Weihnachtsrätsel: Wer kennt dieses alte Gedicht ?

#1 von turmfalke , 23.12.2017 22:48

Ein altes Gedicht zu Weihnachten für euch in moderne Sprache gefasst:


1) Die alte Geschichte von der Geburt Jesu ist mir so eindrücklich erzählt worden, dass ich mitten drin bin. Ich erlebe alles so wie einer, der ganz nahe dabei ist: Da liegt das neugeborene Kind im Stall in der Krippe und ich darf es anschauen: Jesus, Du Sohn Gottes, Mensch bei uns Menschen, unser Leben!

Ich möchte Dir gerne etwas schenken. Das Wertvollste, das ich habe, soll Dir gehören. Aber alles, was ich Dir schenken könnte, habe ich doch schon von Dir geschenkt bekommen: Mein ganzes Leben, meinen Verstand, meine Gefühle, meinen Lebensmut. Alles das schenke ich Dir: Nimm mich selbst - als mein Geschenk an Dich.

2) Du warst schon da vor aller Zeit. Du hast mich geschaffen. Mein Leben war deine eigene göttliche Idee. Du wusstest schon von mir, ehe ich geboren wurde. Ganz von Anfang an hattest Du schon beschlossen, dass Du Dich einmal an mich verschenken würdest.

3) Ich habe schon schlimme Zeiten durchgemacht. Mein Leben war dunkel wie die Nacht. Ich fühlte mich verlassen, so wie im Tod.

Aber nun kann ich Dich sehen, wie Du in der Krippe liegst. Du bist da, hell strahlend wie die Sonne. Du hast wieder Licht in mein Leben gebracht. Ich darf Dir vertrauen. Ich kann an Dich glauben. Du bist Lichtglanz in meinem Leben.

4) Ich muss Dich immerzu ansehen und kann nicht genug davon bekommen! Ich will nur dies: Stehen bleiben und staunen! Mein Verstand kann Dich nicht fassen. Ich wünschte, meine Seele wäre tief und weit wie das Meer, damit die Freude an Dir in mir genug Raum hätte.

5) Wie oft muss ich weinen und kann keinen Trost finden. Aber dann bist Du da und rufst mir zu: "Ich bin Dein Freund. Ich nehme Dir ab, was Dich von Gott trennt. Warum bist du so traurig, mein Bruder? Du kannst beruhigt sein: Ich zahle, was Gott von Dir fordern könnte."

6) So ein liebes Kind soll nicht in einer Futterkrippe liegen! Die Kinder von großen Herrn haben doch goldene Kinderbetten. Ein Lager aus Heu und Stroh ist viel zu schlecht für Dich! Sie sollten Dich in ein weiches Bett legen aus Samt und Seide und Purpur.

7) Nehmt doch das Stroh und das Heu weg! Ich will für Dein Bettchen Blumen aus dem Garten holen: Veilchen, Rosen und Nelken. Das Bett meines Heilands soll duften von feinen Gewürzen.

8) Du suchst in dieser Welt nicht das lustige Leben. Du bist nicht vor allem darauf aus, Spaß zu haben. Du bist zu uns gekommen, um
zu leiden, was wir sonst erleiden müssten. Du möchtest, dass es meiner Seele gut geht. Dafür nimmst Du für Dich selber Elend und Armut in Kauf. Das kann ich kaum verstehen - und ich kann Dich nicht daran hindern.

9) Eine Bitte hab ich aber. Ich hoffe, die wirst Du mir nicht abschlagen: Ich wünsche mir, dass Du alle Zeit bei mir und in meinem Herzen bist. Ich stehe hier an Deiner Krippe und bete Dich an. Am liebsten möchte ich aber selber die Krippe sein. Komm, komm - und lege Dich hinein. Das wäre meine größte Freude!


Wer hat dieses berühmte Weihnachtsgedicht vor jetzt genau 365 Jahren geschrieben und wo kann man es im gereimten Original nachlesen?

