Frage

#1 von Sunny , 18.07.2018 14:04

Hallo liebe David-Gemeinde

Ich wollte eigentlich abschließen - doch ich kann es nicht. Ich habe es so satt wie die Kirche, Dekan und Co. mit dem umgehen was mir widerfahren ist. Verdrehen, verleugnen, lügen. Das wiederbelebt meinen Kampfgeist.
Wie finde ich einen Anwalt der bereit ist mich gegen Kirche zu vertreten, und zwar mit vollem Elan?
Damals als ich hier zum ersten Mal schrieb bin ich davon ausgegangen, dass sich drei Anwälte über den Tisch haben ziehen lassen. Nun, wo der Opferanwalt ebenfalls völlig unnachvollziehbar gehandelt hat, bin ich mir fast sicher, dass die Anwälte sich nicht haben über den Tisch ziehen lassen, sondern jemand den Daumen drauf hatte.

Zumindest beim Opferanwalt bin ich mir nämlich sicher, dass er wirklich Charakter und Empathie für Opfer hat und das was er getan hat passt nicht zu ihm. Das wäre so ein Indiz für meine Theorie.

Ich kann nicht dulden, dass Opfer kirchlichen Handelns im Jahre 2018 dem machtlos gegenüberstehen. Gegen den Machtmissbrauch einzelner Kirchenvertreter muss was unternommen werden.

LG Sandra

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RE: Frage

#2 von turmfalke , 18.07.2018 22:33

Liebe Sunny!

Jeder, der Deine Geschichte gelesen hat, wird dich verstehen. Wie soll man abschließen und erlittenes Unrecht hinter sich lassen?

Aber ist ein neuer Gang zum Gericht wirklich der richtige Weg?

Du müsstest vorher sehr genau klären, was du eigentlich erreichen willst.

Soll es ein Arbeitsgerichstprozess werden, also z. B. eine Klage auf Wiedereinstellung unter annehmbaren Bedingungen oder auf Zahlung einer Entschädigung? Soll es ein Strafprozess werden, mit einer Klage wegen Verläumdung und Rufschädigung, oder gar Falschaussage vor Gericht oder so ähnlich? Dazu müsstest Du einen Staatsanwalt überzeugen, gegen deine Gegner zu ermitteln. Oder hast du im Sinn, über ein kirchliches Gericht oder ein Disziplinarverfahren die Ablösung der Kirchenleute zu erwirken, die dich geschädigt haben?

Ich habe einmal gegen meine Landeskirche geklagt und bin darüber sehr nüchtern geworden. Mir ist noch sehr genau im Ohr das Wort meines damaligen Rechtsanwaltes: " Recht haben ist das eine, Recht bekommen das andere."

Ein Rechtsanwalt könnte dir helfen, deine Motive und auch deine Chancen zu sortieren. Es müsste aber jemand sein, der einigermaßen räumlich bei dir in der Nähe arbeitet und der deine Landeskirche kennt. Das ist nicht so einfach. Vielleicht kann Dir deine Mitarbeitervertretung einen Anwalt nennen. Die Arbeit von Anwälten ist natürlich auch ein Markt. Nicht jeder wird bereit sein, dich zu vertreten. Und Du brauchst auch nicht gleich bei dem ersten besten zu unterschreiben.

Aber darüber hinaus gelten noch zwei Tatsachen:

Juristerei kostet Geld. Wenn Du in einem Zivilprozess gewinnst, übernimmt der Verlierer des Prozesses die Kosten. Wenn Du verlierst, musst du die Kosten selber tragen. Das kann in die Tausende gehen. Und nicht jede Rechtsschutzversicherung übernimmt immer alle möglichen Kosten. Das müsstest du also genau klären, bevor es ernst wird. Im Zweifel hilft dabei dein Rechtsanwalt. Der will ja an Dir verdienen.

Und dann: Einen Prozess zu führen, ist anstrengend. Es kostet alle Deine Kraft. Und du musst liefern. Der Rechtsanwalt kann in Deinen offiziellen Schreiben nur verwenden, was du ihm mitteilst. Wahrscheinlich musst du deine ganze schmerzhafte Geschichte noch einmal für den Rechtsanwalt aufschreiben und dabei glaubhaft machen. Am Besten mit Beweisen, die vor Gericht Bestand haben.

Also überleg dir genau, ob es Dir wirklich hilft, dich noch einmal so reinzuhängen, oder ob es nicht besser für dich wäre, zu versuchen Abstand zu gewinnen.

