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Articulus stantis et cadentis ecclesiae

#1 von cezanne , 29.11.2014 07:07

Wir leben in einer beinharten Leistungsgesellschaft. "Jeder gegen jeden". Der Einzelne bekommt Druck und macht Druck. Die Kirche verkündet dahingegen etwas ganz anderes, nämlich die Gnade, die Liebe und Barmherzigkeit Gottes, die bedingungslos und unendlich sind. Diese Botschaft ist /könnte sozusagen wie eine rettende Insel, wie ein Leuchtturm sein im tobenden Meer des Existenzkampfes.
Mobbing ist in dieser Leistungsgesellschaft etwas normales und sogar integraler Bestandteil. Wenn Mobbing in der Kirche nicht mehr als solches gesehen und erkannt wird, bzw. wenn gegen Mobbing nicht wirklich eingeschritten wird, ist das ein Zeichen, dass diese Insel, dieser Leuchtturm vom Meer verschlungen worden sind. Was nun?
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RE: Articulus stantis et cadentis ecclesiae

#2 von wegeM , 29.11.2014 10:00

Guten Morgen cezanne,
um all das kreisten gerade meine Gedanken in den Morgenstunden. Gerade wieder.
Mal gehen diese Gedanken mit sehr düsteren anderen einher, mal mit etwas "kämpferischen" wie jetzt gerade.
Da schmiede ich innerlich Pläne und es findet "speaker corner im hydepark "statt.
Konkret heißt da, daß ich diese Missstände in die Öffentlichkeit bringe.
In den Momenten der Überforderung ist das nicht zu schaffen.
Der einzelne Mensch wird von vielen Seiten, aus vielen Bereichen angegriffen in seiner Existenz.
Von da gingen meine Gedankenstürme auch gerade aus: von den vielen Schädigungen für Menschen und Gruppen.
Deutschland ist ein Opferland geworden. Es werden immer mehr Opfergruppen geschaffen.
Gestern erzähle mir eine junge Frau, daß ihnen das Hochwasser das Haus weggerissen hat.
Das Grundstück darf nicht mehr bebaut werden. Die Gemeinde muß es kaufen. Sie wohnen mit dem Kind
das 2. Jahr in einem vollgestellten Zimmer bei den Eltern in einem anderen Bundesland und sind fertig. Lange Arbeitswege.

Wielange soll das noch so gehen? Vorgestern haben Politiker eingebracht mit den Flutgeldern andere Löcher
zu stopfen (wars für die Flüchtlinge) . Wie kann man überhaupt auf so einen Gedanken kommen? Es wurde abgelehnt.
Warum dauert das so lange? ich las immer mal Berichte von den Dörfern am Rande der Dübener Heide.
Man möchte helfen, doch erforderlich ist das zielstrebige Handeln der Politiker. Andererseits muß man laut
Partei ergreifen, wenn sich das alles hinzieht und nichts passiert.
Die Medien hätten die Macht wie viele andere auch, aber da ist es still. Auch die begrenzen sich in ihren Möglichkeiten.

Es gibt keine Vorangänger gegen Ungerechtigkeit und Missstand. Auch nicht in der Kirche.
Da kommen nur schlappe Standpunkte ohne jede Tatkraft.
Auf Opferseite teilweise berechtigte Schwäche und Hoffnungslosigkeit. Auch falsche Abwartehaltung.
Und diese allseitige Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit!

Wo ist anzusetzen? An welcher Stelle finden wir die gemeinsamen Nenner?

In DD, wie man vielleicht gesehen hat, marschiert PEDIGA und sie marschieren jeden Dienstag.
Sehr schnell sind es 5500 geworden und die Polizei erwartet demnächst schon die doppelte Anzahl.
Eine gemischte, unterlaufene Meute. Aber ich bin sicher, daß darunter ganz viele sind, die nur dort die
Möglichkeit sehen, diesen ganzen gegen sie gerichteten Sozialterror nach außen zu bringen.

Die Rolle der Kirchen sehe ich schon lange verwässern. Seit der Wende haben sich da Kräfte eingeschlichen,
die Kirche als gute Gemeinschaft noch mehr in Frage stellen.
Vor der Wende war es die Stasi, die das alles unterlaufen hat, aber dennoch war es möglich, daß sich
Menschen zusammen taten. Nach der Wende sitzen da Politiker und Beamte in den ersten Reihen und in den Räten,
in den Kirchenleitungen und Synoden, die genau zu dem Ergebnis führen, das wir jetzt haben.
Kirche ist für mich kein Ort des Vertrauens.
Und Vertrauen ist ein nächstes Stichwort für weitere Gedanken…...