Ich wünsche euch beim Knobeln ein Gesegnetes Weihnachtsfest!

Euer Turmfalke


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RE: Weihnachtsrätsel: Wer kennt dieses alte Gedicht ?

#2 von Achim , 24.12.2017 13:37

Oh je, das ist ja ne wirklich harte Nuss. Ob ich das über Weihnachten noch schaffe?

Euer

rätselnder Achim


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RE: Weihnachtsrätsel: Wer kennt dieses alte Gedicht ?

#3 von Achim , 26.12.2017 20:01

Lieber Turmfalke, liebe Freunde,

habe es über Weihnachten nicht geschafft, Turmfalkes Rätsel zu knacken. Kann mich nur mit folgendem, gar nicht sehr christlichen Adventsgedicht, revanchieren:

Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken,
Schneeflöcklein leis herniedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
läuft sich ein kleiner weißer Zipfel.
Und dort vom Fenster her durchbricht
den dunklen Tann ein warmes Licht.
Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer
die Försterin im Herrenzimmer.
In dieser wunderschönen Nacht
hat sie den Förster umgebracht.
Er war ihr bei des Heimes Pflege
seit langer Zeit schon sehr im Wege.
So kam sie mit sich überein:
am Niklasabend muß es sein.
Und als das Rehlein ging zur Ruh‘,
das Häslein tat die Augen zu,
erlegte sie direkt von vorn
den Gatten über Kimm und Korn.
Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase
zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase
und ruhet weiter süß im Dunkeln,
derweil die Sternlein traulich funkeln.
Und in der guten Stube drinnen
da läuft des Försters Blut von hinnen.
Nun muß die Försterin sich eilen,
den Gatten sauber zu zerteilen.
Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen
nach Waidmanns Sitte aufgebrochen.
Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied
(was der Gemahl bisher vermied) -,
behält ein Teil Filet zurück
als festtägliches Bratenstück
und packt zum Schluß, es geht auf vier,
die Reste in Geschenkpapier.
Da tönt’s von fern wie Silberschellen,
im Dorfe hört man Hunde bellen.
Wer ist’s, der in so tiefer Nacht
im Schnee noch seine Runde macht?
Knecht Ruprecht kommt mit goldnem Schlitten
auf einem Hirsch herangeritten!
He, gute Frau, habt ihr noch Sachen,
die armen Menschen Freude machen?
Des Försters Haus ist tiefverschneit,
doch seine Frau steht schon bereit:
Die sechs Pakete, heil’ger Mann,
’s ist alles, was ich geben kann.
Die Silberschellen klingen leise,
Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.
Im Försterhaus die Kerze brennt,
ein Sternlein blinkt – es ist Advent.

Ich gebe noch einen Hinweis. Des Autors Name beginnt mit L und endet mit einem T.

Euer

Achim


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RE: Weihnachtsrätsel: Wer kennt dieses alte Gedicht ?

#4 von turmfalke , 27.12.2017 15:25

Oh pfui, Achim!

Hast du zu Weihnachten nichts Besseres zu tun, als uns so ein schreckliches Gedicht von Loriot wieder in Erinnerung zu bringen?

Ich habe in meinem PC eine Sammlung unter dem Titel little pieces und dann Couriositäten. Da werde ich dein Gedicht gleich abspeichern. Da habe ich es immert zur Verfügung, wenn ich mal etwas Schlimmes brauche, um Leute zu erschrecken.

Nein! Mein Gedicht stammt aus einer anderen Kategorie.

Ein kleiner Tipp: Man kann das Original auch singen und findet dazu bei you tube bestimmt 10 verschiedene wunderbare Aufnahmen.

Wer es weiß, kann mir ja eine PM schreiben.

Die Auflösung gibt es im neuen Jahr.

Schöne Grüße!

Turmfalke


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RE: Weihnachtsrätsel: Wer kennt dieses alte Gedicht ?