Viele Grüße!

Turmfalke


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#3 von Sunny , 19.07.2018 01:13

Hallo turmfalke

Puh! Kann gar nicht auf deine Antwort eingehen. Deine Worte erschlagen mich. Nicht weil es zu viel ist. Sondern weil du mit jedem Satz so recht hast und ich alles in meine Überlegungen miteinbeziehen muss. Wenn ich dann noch antworte, dann wird alles mega wir.

mein ziel wäre auf jeden fall nur eins: Die Beschuldigung als Lüge aufdecken. und ein schmerzensgeld von der kirche für meinen schmer . Der Pfarrer hat sich bereits für die zu unrecht getätigte Anschuldigung entschuldigt. Von der Leitung brauche ich das ansccheinend nicht erwarten..... dem pfarrer glaub ich aber nicht. er hat im klärenden gespräch gelogen. er meinte er wüsste von nichts und hätte die leitung nach dem Drohanruf lediglich geraten Anzeige gegen unbekannt zu machen... das kann nicht sein. Eine Ex-Kollegin und Zeugin der Situation sagte die Leitung hätte direkt nach dem anruf gesagt frau M. hat mich gerade telefonisch bedroht. Folgenddessen geht sie zum Pfarrer als Vorgesetzten und sagt im dasselbe. Dann sagt er - o.k. anzeige gegen Frau M. wenn sie angerufen hat. Dann kann die aufforderung anzeige gegen unbekannt zu erstatten gar nicht gefallen sein. das ist logisch und hoffentlich für euch nachvollziehbar.

ich möchte das der pfarrer konsequenzen tragen muss. dazu müsste aber die wahrheit raus. er beschmutzt den Ruf aller guten Pfarrer.

naja, ich werde überlegen...

gute nacht euch allen.

sunny

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#4 von Joringel , 20.07.2018 11:02

Liebe Sunny,

ich habe mir wirklich überlegt, ob ich Dir schreiben soll oder lieber nicht. Aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass wir ehrlich miteinander umgehen sollten und wenn ich jetzt ganz ehrlich zu Dir bin, gefällt Dir meine Reaktion vielleicht nicht.
Also ich finde, dass ein neuer Vorstoß ein Rückschritt wäre. Turmfalke hat schon viele sachliche Fragen gestellt, die man auf jeden Fall in Erwägung ziehen muss. Ich meine eher die persönliche Seite. Solche Aktivitäten sind wie das Aufreißen alter Wunden. Diese Wunden erinnern Dich immer und immer wieder an deprimierende Erfahrungen. Solche Erinnerungen befallen Deine Seele wie Mehltau und lähmen die Lebenskräfte in Dir.

Narben auf der Seele sind nicht nur schlecht. Sie können uns für das Leid anderer sensibilisieren. Sie eröffnen uns Handlungsmöglichkeiten, indem wir das Problem gemeinsam mit anderen angehen, siehe die Gründung von D.A.V.I.D.e.V. oder das Buche "Mobbing -zeige mir Deine Wunden", das von unserem Mitglied Christian Lundbeck als Verarbeitung seines Mobbingerlebens geschrieben wurde! Es zeigt, Betroffene können negative Erfahrungen in positive Schritte, Gedanken, Ziele umwandeln.
Ich empfehle Dir auch die Predigt von unserem Gründungsmitglied Dr. Karl Martin zu lesen, die auf unserer Homepage steht: http://www.david-gegen-mobbing.de/wp-con...tin-Predigt.pdf
Diese Predigt hat für mich eine zentrale Bedeutung. Hier wird eindringlich davor gewarnt, in dem Sumpf zu verharren, zurückzublicken bis man innerlich erstirbt. Gerade dieser Karl Martin, der Mobbing in schlimmer Form erlebt hat, sagte nach mehreren Monaten des Aufgebens seines alten Lebens: Es gibt auch ein Leben nach dem Mobbing!

Auch Du kannst ein Leben nach dem Mobbing finden. Ein Leben, dass Dich fesselt, Deine Energie und Deine Fantasie braucht. Heute weißt Du noch nicht, was die Zukunft Dir bringt. Aber wenn Du offen bist, werden Dir neue Begegnungen und Visionen entgegenkommen. Lass' Dir Zeit, aber gehe' trotzdem langsam vorwärts und sieh' nicht mehr hinter Dich!

So denkt Joringel.