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RE: Articulus stantis et cadentis ecclesiae

#3 von azalee , 29.11.2014 12:43

Lieber cezanne,
was nun- DAS ist die Frage, aber nicht für die Kirche.Denn sie leugnet be-stän-dig (mit Bestand) MOBBING in ihren Reihen. Sie hat Mitleugner: die breite Masse des "einfachen Kirchenvolkes", die eher in Autoritätshörigkeit nach Oben statt nach unten zu den Gemobbten zu schauen. Was hörte ich vor vielen Jahren von einer Pfarrfrau: Die "Gemobbten" sind doch selbst schuld daran, dass es so mit ihnen gekommen ist".
Kirche hat immer noch den Ruf - schon 2000 Jahre lang- der "guten Mutter , die in Barmherzigkeit und Güte handelt.
Und sicher hat sie schon rückblickend Gutes getan- das möchte ich nicht verleugnen.ABER: Mobbing DARF nicht sein. das passt nicht zur"guten Mutter Kirche" . Und die Kirche ist eine wichtige Säule des Staates. der Staat schützt und stützt die Kirche- und verschließt die Augen vor den unheilvollen Dingen, die bei der Kirche passieren. Die Kirche geht mit genau denselben Mitteln wie der Staat( und noch schlimmer) gegen ihre Mitarbeiter vor.; Drohung, Androhung von Maßnahmen, Verleugnung, Rufschädigung, Exkommunikation- Exkommunion...
So kann ich wegeM Recht geben: Öffentlichkeit herstellen! auf die Gefahr hin, dass immer Unbedarfte sagen:"selbst dran Schuld- die Opfer- die sind eben nicht richtig im Kopf...."

Ach ja, die s.o von mir erwähnte Pfarrfrau und ihr Mann (Pfarrer) wurden Ende der 90-er Jahre von der Gemeinde gemobbt, so dass er schnell in den Ruhestand und sie beide dann nach Westdeutschland zogen


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RE: Articulus stantis et cadentis ecclesiae

#4 von Achim , 29.11.2014 14:17

Lieber Cezanne,

mein Latein ist mir etwas abhanden gekommen.

Articulus stantis et cadentis ecclesiae

Darf ich Dich/Euch höflichst um Nachhilfe bitten?

Kunst und Kirche kann ich noch gerade noch ausmachen.

LG

Achim


Gemeinsam sind wir stark!

 
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RE: Articulus stantis et cadentis ecclesiae

#5 von Robin , 29.11.2014 19:44

Es ist der Artikel, mit dem die Kirche nach Martin Luther steht oder fällt, nämlich der Artikel von der Rechtfertigung des Menschen - nicht durch Leistung, Erfolg, Ruhm, Reichtum, gute Lebenswerke - sondern allein durch die Gnade Gottes. (Vgl. den Gemeindevortrag von Kittel "Eine letzte Gewissheit?" in diesem Forum Diskutieren & Plaudern)
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RE: Articulus stantis et cadentis ecclesiae

#6 von turmfalke , 29.11.2014 22:37

Lieber Cezanne!

Schön dass Du dich mal wieder meldest!

Der Artikel durch den die Kirchen steht oder fällt: Wenn wir der Gnade Gottes glauben - und danach handeln, dann ist Kirche. Wenn nicht, dann fällt die Kirche, das heißt sie hört auf Kirche im Sinne Christi zu sein. So sieht es Luther! Recht so.

Ich brauche gerne eine anderen ähnlichen Satz: "Eine Gemeinde, die mit den Prediger, der ihr von der Barmherzigkeit Gottes predigt, unbarmherzig umgeht, die verliert die Fähigkeit, für sich selber an die Barmherzigkeit Gottes zu glauben." Musterbeispiel ist die Geschichte der Gemeinde Gottes in Korinth bei Paulus im 2. Korintherbrief. Gut ist auch wie Paulus damit umgeht: "...meine Kraft ist in den Schwachen mächtig..."

Wie geht es Dir? Du sprachst vom Leuchturm, der im Wasser untergeht. Das klingt schlimm!

Vielleicht magst Du mal eine private mail schreiben.

Viele Grüße! Turmfalke


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