#5 von turmfalke , 02.01.2018 14:08

Liebe Forumsgemeinde!

Ich grüße alle Leserinnen und Leser zum neuen Jahr 2018!

Wir sind alle gespannt, was das Jahr bringen wird für jeden Einzelnen von uns und für D.A.V.I.D. als Verein. Eine Antwort können wir leider nicht geben.

Mir hilft es manchmal, wenn ich mich in alte Texte vertiefe, die die Christenheit uns überliefert hat - übrigens auch gegen die Mitwirkung von kirchlicher Obrigkeit.

So hat es auch der Autor des Gedichtes erlebt, das ich als Weihnachtsrätsel in moderne Sprache übersetzt habe.

Eine PM dazu habe ich nur von Achim bekommen. Er tippte darauf, dass der Autor des Liedes Paul Gerhardt (1607 - 1676) sein müsste. Recht hat er!

Man kann die gereimte Weihnachtspredigt von Paul Gerhardt in 9 Versen auch singen als Lied. Wer mehr wissen will: Hier ist die Auflösung:

Aus dem Evangelischen Gesangbuch (EG)
Nr. 37, 1 - 9 Ich steh an deiner Krippen hier

zu 1 ) Die Geschichte von der Geburt Jesu ist mir so eindrücklich erzählt worden, dass ich mitten drin bin. Ich erlebe alles so wie einer, der ganz nahe dabei ist: Da liegt das neugeborene Kind im Stall in der Krippe und ich darf es anschauen: Jesus, Du Sohn Gottes, Mensch bei uns Menschen, unser Leben!

Ich möchte Dir gerne etwas schenken. Das Wertvollste, das ich habe, soll Dir gehören. Aber alles, was ich Dir schenken könnte, habe ich doch schon von Dir geschenkt bekommen: Mein ganzes Leben, meinen Verstand, meine Gefühle, meinen Lebensmut. Alles das schenke ich Dir: Nimm mich selbst - als mein Geschenk an Dich.

Vers 1) Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu du mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und lass dir´s wohlgefallen.

zu 2) Du warst schon da vor aller Zeit. Du hast mich geschaffen. Mein Leben war deine eigene göttliche Idee. Du wusstest schon von mir, ehe ich geboren wurde. Ganz von Anfang an hattest Du schon beschlossen, dass Du Dich einmal an mich verschenken würdest.

Vers 2) Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren
und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht,
wie du mein wolltest werden.

zu 3) Ich habe schon schlimme Zeiten durchgemacht. Mein Leben war dunkel wie die Nacht. Ich fühlte mich verlassen - so wie im Tod.

Aber nun kann ich dich sehen, wie Du in der Krippe liegst. Du bist da, hell strahlend wie die Sonne. Du hast wieder Licht in mein Leben gebracht. Ich darf Dir vertrauen. Ich kann an Dich glauben. Du bist Lichtglanz in meinem Leben.

Vers 3) Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne.
O, Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht`,
wie schön sind deine Strahlen!

zu 4) Ich muss Dich immerzu ansehen und kann nicht genug davon bekommen! Ich will nur dies: Stehen bleiben und staunen! Mein Verstand kann Dich nicht fassen. Ich wünschte, meine Seele wäre tief und weit wie das Meer, damit die Freude an Dir in mir genügend Raum hätte.

Vers 4) Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen.
O, dass mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen!

zu 5) Wie oft muss ich weinen und kann keinen Trost finden. Aber dann bist Du da und rufst mir zu: "Ich bin Dein Freund. Ich nehme Dir ab, was Dich von Gott trennt. Warum bist du so traurig, mein Bruder? Du kannst beruhigt sein: Ich zahle, was Gott von Dir fordern könnte."

