Aber ich will hier nicht über Dritte herziehen. Um was es mir geht ist, dass Liebe, Nächstenliebe etc. in der Kirche offensichtlich nur etwas Plakatives ist. Dass sie mit Achtung, Respekt und eben mit dem Sich-Einlassen auf einen realen Menschen zu tun hat, ist nach meiner Erfahrung gerade unter Christen nicht sehr bekannt.

LG Cezanne

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RE: Der Zusammenhang von Mobbing und Kleidung

#4 von azalee , 16.07.2014 19:42

Hallo Cezanne,
unverschämt ist allerdings m.-E. dass Dich jener Presbyter duzt, es sei denn, da gab es Erlaubnis. Da ja diesem Gremium viel Macht zugestanden wird seit Jahren,( der Pfarrer darf nicht mehr den Vorsitz haben im Kirchenrat) versuchen die Pfarrer/ Innen, so gut wie nur möglich mit dem Entscheidungsgremium aus zukommen, da werden nicht selten viele Zugeständnisse gemacht bis dahin, dass der/ die Pfarrer/ In mit ihnen eine "verschworene Gemeinschaft "bildet-. Es ist auch tatsächlich so, dass es Gremien gibt, die sich den Pfarrer zurecht schneiden wollen.. .. an ihm mäkeln , Vorschriften machen, Ich würde da mal analysiern...
Wie wärs mit guter, wirklich guter und unabhängiger Supervision. Und: das System Kirche ist ein wirklich eigenes System !

In meinem Vikariat sagte mal mein Mentor zu mir: "Sie können alles machen , nur nicht, sich zum Affen machen zu lassen" - das ist schon mehr als 25 Jahre her. und das Pfarrerdienstgesetz war damals noch ein ausgesprochenes SCHUTZGESETZ. Das allerdings hat auch Veränderung erfahren.Und es bedarf nur ein oder zwei Gemeindeglieder oder besser PRESBYTER, um die "Nachhhatige Störung in der Ausübung des Dienstes " dem Pfarrer zum Stolperstein (und noch viel !) mehr werden zu lassen.
Es war eigentlich immer so, dass der Pfarrer mitsamt seiner Familie immer ein beliebtes Tratschobjekt ist . Tratsch ist der "soziale Kitt" , der die Leute zusammenhält. Wenn Du hörst, dass Blödsinn über Dich geredet wird, mache ganz viele Hausbesuche , suche die Nähe zu den Leuten und gib ihnen die Gelegenheit, Dich kennen zu lernen. Ich bin mir sicher, Du wirst Anerkennung und Positive Stimmen bekommen. Eine starke Persönlichkeit hat es nicht nötig, sich anzubiedern. Der Leute wollen vielleicht nur wahrgenommen werden in ihren Lebensumständen von einer Autorität, vom Seelsorger, dem man Menschenkenntnis zugesteht.


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zuletzt bearbeitet 16.07.2014 | Top

RE: Der Zusammenhang von Mobbing und Kleidung

#5 von WGM , 17.07.2014 00:12

Hallo Cezanne,
zu deiner Eingangsschilderung sind zwei Fragen interessant:
Was hat das in dir ausgelöst und wie gehst du damit um?

Was du beschreibst , ist sicher jedem schon mal irgendwie in gleicher oder ähnlicher Form passiert.
Wahrscheinlich passiert es auch immer wieder bis zum Schluß und es zwingt einen darüber nachzudenken
und hilfreiche Schlüsse daraus zu ziehen.

Mir ging sofort die Angie durch den Kopf, deren Geburtstag gerade anfängt.
Die halbe Welt kritisiert ihr Äußeres und ihren Stil.
Wie die das wohl macht?

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RE: Der Zusammenhang von Mobbing und Kleidung

#6 von azalee , 17.07.2014 11:05

Roger Willemsen , der bekanntlich ein Jahr den Bundestagsdebatten beiwohnte , um dann ein Buch zu schreiben, bemerkte einmal: "Die Bundeskanzlerin wird immerzu gelobt " Sollte ihr Stern einmal im Sinken sein, wer weiß, dann zieht man aber auch kräftig über sie und ihre Hosenanzugs- Kleiderordnung her....sehr öffentlich! Aber das macht man ja schon jetzt hin und wieder - das stört sie kaum, sie hörts ja nicht! Und wenn sies hörte, würde es ihr auch nicht viel ausmachen.