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#5 von Panama , 20.07.2018 13:25

Sunny hat jetzt einige gute Grundsatzüberlegungen von Turmfalke erhalten. Sie braucht tatsächlich Zeit um sich alles durch den Kopf gehen zu lassen.
Jeder Mobbing-Fall ist einzigartig. Es kann daher keine allgemein gültige Regelung geben, wie der Einzelne "danach" damit umgeht. Es geht uns doch letztendlich allen um die Glaubwürdigkeit der Kirche, oder? Einige D.A.V.I.D.-Mitglieder aus dem Vorstand haben in der Verganheit viel zum Thema Mobbing gerade auch in kirchlichen Blättern, die in der ganzen EKD gelesen werden, geschrieben. Mal ganz ehrlich: Was hat es gebracht?
Panama

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#6 von Joringel , 21.07.2018 08:46

Hallo, Panama, ich meine es ist doch nichts dagegen einzuwenden, wenn mehrere Aspekte beleuchtet werden. Ich wollte den Aspekt beleuchten, was macht es aus einem Menschen, wenn er sich nicht vom Mobbinggeschehen distanzieren kann und zerstört wird. Dieses Geschehen ist wie ein Malstrom, der immer weiter in die Tiefe zieht. Aber wenn man ganz unten auf dem Grund angekommen ist, kann man wegtauchen, mit letzter Kraft Licht und Luft wieder erreichen und sagen: "Das Leben ist schön." Oder um es pathetisch zu sagen: Man kann das Licht erst würdigen, wenn man die Dunkelheit kennengelernt hat.
Es grüßt alle - und besonders Sunny - die Person, um die es eigentlich geht,

Joringel


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#7 von Panama , 21.07.2018 12:59

Vielen Dank, Joringel, für deinen Hinweis auf die Predigt von Pfr. Dr. Karl Martin, die ich natürlich schon längst kenne.
Ich schlage vor: Der Verein / Vorstand schickt mit einem adäquaten Schreiben diese Predigt an alle Bischöfe / Bischöfinnen der EKD, alle Synodalpräsidenten /Präsidentinnen, alle Vorsitzende der Pfarrervertretungen und Pfarrvereine der EKD und an sonstige andere Personen, die in Frage kämen (kirchliche Publikationen in den einzelnen Landeskirchen, z.B.).
Das Thema muss mehr an die Öffentlichkeit und nicht nur im Kreis der Betroffenen diskutiert werden. Es wird nämlich fröhlich weiter gemobbt bzw. weggeschaut...
Der Anlass ist gegeben: 5 Jahre Forum.
Auf jedem Fall muss allmählich wieder etwas Konkretes geschehen. Allerdings weiß ich auch, dass alles für den Vorstand mühsam und anstrengend ist.
Eine andere Idee habe ich nicht.
Gruß von Panama

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#8 von Sunny , 21.07.2018 22:20

Wie immer bedanke ich mich für eure lieben und stärkenden Worte. Auch für die Impulse.
Was mir gerade mehr weh tut als mein Fall...bzw. steht es im Zusammenhang mit meinem Fall aber ist Allgemeiner. Dass sich dieser Machtmissbrauch auf allen Ebenen so durchsetzen kann in dieser Institution. Wir leben in einer so kalten und auch bösen Welt. Es gibt so viele Kriege und leid. In nicht mal in dieser Institution ist es möglich das Böse fernzuhalten und Christen ehrlich, verlässlich und aufrichtig zu ermöglichen das zu finden wonach sie suchen. Und eben die guten und ehrlichen Pastoren nicht zu schaden. Sie sind auch Leidtragende ihrer schlechten Kollegen. Ich werde mir alles durch den Kopf gehen lassen undnkämpfe weiterhin am Loslassen. Eine Befriedigung für mich wäre es auch mein Erlebtes nich einmal anonymisiert in einer David Zeitschrift (sofern) es das gibt zu veröffentlichen.


sunny
LG Sandra

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#9 von Joringel , 22.07.2018 08:30

Liebe Sunny,
sicherlich gibt es viele Menschen, die ähnlich empfinden wie Du. Ich möchte Dir Mut machen, mit dem persönlichen Glaubensbekenntnis, das Dietrich Bonhoeffer 1934 niedergeschrieben hat:

Bonhoeffers Glaubensbekenntnis von 1934
Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage
so viel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst
vor der Zukunft überwunden sein.
Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten wartet und antwortet. Amen!


Es grüßt Joringel


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