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RE: Der Fall Haak

#31 von Joringel , 29.01.2015 10:54

Und wenn es in der Kirche nie anders war und wir nur davon geträumt haben? Die Evangelische Kirche hat sich immer an den jeweiligen Regenten angehängt. Sie hat eine autoritär-patriarchalische Wurzel und vielleicht auch sehr viel Erfahrung im Antichambrieren und Mauscheln. Oberkirchenrat - wenn ich diesen Titel erhalte, werde ich doch gleich 5 cm größer. Kennt einer den Film "Deutschland - bleiche Mutter" mit Eva Matthes in der Hauptrolle? Gegen Ende des Krieges darf sie in Berlin in der Villa eines Onkels wohnen, der gut mit den Nazis zusammengearbeitet hat und jetzt in weiser Voraussicht auf das Kommende sich in Richtung Süden auf den Weg macht. - Nach dem Zusammenbruch trifft die Hauptdarstellerin (in der Rolle einer Mutter mit Kind) ihn in Darmstadt glaube ich im Gebäude der Evangelischen Kirche wieder. "Onkel, Du hier?" fragt sie erstaunt!
"Na, ja, das geht schon" antwortet er " denn als Jurist habe ich es mit dem Evangelium nicht so direkt zu tun." (Pikantes Apercu - in diesem Moment macht das Töchterchen ein Häufchen auf den feinen Teppich, eine Katastrophe für die versammelten Herren.)
Aber auch anders herum - sind wir immer die Guten? Sind wir nicht auch manchmal diejenigen, "die wo sofort das eigene Gewissen aussetzt, um einem Gruppengewissen ("was dem Staat nutzt, was der Kirche dient..") Platz zu machen."
An mir selbst habe ich Folgendes erlebt: Als ich vor Jahren durch die Stadt ging, sah ich Obdachlose, die sich prügelten. einer lag schon am Boden." "Pack schlägt sich" dachte ich und ging weiter. Viel später nahm ich einer Diskussion teil, ich weiß gar nicht mehr, worum es ging. Aber eine Frau berichtete: "Neulich gab es eine eine Prügelei zwischen Obdachlosen, einer lag schon verletzt am Boden und rührte sich nicht mehr. Alle sind vorbeigelaufen, ich habe dann die Polizei und den Rettungswagen gerufen! Das hat mich so empört, dass niemand etwas gemacht hat, weil es "nur" Obdachlose waren". Da habe ich auch nicht den Finger gehoben und gesagt: "Ich war einer von denen!" Aber ich war beschämt.
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RE: Der Fall Haak

#32 von yathabhutan , 29.01.2015 22:43

@Robin #20

Lieber Robin,

hier zu erzählen, wie die eine Geschichte in die andere überging, finde ich ein bisschen schwierig. Immerhin ginge es dann um Sachverhalte eines laufenden Verfahrens. Aber dann las ich hier im Forum Gisela Kittel`s Vortrag „Die Würde des Predigtamtes“ mit den beiden Fallbeispielen. Nimm Fall 1. Da ist eigentlich die ganze Typologie drin.

Bei mir war der Auslöser, dass von höherer Stelle die Schließung einer großen intakten Kirche unserer Gemeinde inklusive Gemeindezentrum und Pastorat verlangt wurde. Das kritisierte ich intern (nicht öffentlich!) im Kirchengemeinderat. In unserer Großgemeinde sind das allerdings 29 Leute. Die weitere Entwicklung konnte ich in meiner Abwesenheit nicht mehr beeinflussen. Wirkliche Vorwürfe wurden bis heute nicht gegen mich vorgebracht. Es wurden zwar ein paar Unterstellungen - ohne Kenntlichmachung der Quellen - vorgetragen, die ich aber plausibel entkräften konnte. Und dann halt die ganze Typologie eines Ungedeihlichkeitsfalls.