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RE: Der Zusammenhang von Mobbing und Kleidung

#7 von turmfalke , 17.07.2014 19:03

Lieber Cezanne! Liebe diskussionsfreudige Runde!

Das mit der Kravatte hat mich nun doch gerissen. Zunächst folgende kleine Geschichte. Vor Jahren wollte ich mich auf eine Pfarrstelle berwerben und war dabei, den Ort zu erkunden. Dabei kam ich - noch inkognito - ins Gespräch mit einer alten Dame, die mir als dem unbekannten Spaziergänger freimütig davon erzählte, dass der bisherige Pfarrer, der dabei war sich zu verabschieden, immer ohne Kravatte zur Frauenstunde gekommen war. Sie fand das schade und wünschte sich einen mit Kravatte. Ich dachte mir: Gut, dass ich das weiß. Und als ich dort Pfarrer war, hab ich ihr den Gefallen getan und habe mir immer zur Frauenstunde eine Kravatte umgebunden. Die Dame hat mich dafür geliebt. Es machte ihr dann auch nichts mehr aus, wenn ich hinterher bei den Jugendlichen die Kravatte wieder abgenommen habe. Wie sagte noch Paulus: "Den Juden ein Jude und den Griechen ein Grieche". Ich fand, dass ich mich dabei nicht verbogen habe. Die Menschen sind - Gott sei Dank - verschieden und wollen auch jeder auf seine Weise wahrgenommen werden.

Aber ich verstehe Dich, Cezanne! Ich kann es auch nicht haben, wenn an mir herumzippelt. Und vermutlich war die überkorrekte Weise deines damaligen Presbyters tatsächlich eine Form von Mobbing: "Ich möchte den Pfarrer so wie ich es mir vorstelle. Und wenn er nicht passt, dann modelliere ich solange an ihm herum, bis er sich anpasst, oder bis er weggeht und ich mir einen neuen Pfarrer aus dem Katalog ausuchen kann". Der Denkfehler liegt natürlich darin, dass es in jeder Gemeinde verschiedene Vorstellungen davon gibt, wie ein Pfarrer zu sein hat. Wenn man als Pfarrer versucht, allen diesen Idealbildern gleichzeitig zu entsprechen, dreht man sich im Kreise und verliert auch dabei seine Glaubwürdigkeit.

Ich denke die Leute wollen in Wirklichkeit zum Pastor einen Menschen, der sich selber treu bleibt und der die verschiedenen Menschen in der Gemeinde annimmt - jeden so wie es ihm gemäß ist.

Aber leider gibt es unter den Presbytern immer wieder den arroganten Typen, den du beschrieben hast. Das muss übrigens nicht immer ein Konservativer sein. Ich habe auch Leute erlebt, die die Kirchengemeinde für ihre linke - oder auch rechte (?) - Ideologie vor ihren eigenen Karren spannnen wollten und damit die ganze Gemeinde überfremdeten oder verprellten.

Ich weiß leider kein Rezept, wie man sich oder die Gemeinde vor solchen Mobbingattacken schützen kann. Und die Macht, die ein Kirchenvorsand hat durch den "Ungedeihlichkeitsparagrafen" ( Mobbingparagrafen) §§ 79 u 80 Pfarrdienstgesetz der EKD, ist wirklich zum Fürchten groß.

Viele Grüße! Turmfalke


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RE: Der Zusammenhang von Mobbing und Kleidung

#8 von dr.arndt , 17.07.2014 19:20

Lieber Cesanne,

schlauer als mein Vorredner Turmfalke und seine Vorrednerinnen bin ich natürlich auch nicht. Und eine wirklich gute Antwort, die Dir praktisch helfen könnte, habe ich auch nicht zur Hand.

Freue mich, dass Du Dich in unseren Reihen so engagiert beteiligst und sehe Deinen weiteren Beiträgen, wie wir alle, gern entgegen.

LG

Achim


Gemeinsam sind wir stark!

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Wie sollte ein Pfarrer sein

#9 von Janchen , 17.07.2014 20:18

Etwas außerhalb des Themas, aber doch passend....

Die Pfarrwahlkommission konnte und konnte sich nicht zu einem Vorschlag zur Wahl eines Pfarrers durchringen, weil kein Bewerber das Idealbild verkörperte, das den guten Leuten unverrückbar vor Augen stand.

