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Wort der LB I. Junkermann an die Gemeinden

#1 von azalee , 29.08.2015 13:26

Hier nun das neueste Wort der EKM Bischöfin Junkermann:
Bitte lest es euch in Ruhe durch , Ein wirklich gutes Bischöfinwort.!!, wenn da nicht MEINE Erfahrungen wären....


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2015-08-28 Wort an die Gemeinden.doc
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RE: Wort der LB I. Junkermann an die Gemeinden

#2 von turmfalke , 29.08.2015 20:00

Liebe Azalee!

Danke dafür, dass du diesen Text ins Forum eingestellt hast. Unser Landesbischof Meister von der Hannoverschen Landeskirche hat ein ähnliches Hirtenwort veröffentlicht. Es soll morgen von den Kanzeln verlesen werden. Gut so! Auch richtig, dass du den Text "umgewidmet" hast als offenen Brief an die Direktion der Neinstedter Anstalten. Ich fürchte nur, das wird so nicht verstanden werden. Nach allem, was wir im Forum lesen und was nun auch Arko uns so präzise und detailreich beschrieben hat, glaube ich nicht, dass die Herrschaften irgendein Unrechtsbewußtsein haben. Man glaubt vielleicht tatsächlich, im Recht zu sein und zum Wohle der Einrichtung zu handeln. Wie kann das sein !? Die Psyche macht es möglich. Die meisten lügen werden ja auch nicht "gelogen", sondern sie passieren Menschen, die den Blick für die Wahrheit verloren haben. Morgen wird in allen Kirchen das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter gepredigt werden. Ich bin dabei sehr nüchtern geworden. Apelle nützen nichts !!! Man sollte deshalb die Geschichte von Maria und Martha dazu nehmen, die in Lukas 10 unmittelbar auf das bekannte Gleichnis folgt. Wenn Menschen erst wieder lernen, wie Maria zu Jesu füßen zu sitzen und auf ihn zu hören, dann wird er vielleicht auch die Herzen öffenen, um sein Gebot der Liebe umzusetzen.

Eine herzlicher Sonntagsgruß an alle!

Euer turmfalke


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RE: Wort der LB I. Junkermann an die Gemeinden

#3 von Joringel , 02.09.2015 11:14

Liebe Azalee,

auch ich möchte mich für die Veröffentlichung des Wortes der Landesbischöfin Junkermann bedanken und fühle mich auch angesprochen. Ich habe im Laufe meines Lebens viel Kontakt mit Opfern des Nazieregimes gehabt. Ich habe aber auch Freunde, die aus dem Osten vertrieben wurden und zum Teil ihre Geschichte selbst aufgeschrieben oder mir erzählt haben. Diese Berichte sind in mir präsent und beschäftigen mich innerlich. Z.B. wieviel Ansprüche wir doch an das Leben haben. (Ich nehme mich davon nicht aus) und wie viel existentielle Not den meisten von uns erspart geblieben ist, auch wenn unser Leben als Kinder in der Nachkriegszeit sehr bescheiden war. Ein Freund schilderte mir, wie er als vierjähriger Bub auf der Flucht mit seiner Mutter und den Geschwistern in der Tschechei landete. Die Mutter ernährte die Kinder durch Weißnähen. Doch sie wurde lebensbedrohlich krank und die Kinder hungerten. Der kleine Junge hatte beobachtet, dass ein amerikanischer Soldat immer außerhalb seines Büros im Freien speiste. Mein Freund stellte sich neben ihn und sah in unverwandt an, sagte aber kein einziges Wort. Zum Schluss bekam er immer einen kleinen Rest. Das wiederholte sich jeden Tag, bis die Mutter wieder gesund war. Im übrigen waren die vier Kinder vollkommen hilflos gewesen, als die Mutter erkrankte. Der älteren Schwester gelang es, einen der amerikanischen Soldaten in die Unterkunft zu lotsen. Dieser veranlasste einen Transport in ein Hospital und sie kehrte glücklicherweise gesund gepflegt zurück. Was wäre aus den Kindern ohne die Mutter geworden? Was aus meinem Freund ohne die tägliche Ration Nahrung aus der Hand eines Soldaten?

Insbesondere denke ich an einen Bericht von Germain Shafran in ihrem Buch "Never say die!" Was soviel heißt wie "Gib niemals auf!" Zur Zeit der Naziherrschaft gab es am Fuße der Pyrenäen das lager "Gurs" mit unvorstellbar schlechten Bedingungen. (Die Fernsehberichte der Flüchtlingslager erinnern mich daran). Germaine war dort auch interniert und hatte furchtbaren Hunger. Ein Mithäftling, eine französische Frau aus der Umgebung, hatte das Glück aus dem Lager entlassen zu werden. Sie hatte ein kleines Landgut und gab Germaine ihre Adresse und lud sie ein, zu ihr zum Essen zu kommen. Sie wollte ihr etwas Gutes kochen. Häftlingen war es natürlich verboten, das Lager zu verlassen. Unter Lebensgefahr und mit der Unterstützung anderer Frauen konnte Germaine trotzdem unbemerkt verschwinden. Völlig geschwächt wanderte sie kilometerweit in der freudigen Erwartung sich satt essen zu können. Als sie endlich unter all diesen Gefahr das Haus erreichte, war niemand da. Noch hungriger und geschwächter als zuvor musste sie den weiten Weg zurück machen. Diese Germaine las in unserer Stadt hochbetagt aus ihrem Buch vor. Zum Schluss richtete sie einen leidenschaftlichen Appell an uns alle. (Das Publikum war überwiegend älter). Sie sagte: "Jeder Mensch kann einem anderen helfen. Auch, wenn man alt ist, kann man einem anderen Menschen helfen, der schon bettlägerig ist oder Kindern bei den Hausaufgaben helfen oder anderes mehr. Machen Sie die Welt ein Stück menschlicher!"
Sie gab Flüchtlingskindern Deutschunterricht.


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RE: Wort der LB I. Junkermann an die Gemeinden

#4 von azalee , 03.09.2015 15:56

Liebe Joringel,
Du schilderst anschauliche Beispiele für menschliches Handeln in notvollen Zeiten. Wer diese Menschlichkeit in seiner Not erfahren hat, wird sich immer daran erinnern mit (vielleicht ) Dankbarkeit und ihm wird es wiederum nicht so schwer fallen, auch zu helfen.
Bischöfin Junkermann findet tatsächlich - so meine ich - gute Worte ausgehend vom Wochenspruch:J"esus sagt: Was ihr getan habt einem von diesen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan"..Mt 25,40 ..dem Verfolgten Schutz gewähren,..... dem Notleidenden helfen, ,,,,Mitmenschlch handeln,.... für Menschlichkeit einstehen, ....wo immer die Menschenwürde bedroht ist: Sagen wir NEIN. Sie wendet sich im Hinblick auf Flüchtlinge an Gemeindeglieder.Auch gut. Ihr dürfte auch nicht verborgen geblieben sein, wie es innerhalb der Kirche zugeht. In welch furchtbare Bedrängnis werden da Leute gebracht , da ducken sich die Kollegen weg aus Angst, sie könnte das gleiche Schicksal ereilen. Oh ja, Jesus stellt sich auf die Seite der Schutzsuchenden. Würde viel Menschlichkeit und Ehrlichkeit herrschen, hätte sich DAVID nicht gründen müssen vor vielen Jahren . " Ich bin wie ein zerbrochenes Gefäss geworden ".. als Thema der nächsten David - Tagung spricht für sich.


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