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ARD alpha:Ärger mit dem neuen Einzug der Kirchensteuer

#1 von WGM , 04.09.2014 09:28

04.08.2014, 12.05 Uhr in ARD alpha DAS TAGESGESPRÄCH:
"Ärger mit dem neuen Einzug der Kirchensteuer -
Würden sie deshalb austreten?"

Dieser Tage kam ein Bericht darüber, daß genau das passiert: massenhaft erhöhter Austritt.
Die Kirche sagt, die Banken sind Schuld. Die Banken haben ihre Kunden wegen des veränderten Einzuges angeschrieben und sich so unverständlich ausgedrückt, daß die Kunden denken, es geht um eine Erhöhung der Kirchensteuer. Der Bericht zeigte diese Sätze auch und sie sind schwer zu verstehen.

In einem Fall hat eine Bank ihren Kunden geraten, auszutreten. Das sei am sichersten,
um einer höheren Zahlung zu entgehen.
Entweder haben die Banker es selber nicht verstanden oder war es Absicht von jemandem, der
noch eine Rechnung mit der Kirche offen hat oder sie grundsätzlich nicht will?

Klar ist, wenn die Austritte so weitergehen, daß sich damit auch das Mobbing in der Kirche steigert.
Weniger Geld, mehr Verdrängung und Ausgrenzung. Die, die an den Hebeln sitzen, werden sich weiterhin erstmal selber sichern, ehe sie an die Basis denken. Die Gefahr bleibt also weiterhin groß.

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RE: ARD alpha:Ärger mit dem neuen Einzug der Kirchensteuer

#2 von Wespe , 05.09.2014 13:10

Nee, die Kapitalertragssteuer ist es nicht, die so offensichtliche Austritte verursacht. Sie ist der Anstoß, aber nicht die Ursache!

1. musste man schon immer diese Steuer bezahlen, vorausgesetzt, man hat sein "Kapital" bei der Lohnsteuererklärung "freiwillig" angegeben. Auf Wunsch der Kirchen sind nun die Banken angehalten, diese Freiwilligkeit zu ersetzen und die entsprechenden Daten "dem Staat" zuliefern. So werden sie bei der Lohnsteuer "automatisch" mit einbezogen.

2. kann man sich nur wundern über die Realitätsferne der Finanzreferenten und aller kirchenleitenden Personen, die das beschlossen haben und jetzt "die Banken" für das Aufwachen so vieler Kirchenmitglieder verantwortlich machen. Absurd.

3. hätten sie sich ihre Mitglieder einmal genauer angesehen, hätten sie entdecken müssen, dass der überwiegende Anteil gar nicht unter die Kapitalertragssteuer fällt. Diese Feststellung wurde laut verschiedener Medien-Recherchen schon im Vorfeld der Entscheidung von engagierten Mitgliedern zur Warnung vor diesem Vorhaben geäußert.
Treten also Mitglieder aus allen Schichten, wohlhabend und nicht wohlhabend aus, dürfte das finanzielle Ergebnis mickrig sein, ganz zu schweigen von der Summe der "kleineren" Beträge aus der üblichen Lohnsteuer der Ausgetretenen, die nun auch wegfällt.
Die ehrliche Bilanz dieses realitätsfernen Schrittes beider Kirchen, die würde mich nun wirklich interessieren. Aber ich fürchte, dass auch die zu beschämend ausfällt, als dass sie in die Öffentlichkeit (Transparenz) gegeben würde.

So ist die Ursache selbst gemacht und muss auch von den Kirchen selbst verantwortet werden. Da nützt kein Verschiebespielchen.
Es ist die jahre- oder jahrzehntelange Bindungslosigkeit an eine der christlichen Kirchen. Auch die Landeskirchen, die nicht unter Geldknappheit leiden, haben einen rigiden Sparkurs gefahren, der vor allem Personal an der Basis eingespart hat und es noch tut. Die sogenannten Reformen gingen und gehen nach wie vor auf Kosten von Gemeinden. Statt möglichst viel Nähe herzustellen, haben verwaltungstechnische Konzepte gesiegt. Und dort wo eine gewisse gesellschaftlich intakte Struktur christliche Bindungen ermöglicht hat und so auch aufrecht gehalten wurden, kam die "Keule von oben" und hat diese auf spektakuläre Weise zerstört. Manker-Temnitztal (EKBO) und Burgholzhausen (EKHN) seien hier stellvertretend für viele genannt. Diese Beispiele haben einen immensen Imageschaden hinterlassen. Warum also sollte man einer solchen Kirche angehören? Einer Kirche, die im Ernstfall ihrer selbst verkündeten Lehre nicht folgt?

Es ist traurig, aber die Realität, die bei dieser Austrittswelle klar zum Vorschein kommt.
Und im Übrigen denke ich, dass sich das Thema Mobbing über längere Sicht von selber lösen wird, weil ja auch der Pfarrer/innen- Nachwuchs schon über viele Jahre immens eingebrochen ist. Auch das gehört zur Realität, der sich die Kirchenleitungen nicht stellen wollen.

Summa summarum: Mir machen nicht die Austritte Sorge, mir setzt der personelle Zustand unserer evangelischen Landeskirchen zu. Auch wenn es an der Basis immer wieder Lichtblicke gibt. Nur: Wie lange können diese ihre gute Arbeit ungestört machen? Wenn es irgend jemandem nicht gefällt...?

Deprimierend,
Sabine

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