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Urlaubslektüre 1

#1 von Joringel , 02.10.2015 12:56

Wendy Holden: Die KZ-Babys von Mauthausen - erschienen 2015 bei Weltbild
Am 5. Mai 1945 wurden die Gefangenen des Konzentrationslagers Mauthausen von US-Truppen befreit. Zum 70. Jahrestag der Befreiung erzählt die britische Journalistin Wendy Holden in „Schicksalskinder - Die KZ-Babys von Mauthausen“ die wahre Geschichte dreier Babys, die im KZ unter den schrecklichsten Bedingungen geboren wurden.
Im Frühjahr 1945, kurz vor Kriegsende, werden im Konzentrationslager Mauthausen drei Kinder geboren: Eva, Hana und Mark. Ihre Väter waren von den Nationalsozialisten ermordet worden. Ihre Mütter haben Unvorstellbares durchgemacht. Sie haben Hass und Verfolgung überlebt, das Vernichtungslager Auschwitz, die Todestransporte zurück nach Westen, den Hunger, die Gewalt. Aber sie sind nur noch lebende Skelette, und es scheint, als hätten ihre Kinder in dieser Welt des Grauens nicht den Hauch einer Chance. Keines der Kinder wog bei seiner Geburt mehr als drei Pfund.
Mühsamer Weg zurück ins Leben
Doch wie durch ein Wunder halten alle sechs durch. Mark und seine Mutter entgehen des Gaskammern von Mauthausen nur durch einen unfassbaren Zufall. Den Nazis ist das Zyklon B ausgegangen. Wenig später, am 5. Mai 1945, wird das Lager von den amerikanischen Truppern befreit. Die drei Babys und ihre Mütter werden von US-Soldaten ein paar Tage lang aufgepäppelt, dann beginnt ihre mühsamer Weg zurück ins Leben.
Jahrzehntelang wissen die drei Mauthausen-Kinder nichts vom Schicksal der anderen. Zum ersten Mal begegnen sich die „KZ Babys“, die heute in Amerika und in Großbritannien leben, 65 Jahre später zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslager Mauthausen. Und erfahren von der unvorstellbaren Geschichte der anderen. Die Mütter Anka, Rachel und Priska sind inzwischen verstorben.
Eine Geschichte über das Wunder des Lebens
Siebzig Jahre nach ihrer Rettung haben sich Eva, Hana und Mark wieder getroffen, um der Autorin Wendy Holden für das Buchprojekt „Schicksalskinder - Die KZ-Babys von Mauthausen“ ihre erschütternde Geschichte zu erzählen. Es ist auch die Geschichte ihrer Mütter, die dem Tod trotzten, um ihnen das Leben zu schenken. Und es ist eine Geschichte über das Wunder des Lebens und der Menschlichkeit.
Auf den Spuren ihrer Mütter
Im Mai 2015 sind die „KZ Babys“ dabei, wenn auf dem Hügel der Gedenkstätte Mauthausen der siebzigste Jahrestag ihrer Befreiung gefeiert wird. An dem Ort, an dem sie noch in den letzten Tagen der Nazi-Tyrannei sterben sollten, werden sich die drei siebzig Jahre alten Waisenkinder an den Händen fassen und zusammen durch das Lager gehen, auf den Spuren von drei Frauen, die nicht nur unvorstellbare Schrecken überlebten, sondern auch dem Tod trotzten, damit ihre Kinder leben konnten.

Das ist der Original-Text, der von Weltbild veröffentlicht ist, wenn man den Titel im Internet sucht.


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RE: Urlaubslektüre 2

#2 von Joringel , 02.10.2015 13:11

Dieses Buch wurde mir während meines Urlaubs von einer Freundin in die Hand gedrückt. Nicht gerade das, was man sich im Urlaub wünscht. Ich vermute, die Freundin wollte das Grauen mit mir teilen. Im Internet findet ihr viele Buchbesprechungen, die alle eine Gemeinsamkeit haben: Das Entsetzen vor diesem Bericht, der dennoch für Mütter und Kinder im Sinne des Überlebens gut endete.

Ich möchte nur noch auf einen Abschnitt des Buches hinweisen, als der Zug (offener Viehwaggon) mit seiner dem Tod geweihten Fracht (Menschen im erbärmlichsten Zustand) einen kleinen Bahnhof in Tschechien passierte und dort warten mußte. Der dortige Bahnhofvorsteher beharrte auf seiner Führungsrolle gegenüber dem Zugkommandanten. Er organisierte gegen seinen Willen in dem kleinen Dorf Nahrungsmittel und Getränke für die Gefangenen und bestand darauf, dass sie unter seiner Führung verteilt wurden. Außerdem sorgte er sich darum, dass die Leichen der Verstorbenen, die regelmäßig aus dem Zug geworfen wurden, würdig bestatt et wurden. Ein kleiner Bahnhofsvorsteher in einem Inferno von Unrecht und Gewalt, der sich seine Menschlichkeit bewahrt hatte und auch vor dem Übermaß an Leid und Not nicht kapitulierte. Ich war tief beeindruckt.

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