Vers 5) Wann oft mein Herz im Leibe weint und keinen Trost kann finden, rufst du mir zu "Ich bin dein Freund, ein Tilger deiner Sünden. Was trauerst du, o Bruder mein? Du sollst ja guter Dinge sein, ich zahle deine Schulden."

zu 6) So ein liebes Kind soll nicht in einer Futterkrippe liegen! Die Kinder von großen Herrn haben doch goldene Kinderbetten. Ein Lager aus Heu und Stroh ist viel zu schlecht für Dich! Sie sollten Dich in ein weiches Bett legen aus Samt und Seide und Purpur.

Vers 6) O, daß doch so ein lieber Stern soll in der Krippen liegen! Für edle Kinder großer Herrn gehören güldne Wiegen. Ach, Heu und Stroh ist viel zu schlecht, Samt, Seide, Purpur wären recht, dies Kindlein drauf zu legen.

zu 7) Nehmt doch das Stroh und das Heu weg! Ich will für Dein Bettchen Blumen aus dem Garten holen: Veilchen, Rosen und Nelken. Das Bett meines Heilands soll duften von feinen Gewürzen.

Vers 7) Nehmt weg das Stroh, nehmt weg das Heu, ich will mir Blumen holen, daß meines Heilands Lager sei auf lieblichen Violen; mit Rosen, Nelken, Rosmarien aus schönen Gärten will ich ihn von oben her bestreuen.

zu 8) Du suchst in dieser Welt nicht das lustige Leben. Du bist nicht vor allem darauf aus, Spaß zu haben. Du bist zu uns gekommen, um zu leiden, was wir sonst erleiden müssten. Du möchtest, dass es meiner Seele gut geht. Dafür nimmst Du für Dich selber Elend und Armut in Kauf. Das kann ich kaum verstehen - und ich kann Dich nicht daran hindern.

Vers 8) Du fragest nicht nach Lust der Welt noch nach des Leibes Freuden; du hast dich bei uns eingestellt, an unserer Statt zu leiden, suchst meiner Seele Herrlichkeit durch Elend und Armseligkeit; das will ich dir nicht wehren.

zu 9) Eine Bitte hab ich aber. Ich hoffe, die wirst Du mir nicht abschlagen: Ich wünsche mir, dass Du alle Zeit bei mir und in meinem Herzen bist. Ich stehe hier an Deiner Krippe und bete Dich an. Am liebsten möchte ich aber selber die Krippe sein. Komm, komm - und lege Dich hinein. Das wäre meine größte Freude!

Vers 9) Eins aber, hoff ich wirst du mir, mein Heiland, nicht versagen: daß ich dich möge für und für in, bei und an mir tragen. So laß mich doch dein Kripplein sein; komm, komm und lege bei mir ein dich und all deine Freuden.

T: Paul Gerhardt, 1653, M: Johann Sebastian Bach, 1736

Übertragung in eine verständliche deutsche Sprache des 21. Jahrhunderts: Turmfalke


Also nochmal Schöne Grüße! Euer Turmfalke


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RE: Weihnachtsrätsel: Wer kennt dieses alte Gedicht ?

#6 von Robin , 03.01.2018 18:11

Lieber Turmfalke, lieber Achim!
In den Weihnachtstagen pflege ich keine Rätsel zu lesen. So habe ich erst heute Euren Gedankenaustausch gesehen. Natürlich war Rätsel 1 die Umschreibung des schönsten Weihnachtsliedes in unseren Gesangbüchern. Es wird jeden Weihnachten, entweder zu Heilig Abend oder am 1. Weihnachtstag, gesungen. Und ich möchte diese alte Textfassung nicht gegen Deine Umschreibungen eintauschen, lieber Turmfalke.
Doch der Text von Loriot (diese Herkunft hätte ich nicht gewusst und L. auch nicht zugetraut) ist nur widerlich. Macht es Spaß, die leisen und zu Herzen gehenden Stimmungen und Töne des Weihnachtsfestes so zu verhunzen? Also: Böller, Geschrei, Leuchtreklamen, Hassgesänge etc. - das darf bleiben. Alles andere wird karikiert und in die Mistgrube gekippt. Armes Europa.
Robin


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RE: Weihnachtsrätsel: Wer kennt dieses alte Gedicht ?