„Kirchenvorstandsmitglieder gehen, andere kommen. – der Superintendent erscheint auf der Bildfläche („Zorn des Chefs“) – es kommt nicht dazu, dass miteinander geredet wird – Kirchenältesten wird der Kontakt zum Pfarrer verboten – Es folgt die Suspendierung – Übernahme der Gemeindeleitung durch den Dekan-Synodal-Vorstand – Stimmen der Gemeinde … finden keinerlei Beachtung.“ - … so war es in dem einen von Gisela Kittel geschilderten Fall. Der „Zorn des Chefs“ stammt zwar aus Fall 2, aber diesen Terminus finde ich so stilbildend für das ganze Geschehen, weil sich daraus so viel anderes ergibt.

P.S.: Das Verfahren gegen den „unseligen Pastor H.“ liegt schon seit längerem bei der EKD in Hannover. Man hört nichts.

Herzliche Grüße
yathabhutan

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RE: Der Fall Haak

#33 von yathabhutan , 11.07.2015 10:35

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RE: Der Fall Haak

#34 von Achim , 11.07.2015 15:22

Danke!

Achim


Gemeinsam sind wir stark!

 
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RE: Der Fall Haak

#35 von Joringel , 11.07.2015 16:21

Das ist stark! Das passiert ganz selten, dass die Kirche einen Rückzieher macht. Aber wie schon am Schluss der Geschichte steht - so etwas kostet ganz viel Kraft und verändert den Blick auf die Kirche und die Gemeinde.
Volle Rehabilitation - und hätte es gern auch vielen anderen in gleichartigen Verfahren gegönnt, die ins Nirwana der Enttäuschungen gestoßen wurden, persona non grata for ever.

Joringel


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RE: Der Fall Haak

#36 von turmfalke , 13.07.2015 10:22

Lieber Yathabhutan!

Danke für die Gute Nachricht! Das ist eine große Freude! Es geschehen noch Zeichen und Wunder!

Gerne wüsste man mehr über die Gründe, die zu dieser Entscheidung der Kirche geführt haben. Ein Ungedeihlichkeitsverfahren einzustellen und den Pfarrer in der Kirchengemeinde mit vollen Rechten wieder einzusetzen, bedeutet ja, dass Leute in der Kirchenleitung umgedacht haben und die Sache am Ende anders sehen, als zu Beginn des Konfliktes.

Und natürlich ist jetzt nicht gleich alles so wie früher. Die Geschichte, die alle Beteiligten miteinander erlebt haben und die Verletzungen - alles wirkt nach. Verarbeiten braucht Zeit. Aber es lohnt sich!

Herzliche Einladung zur David- Tagung in Eisenach im November. Da geht es darum, was die Voraussetzungen dafür sind, dass Wunden heilen.

Gerne würde David später einmal mehr wissen, als Dokumentation und Erfahrungswissen, um den unseeligen " Ungedeihlichkeitsparagrafen" als "Rechtsnorm" anzugreifen und schließlich aus der Welt zu schaffen.

Viele herzliche Grüße vom Turmfalken


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RE: Der Fall Haak

#37 von azalee , 13.07.2015 13:58

Liebe Joringel und alle anderen,
"volle Rehabilitation " aller, die mit dem "Ungedeihlichkeitsparagrafen belegt wurden , die durch die zweifelhaften kirchlichen juristischen Mühlen gedreht wurden, die ausgegrenzt und als Unperson behandelt werden , sollte eine dringende FORDERUNG sein-
Ich warte immer noch auf eine Entschuldigung, die ich im letzten Herbst gegenüber einer Referentin für Dienst und Personaleinsatz forderte im LKA, dafür,auf welche Art und Weise mein Mann und ich behandelt wurden ( 2013) eine Entschuldigung dafür, wie Kirche sich uns gegenüber verhielt .
Wann tritt denn der §47 PfDG in Kraft .


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RE: Der Fall Haak

#38 von yathabhutan , 13.07.2015 22:22

Lieber Turmfalke,

gerne stelle ich das noch zusammen und zur Verfügung.
Es ist ein Ergebnis. Nach Feiern ist mir trotzdem nicht zumute.
Also zum Thema der Jahrestagung hätte ich einiges beizutragen.

Herzliche Grüße

yathabhutan  
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