Schließlich sagte der Vorsitzende seufzend: "Tja, nun habe ich hier noch eine Bewerbung. Aber sie klingt nicht sehr Vertrauen erweckend. Der Mann schreibt von sich selber, er sei nicht ganz gesund, ihm habe seine Krankheit in der Gemeindearbeit schon ernstlich zu schaffen gemacht. Zwar verfüge er über weitreichende Erfahrungen, halte es aber nie lange in einer Gemeinde aus. Nur in einer sei er immerhin drei Jahre geblieben. Öfters habe er Streit mit Amtsbrüdern oder bestimmten Gruppen in der Gemeinde. Organisation sei nicht seine starke Seite. Man sage ihm nach, dass er gelegentlich sogar vergesse, wen er getauft habe. Andererseits dürfe er wohl annehmen, dass er ein recht guter Theologe und Prediger sei. Auch meine er, den Heiligen Geist zu haben. Wenn die Gemeinde es mit ihm versuchen wolle, werde er ihr dienen, so gut er könne."

Allgemeine Entrüstung. Was? Ein kränklicher, streitsüchtiger und gedächtnisschwacher Mann wagte es, sich zu bewerben? Man stimmte ab: Nein, den Mann lud man gar nicht erst zur Probepredigt ein.

Der Vorsitzende schloss seufzend die Akten. "Das habe ich mir schon gedacht. Aber Sie sollen doch wenigstens den Namen dieses bedauernswerten Mannes erfahren. Es ist der Apostel Paulus."






Quelle

...


Römer 1,17 ... Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie denn geschrieben steht: "Der Gerechte wird aus dem Glauben leben."


Es ist ganz einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

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zuletzt bearbeitet 17.07.2014 | Top

RE: Wie sollte ein Pfarrer sein

#10 von azalee , 18.07.2014 12:45

Hallo alle - besonders Cezanne:
nochmals step back zum Fahrrad statt Auto . Diese Bemerkung von den Leuten vom Kirchenrat sah ich keineswegs als Angriff auf meine Person an , damals nicht und heute im Rückblick eben auch nicht, wenn ich jetzt mal davon ausgehen, dass ich das Wort MOBBING vor 1990 nicht mal kannte und demzufolge auch nicht im Sprachgebrauch führte. Die Leute,vom KVstand- gestandene Männer aus Ostpreußen - meinten es wirklich gut mit mir.
Einer sagte : "Wir haben jetzt eine Pastorin. Das ist gut. Wir hatten sonst immer alte Pfarrer, mit denen konnte man gar nicht richtig reden..." Sie waren halt der Meinung, mit dem Fahrrad fährt doch jeder, aber eine Amtsperson, eine Pfarrerin / Pfarrer nicht. Sie boten mir an, mich mit dem Auto abzuholen, das nun wiederum fand ich übertrieben. Irgendwann bekam ich dann so was wie ein Dienstauto und fuhr mit dem...
Und wenn ich nach all den Jahren mit widerlichen Dingen, die mir/uns widerfuhren bei der Kirche auf meine unbedarften Anfangsberufsjahre schaue- kann ich eins sagen: meine Ostpreußen waren schwer in Ordnung!


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RE: Wie sollte ein Pfarrer sein

#11 von WGM , 19.07.2014 11:41

Hallo Cezanne, lieber turmfalke und Leser,

das Wort „mobben“ wird inzwischen für jedes unfeine Verhalten benutzt und/ oder völlig
unzutreffend. (azalees Klarstellung deckt gleich mal auf, wie falsch etwas verstanden werden kann).

Wer in der Beschreibung von Mobbing ernstgenommen werden und Mobbing als solches herüber bringen will, der muß wichtige Kriterien beachten.
Dies hier ist eine öffentliche Seite. Man muß damit rechnen, daß hier auch „Sachbearbeiter“ mitlesen. Vor denen wie vor den Gegnern/Mobbern muß die Darstellung von Mobbing Bestand haben. Vor mir selber auch, sonst werde ich dem Ernst der Sache nicht gerecht und diene auch nicht der Abwehr.

Es kann sein, cezanne, daß diese Bemerkung des Presbyter eingebetet ist/war in einen
Mobbingkomplex. Davon schreibst Du nichts.
Du nennst es Hineinquetschen in Vorurteile und später Unverschämtheit.
Das deutet an, daß da bestimmte Gefühle ausgelöst werden wie Ärger und Kleingemachtwerden......?
Das hat jeder schon mal erlebt und erlebt es auch immer wieder, dieses Zunahetreten und Beurteilen, was schon ein Verurteilen ist und wie Maßregeln und Falschbehauptungen empfunden wird von einer Person, die meint, das stünde ihr zu.

