heute ist Halloween - äh Reformationstag

#1 von turmfalke , 31.10.2014 11:09

Hallo liebe Leserinnen und liebe Leser!

Heute ist Halloween - äh - ich wollte sagen: Heute ist Reformationstag! Wir haben heute den 31.Oktober 2014. Es sind also noch genau drei Jahre bis 2017, bis zur großen 500-Jahrfeier der Reformation.

Ich beziehe seit kurzem die epd-Nachrichten, den Evangelischen Pressedienst. Darin fand ich folgende bemerkenswerte bischöfliche Einmütigkeit:

epd am 30.10.2014
Käßmann: Reformationstag soll regelmäßiger Feiertag werden
"Der Reformationstag sollte nach Ansicht der evangelischen Theologin Margot Käßmann ein regelmäßiger gesetzlicher Feiertag werden. Sie hoffe, dass nicht nur zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags durch Martin Luther (1483-1546) im Jahr 2017 der 31. Oktober ein solcher Feiertag wird. "Ich fände es schon richtig, wenn das nicht einmalig wäre", sagte die Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum im Interview der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung
" Von der Feier zum 500. Jahrestag der Reformation in Wittenberg erhoffe sie sich ein internationales Fest "im ökumenischen Horizont", sagte die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende. Trotz Luthers Papstkritik sei es heute vorstellbar, dass auch der Papst an so einem Fest teilnehme: "Alle sind herzlich eingeladen. ..."


Einen Tag vorher am 29.10.14 las ich ebenfalls bei epd ein Interview mit Altbischof Horst Hirschler (81). Er war seinerzeit als Landesbischof der Hannoverschen Landeskirche der Vorgänger von Dr. Margot Käßmann gewesen. Heute ist er der Abt des evangelischen Klosters Loccum:

Er sagt darin zu Halloween: Zitat epd "Damit das Grusel-Fest Halloween am gleichen Tag dem kirchlichen Fest nicht den Rang abläuft, sollten Eltern und Lehrer Kindern spannende Geschichten von Luther erzählen... Gegen den Halloween-Spuk zu wettern, bringe dagegen nichts.

Auf die Frage von epd: "Hat das Gruselfest dem evangelischen Feiertag schon den Rang abgelaufen? "
Hirschler: "Aus dem katholischen Irland stammt die alte Sitte, den Vorabend von Allerheiligen mit allerhand Verkleidungsjux und Leute-Erschrecken zu begehen. In den USA hat das großen Anklang gefunden. So ist es zu uns herübergeschwappt. Und da sich mit dem Verkauf von Gruselverkleidungen auch Geld verdienen lässt, wird es kräftig gepusht. Kinder und Jugendliche finden es toll, wenn sie sich verkleiden und noch mehr, wenn sie Erwachsene mit den grässlichen Masken erschrecken und selbst noch Süßigkeiten dafür ergattern können. Dagegen zu wettern, bringt nichts".

epd: "Wie können sich die Kirchen gegen Trends wie Halloween und eine schwindende Selbstverständlichkeit religiöser Traditionen stemmen?"
Hirschler: "Die Kinder verbinden ja kaum etwas mit dem Reformationstag. Wenn ihnen in Schule und Elternhaus spannende Storys nahegebracht würden vom jungen Luther, wie er schreckliche Angst vor dem Gewitter bei Stotternheim hatte und dachte, er müsse den furchtbaren Gott dadurch beruhigen, dass er ins Kloster geht und später gelernt hat, dass Gott ganz anders ist, ahnten sie vielleicht etwas vom Reformationstag."


Recht hat der Altbischof: "Gegen Halloween zu wettern bringt nichts!"

Deshalb bin ich auch dagegen, dass Halloween in Zukunft ein staatlicher Feiertag wird. Sonst geht uns das mit Halloween noch so wie mit dem Vatertag. Da soll es doch auch so ein paar unverbesserliche Christen geben, die am Vatertag unbedingt ein Fest namens "Christ Himmelfahrt" feiern wollen ;--) !

