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Das Abendmahl der Aktenordner (Vögele/Karlsruhe)

#1 von Achim , 01.09.2014 17:52

Liebe Freunde,

über Wort-Meldungen wurde ich auf Vögeles umfangreichen Aufsatz aufmerksam, den Ihr hier findet:

http://theomag.de/90/wv12.htm

Er beschäftigt sich dort u. a. mit dem Lutherjubiläum, aber auch recht intensiv mit dem Verhältnis zwischen Kirchenverwaltung und Theologen! Wenn ich Vögele recht verstanden habe, beklagt er zu recht, dass die evangelische Kirchenverwaltung die Theologie ausblendet, bzw. auf theologischen Rat ihrer an der theologischen Front tätigen Christenbrüder verzichtet.

Das ist jedenfalls der Eindruck, den Vögeles Aufsatz bei mir hinterlässt und dem ich zuzustimmen neige.

Liebe Theologen in unseren Reihen,

wollt Ihr Euch bitte sachkundig äußern?

Euer

Achim


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RE: Das Abendmahl der Aktenordner (Vögele/Karlsruhe)

#2 von Wespe , 02.09.2014 19:17

Den Eindruck Vögeles, dass sich die Theologie aus den Kirchenleitungen längst verabschiedet hat, kann ich nur voll und ganz bestätigen. Ich hab zwar den Artikel noch nicht gelesen, aber in meinem letzten Interview von Timo Rieg, Öffentlichkeitsarbeit im Dekanat Alsfeld/Hessen (auf unserer Homepage), die Frage nach möglichen Gründen für die fatale Hilflosigkeit, Verkrampfung und schließlich rigide Behandlung von kircheninternen Konflikten mit der "fehlenden Theologie" beantwortet. Es sind nicht nur mangelnde Leitungsfähigkeiten, darauf adäquat oder gar professionell zu reagieren, es hat sich besonders in den öffentlich ausgetragenen Fällen auch gezeigt, dass es keine Ebene gibt, auf der sich die beiden kontrahierenden Parteien respektvoll begegnen könnten. Ja, diese Ebene, z. B. mit Hilfe einer Mediation, die jede Landeskirche anbieten muss, wird entweder so lange vorenthalten, wie es nur geht oder dann unterlaufen in der Form, dass einzig die Interessen der Landeskirche, nämlich den Konflikt so schnell, so heimlich, so lautlos wie möglich auf dem Buckel der einzig in Frage kommenden Person, der Pfarrperson (die man rein rechtlich in der Hand hat) umgesetzt werden. Die Interessen einer Gemeinde werden in solchen Fällen abgewertet, explizit mit den Worten: "Wir haben keine Basisdemokratie in der Kirche"; oder den Vertretern von Gemeindeinitiativen gegenüber: "Sie haben kein Mandat, das überlassen sie den gewählten Vorstandsmitgliedern", oder "Wer sind Sie schon, was heißt denn überhaupt Gemeinde" und vieles mehr. In unseren vielen Briefen/Interventionen oder auch Nachfragen in den 13 Jahren seit Bestehen von D.A.V.I.D. e.V. haben unsere theologischen Argumente oder christliches Wertgefühl keine Rolle gespielt, nicht einmal das 8. Gebot "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider Deinen Nächsten" hat eingeleuchtet! Nicht eine einzige Antwort vonseiten der kirchenleitenden oder auch nur vorgesetzten Personen haben solche Argumente oder Fragen theologisch aufgenommen. Das war eine der bitteren Erkenntnisse innerhalb unserer evangelischen Landeskirchen. Die vielbeschworene "Gemeinschaft in Christus" ist hier vollends aufgekündigt. Und ich habe hier "nur" von internen Schwierigkeiten des Umgangs miteinander gesprochen. Welche Außenwirkung diese fehlende Theologie hat, geht zur Zeit mit den hohen Austrittszahlen - verursacht durch die neuere Steuerregelung - durch die Medien.
Ich bin gespannt auf den noch nicht gelesenen Artikel!
Sabine Sunnus

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RE: Das Abendmahl der Aktenordner (Vögele/Karlsruhe)

#3 von Achim , 02.09.2014 19:44

Liebe Wespe, liebe Freunde,

es braucht schon seine Zeit, Vögele a.a.O. nachzulesen und zu verstehen.

Denke aber, dass uns Vieles verbindet. Du, liebe Sabine Sunnus, bist ja schon auf seiner Linie, wenn ich Dich und Vögele recht verstehe.

Euer

Achim


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RE: Das Abendmahl der Aktenordner (Vögele/Karlsruhe)

#4 von Robin , 02.09.2014 21:33

Lieber Achim, liebe Wespe!
Ich habe soeben den Aufsatz von Vögele gelesen. Aber er ist sehr lang und nicht ganz einfach zu verstehen. Übrigens wurde er mir von Stephan Sch. zugeschickt. Er kursiert also auch im Gemeindebund. Nun, jeder wird sich heraussuchen, was ihm gefällt. Dass Vögele die Theologieferne der Kirchenleitenden anprangert, ist berechtigt, entspricht aber auch seinem eigenen Status als einem Angehörigen einer Theologischen Fakultät. Mir gefallen hat sein Hinweis auf die fehlende Debattenkultur im heutigen evangelischen Raum. Statt ernsthafter Auseinandersetzungen über strittige Themen, wie sie früher z.B. in den evangelischen Akademien geführt wurden, Marketingstrategien, Anpassung jeweils an den Mainstream. Wie kommen wir in der Öffentlichkeit vor, ist die Frage. Und was Synoden "entscheiden", ist längst in den Ämtern vorentschieden. Ich habe aber den Eindruck, dass wir mit unserem Projekt "Schwarzbuch" ganz richtig liegen. Denn da wird es um die theologische Auseinandersetzung gehen, aber unterfüttert mit vielen sehr konkreten Beispielen, die wirklich entlarvenden Charakter haben. Insofern verbinden wir kritische theologische Hinterfragung mit Einblicken in das, was an der Basis unserer Kirche heute geschieht. Darüber weiß auch Vögele in seiner akademischen Höhe wenig zu sagen.
Aber ich gebe zu: ich müsste den Aufsatz noch einmal und noch gründlicher lesen.
Robin

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RE: Das Abendmahl der Aktenordner (Vögele/Karlsruhe)

#5 von Achim , 03.09.2014 17:55

Nun ja, liebe Freunde, insbesondere liebe Theologen,

dass Vögeles Aufsatz umfangreich und für einen Nichttheologen nicht ganz einfach zu verstehen ist, hatte ich schon befürchtet, gleichwohl gemeint, herauslesen zu können, dass er in der kirchlichen Administration konkrete Bezüge zur Theologie (möchte als Nichttheologe Theologie als christliches Verständnis/Zusammenleben verstehen) vermisst. Also platt ausgedrückt:

Er beklagt fehlende christliche Nächstenliebe im Umgang zwischen der Kirchenverwaltung und ihren Pfarrern. Das meine ich, bei ihm herausgelesen zu haben.

Nun gut, nun lese ich, dass Vögeles Aufsatz für gelernte Theologen nicht ganz einfach zu verstehen ist und er möglicherweise aus akademischer Höhe - lebensfremd ? - operiert/argumentiert.

Das mag sein, zeigt mir Nichttheologen aber auch meine Grenzen auf. Wollte mit meinem Hinweis auf Vögeles Aufsatz eigentlich nur eine Diskussion in unseren Reihen anstoßen. Wenigsten das scheint mir gelungen zu sein.

Euer

Achim


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