„So ist es schön, so gefällst du mir!“, ist, so wie es hier steht nichts anderes als eine Meinungsäußerung.
Da kann sogar ein Vorurteil mit drinstecken, eine Bewertung, die weh tut, es bleibt eine Meinungsäußerung für den Leser.
Wenn du es zurecht als eine Attacke bezeichnen willst, muß mehr Futter bei die Fische.
Dann reicht das, was du hier sagst nicht .

Du hast das (dumme) Lob als Unverschämtheit empfunden.
Die Frage ist also wie begegne ich solchen?

Es kann der Anfang von Mobbing werden, an dem ich aber mitverantwortlich bin.
Dieser Anfang kann aber auch entstehen, wenn ich mich wehre und der „Presbyter
im Gegenüber „ nun die negativen Gefühle hat und in Rachegedanken und - akte verfällt.

Oje, wenn das stimmt, was dann?
In der Mobbinglehre lernen wir: ein ungelöster Konflikt führt zu Mobbing.
Bei dieser Art sehe ich drei: den Konflikt in dir, in dem Presbyter und zwischen euch.
Anscheinend muß man noch das Problemfeld Arbeitsplatz ins Auge fassen.

Ich schlage vor bei allem Risiko:
zu allererst sollte man sich darum kümmern, daß man sich selber gute Gefühle und Wohlbefinden verschafft.
Man hat nicht reagiert auf solche Bewertung. Man trägt das Ungute mit sich herum. Es nagt in einem.
Eine Möglichkeit ist, es mit der Zeit anders zu bewerten als in dem Moment.
Manche Sachen kann man auf diese Weise wirklich abtun.

Jetzt denke ich mal an meine Erfahrungen mit „Presbyterübergriffen“: da ließ mir manches
keine Ruhe, gerade auch, weil sie in der Reihe von Mobbingattacken standen und empfindlich trafen.
Das schweigend hinnehmen wurde als eindeutig falsch erkannt.
Du mußt dein Maul aufmachen ,hieß es. Aber wie? ich hatte keine Idee.
Dann kam ein direkter Vorschlag für eine Gegenbemerkung. Das allein verschaffte mir innerliche Erleichterung und vorallem Ermutigung. Ich wand den Vorschlag nicht an, weil diese Gelegenheit vorbei war und weil es mir nicht reichte. Aber ich hatte Futter fürs Hirn und erdachte mir selber mögliche Reaktionen und Worte , mit denen ich zufrieden war, die mir den Seelenfrieden ein Stück zurückgaben.
Die Gelegenheit war vorbei, es gab bestimmt neue. So war es auch.
Nebenbei verfiel ich in Beobachtungen wie das andere machen (z.B. Angie, aber wirklich nur e i n Beispiel).

Auch hier für dein Beispiel habe ich Ideen, aber ich gebe das mal an die Runde weiter.
Vielleicht kommt da viel besseres als ich auf Lager habe?
Wenn es einleuchtet, daß das schweigende Hinnehmen falsch ist, dann müßten
Vorschläge für cezanne und für turmfalke kommen.
Vielleicht fällt euch schon selber was ein, wenn klar ist, daß es um die Abwehr mit Worten geht.
Jeder erlebt sowas und muß damit umgehen. Wie macht ihr das?

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RE: Wie sollte ein Pfarrer sein

#12 von azalee , 19.07.2014 12:03

Liebe WGM ,
verbale Angriffe gleich abwehren - auch mit Worten- in die Schranken wiesen. Hilft nicht immer! Kann auch wirklich sein- dass ich mit gezielter Abwehr ein Tor aufstoße zu weiteren Attacken- kann wirklich alles sein, wenn ich nicht weiß, wie mein "Angreifer " tickt. Manchmal muss man auch "ungeschickte Bemerkungen " überhören können, aber das ist alles so situationsbedingt. Und wie ist mein eigenes standing.
Und zum turmfalken noch eine Bemerkung . Du trägst die Krawatte auf Wunsch einer Frau aus den Frauenkreis und sie liebte Dich dafür.
Willst Du geliebt werden?? Wenn Du einmal die Krawatte vergessen hättest oder zwei mal gar ( im Sommer bei 33 Grad im Schatten!) - antwortet die Frau aus der Gemeinde mit LIEBESENTZUG?
Mir genügt es, wenn ich geachtet werde.