Euer Turmfalke

PS.: Wer wissen will, was es mit diesem Reformationstag wirklich auf sich hat, der sollte hier im David-Forum unter "Diskutieren und Plaudern" vom 20.10. den großen Aufsatz von Professorin Dr Gisela Kittel lesen zum Thema "Eine letzte Gewissheit" . Sehr zu empfehlen! Daraus hier schon mal eine Kostprobe:

Im Evangelium "handelt es sich um eine wunderbare Antwort, wunderbar für Menschen, die drohen, in der Tiefe der Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit zu versinken. Denn hier werden wir einmal in anderer Weise angesprochen. In dieser Antwort wird einmal nicht der Zeigefinger aufgehoben: „Du sollst!“ „Du musst!“ „Nimm dich zusammen!“ „Streng dich an!“ „Wenn ihr jetzt nicht alle eure Kräfte einsetzt, seid ihr verloren“ – Appelle, die die Verzweifelnden gewöhnlich nur noch hoffnungsloser und resignierter werden lassen. In dieser neuen Antwort heißt es schlicht: „Du darfst!“ „Du darfst dir etwas schenken lassen!“

„Du darfst das, was du im Urteil Gottes schon jetzt bist: ´ein um Christi willen bejahter und geliebter Mensch´, auch für dich selbst - und den anderen neben dir - für wahr und gültig halten.“

In der Sprache der Reformation gesagt: Wir dürfen - glauben! Und das heißt: Uns an diesem Urteil Gottes festhalten, uns darein stellen, darauf verlassen und darin fröhlich sein.

Wir dürfen dies gegen allen Augenschein, gegen alle Erfahrung, wie sehr auch alles, was wir sehen und empfinden, dagegen spricht. Wir dürfen die Wirklichkeit eines Wortes, Gottes Wortes, gegen alles setzen, was wir an Sünde und Verlorenheit in uns selbst und in dieser Welt zu sehen und zu spüren bekommen."

Noch einmal Turmfalke: Diese göttliche Botschaft kann uns Mobbing-Opfern neuen Mut geben!


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RE: heute ist Halloween - äh Reformationstag

#2 von Joringel , 31.10.2014 15:07

Ich befürchte, dass die Evangelische Kirche sich einerseits eine stärkere Verankerung in der Gesellschaft wünscht, andererseits immer mehr aus ihrem Blickfeld entschwindet. Dazu tragen die Stellenkürzungen bei den Theologen vor Ort erheblich bei. Mir ist eine höchst aktive, wachsende junge Gemeinde in einem neuen Wohnviertel bekannt, deren Pfarramt-Stelle um die Hälfte gekürzt wurde. Der Kirchenvorstand versuchte, diesen Prozess zu stoppen, doch erhielt er die Rückmeldung, dann müßten eben die Ehrenamtlichen mehr tun. Hier sind aber die Ehrenamtlichen schon sehr aktiv, sie fühle sich jetzt von der Kirche über den Tisch gezogen und haben die größte Lust, alles hinzuschmeißen.

Aber Hand auf's Herz. Auch für einen Nachwuchstheologen ist das nicht attraktiv. Begnügt er/sie sich mit der halben Stelle, ist immer die Gefahr der Selbstausbeutung gegeben. Die Ablehnung von Terminen vor der Gemeinde kann dazu führen, dass diese das als "wenig engagiert" auslegt. Aber in der Regel suchen sich die Betroffenen eine zusätzliche Stelle, handelt es sich um ein Paar, geht es schon um vier verschieden Stellen, die aufeinander abgestimmt werden müssen. Das scheint den kirchlichen Personalämtern aber total egal zu sein. Von Rücksichtnahme auf die familiäre Situation, auch mit der notwendigen Arbeitsplatzjonglage, hört man weniger.

Es wäre schön, auch einmal etwas aktiv Positives von der Kirche zu hören, zum Beispiel - wir nehmen syrische Flüchtlinge auf und betreuen besonders die christlichen Flüchtlinge oder ein alternatives Pflegeheim-Projekt für ärmere Menschen, wo die Menschenwürde im Mittelpunkt steht und nicht nach Minuten abgerechnet wird. Wie viele Menschen haben nicht schon Geld gespendet oder ihr Erbe hinterlassen in der Hoffnung, dass es ärmeren zu Gute kommt. Wird das überhaupt registriert und/oder kommuniziert oder geht das alles in einen Topf - in den Bauch der Landeskirchen?
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