#7 von turmfalke , 06.01.2018 13:44

Lieber Robin!

Danke für Deine Stellungnahme!

Natürlich war und ist es nicht meine Absicht, die unnachahmlich kunstvollen Worte von Paul Gerhardt durch meine in Prosa und eher sachlich gehaltene Umschreibung des Gedichtes zu ersetzen. Wir müssen aber leider feststellen, dass die 350 Jahre alte Sprache von Paul Gerhardt für die Meisten unserer heutigen Zeitgenossen nicht mehr zugänglich ist. Dazu kommt der Umfang des Gedichtes von langen 9 Versen. In einem Gottesdienst werden auch immer nur die Verse 1 - 4 und vielleicht noch Vers 9 gesungen. Zu mehr reicht der kurze Atem der Leute meistens nicht aus. Ich habe meine "Übersetzung" nur hergestellt und auch öffentlich verwendet, um auf das schöne alte Lied hinzuweisen und um heute einen leichteren Zugang dafür zu schaffen. Gesungen werden muss dann natürlich der alte Text von Paul Gerhardt selber.

Was das Gedicht von Viko von Bülow, alias Loriot angeht teile ich deine Meinung.

Ich kann mir allerdings vorstellen, das der kultivierte alte Herr von Bülow, der aus einer preußischen Adelsfamilie stammt, mehrgleisig gelebt hat und zu Weihnachten in der Kirche durchaus auch das Lied " Ich steh an Deiner Krippen hier" andächtig mitgesungen hat.

Bei mir kommt sogar der Verdacht auf, dass der Satiriker sein Gedicht von des Försters Weib und sein ganzes berühmtes satierisches Werk mit einem merkwürdigen Hintersinn geschrieben hat: Er nimmt damit gerade die Oberflächlichkeit der Leute aufs Korn, die du so sehr beklagst. Sein Gedicht wäre dann sozusagen die wohlüberlegte Karikatur einer unfreiwilligen Karikatur des Weihnachtsfestes, die die Leute sich unbewußt leisten mit ihren entchristlichten, moralistisch überfrachteten oder heute gänzlich konsumorientierten Festbräuchen.

Wenn Loriot eine seiner Figuren sagen läßt: "Männer und Frauen passen nicht zueinander", dann heißt das ja nicht, dass Loriot selber dieser Meinung gewesen wäre. Er hatte vermutlich als Mann ein ganz entspanntes Verhältnis zu Frauen. Er möchte aber die starre Haltung von Menschen beider Geschlechter aufs Korn nehmen, die immer wieder zu neuen Konflikten im Zusammenleben führt, so wie er es beobachtet.

Aber du hast Recht: Eine direkte Konfrontation der Gedichte von Paul Gerhardt und von Loriot überfachtet unser armes Forum ein bißchen.

Viele Grüße! Dein Turmfalke


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RE: Weihnachtsrätsel: Wer kennt dieses alte Gedicht ?

#8 von Achim , 08.01.2018 15:27

Oh je, lieber Robin, lieber Turmfalke und all`Ihr anderen Freunde,

was habe ich da nur angerichtet. Asche auf mein Haupt! Als ich fleißig gegoogelt hatte, um Turmfalkes Weihnachtsrätsel zu knacken, bin ich zufällig auf Loriots Gedicht gestoßen, das ich für eine gelungene Parodie gehalten habe, insbesondere deshalb, weil es eingangs als "normales" und romantisches Adventsgedicht daher kommt, um dann den unvorbereiteten Leser mit den geschilderten Grausamkeiten zu überraschen und das alles unter konsequenter Beibehaltung seiner "romantischen Diktion".

Pardon, ich wollte niemanden verletzen.

Euer

Achim


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