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Zusammenhang von Mobbing und Kleidung

#13 von WGM , 21.07.2014 20:28

Hallo azalee,
zur Deiner Bekräftigung des Gesagten will ich nochmal auf einen Hintergrund aufmerksam machen, den ich schon angedeutet habe:
es kommt sehr darauf an, was solche Meinungen/ unerwünschten Äußerungen in mir auslösen. Deshalb habe ich auch die Frage danach formuliert, die man sich beantworten sollte. Die Bewertung unverschämt ist das eine, meine Gefühle das andere.

Wenn es mich stark innerlich aufreibt und umtreibt, trage ich ein Problem mit mir herum,
das schwer wiegen kann und mich nicht zur Ruhe bringt/immer wieder aufflammt und meine Seele entkräftet.
Im Rahmen eines Mobbingkomplexes ist das sehr oft der Fall.
Das kenne ich von mir selbst, das ist Dauerthema bei Akut-Mobbningbetroffenen und
in so gut wie allen Fällen ein Zeichen der Traumatisierung im stärkeren Ausmaß.
Wenn es so ist, kann man das meist nicht überhören oder anderweitig kleinreden.
Verdrängen geht meist nur kurzzeitig.
Der Zustand, in dem man sich dann befindet, bedarf der Behandlung in irgendeiner Form,
möglichst in einer sehr kompetenten, um vorallem eine Chronifizierung zu vermeiden.

Äußerungen von Mobbern, Mitläufern, Möglichmachern u.a. können Betroffene in die Verzweiflung treiben und schwer belasten.
Sie wissen nicht, wie damit umgehen, weil Ängste aus verschiedenen Gründen einen Ausschaltmechanismus bedienen,
wo keine Idee aufkommt, wie man dem begegnen könnte.

Infolge will man nicht mehr an den Arbeitsplatz, die Straße , die Stadt , die Einkaufsstätte,
weil man Leuten mit derartigen Sprüchen begegnen könnte in und solch eine unangenehme und hilflose Situation gestürzt wird, in der man dumm da steht und sich nicht nur schlecht fühlt, sondern anhaltend sehr schlecht.

Als Beispiel nenne ich eins, was mir oft berichtet wurde:
der Geschädigte ist bereits in der Krankschreibungszeit und wird von einem mitmobbenden Arbeitskollegen in der Stadt angesprochen mit: „Na, wie gehts?“
der Gechädigte denkt, daß der das doch genau weiß, da er mitgemobbt hat und das
Ausgrenzen zum Ziel hatte wie eine ganze Reihe anderer am Ap auch. Er fühlt sich schlecht , klein und hilflos.
Nachdem ihm solche Frage bei Begegnungen mehrfach gestellt worden war und er merkte wie ihn das aushebelte und belastete, fiel ihm die für ihn passende Rede ein, die er dann auch stets anwendete: „Am liebsten gut!“ flötete er ab dann und ging seiner Wege.
Je nach dem schaute er dem Frager noch tief in die Augen oder zwischen die Augen. Der war regelmäßig irritiert und flüchtete verdattert. In Zukunft wechselte der Frage die Straßenseite und vermied die Begegnung. Der Geschädigte berichtete von einem erhabenen, wohltuenden Gefühl, das sich positiv auf die seelische Kraft niederschlug.

Es ist also ein erstrebenswertes Ziel , Reaktionsmöglichkeiten zu Cézannes Beispiel zu überlegen.
Auch, um vielleicht später den Faden nochmals aufzunehmen, denn es verschlägt einem ja oft die Sprache im richtigen Moment.
Dazu kann auch gehören, wenn es sich um Mobbing handelt, sich aus der Gefahrenzone zu entfernen.
Man muß nicht reden können, wenn man in einem Zustand ist, wo man es nicht kann.

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RE: Zusammenhang von Mobbing und Kleidung

#14 von azalee , 22.07.2014 16:52

ja, manchmal sollte man "sich entfernen" und ein andermal widerstehen.
Mobber, Mitläufer und Helfeshelfer sind "programmiert" : der, den sie mobben, hats eben nicht anders verdient! der soll weg: Ausschluß aus der Gemeinschaft. Störer , Kritisch Fragende haben nichts zu suchen.

In Dan Browns Roman: Sakrileg ist da eine Figur: Silas, ein Mönch, der im Auftrag bestimmte Leute umbringt.ABER: BEVOR er sie ermordet, betet er für sie. Er tut ein gutes Werk.


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